Cadillac lässt Fahrer ab Mitte Dezember 2026 auf mehr als 180.000 km europäischer Straßen die Hände vom Lenkrad nehmen. General Motors teilte am 4. November in Zürich mit, dass Super Cruise, sein Fahrerassistenzsystem nach Level 2, zunächst in mehr als 15 europäischen Ländern starten wird, darunter Deutschland, Frankreich und die Schweiz (Mitteilung von GM). Seine Europapremiere feiert das System auf der Auto Zürich vom 5. bis 8. November.

Teslas Gegenstück darf in keinem dieser drei Länder genutzt werden. Deutschland und Frankreich gehören nicht zu den zehn EU-Ländern, die die niederländische Zulassung von Tesla Assisted Driving anerkannt haben – des Systems, das Tesla in Europa als FSD (Supervised) verkauft hat –, und in der Schweiz hat Tesla nie einen Antrag gestellt.

Was Super Cruise kann

Cadillac Super Cruise in Europa
Stufe Level 2: Hände weg vom Lenkrad, Blick auf die Straße
Straßen Freigegebene Autobahnen und andere mehrspurige Straßen, mehr als 180.000 km
Geschwindigkeit 0 bis 130 km/h, auch im Stop-and-go-Verkehr
Spurwechsel Der Fahrer tippt den Blinker an; das Auto wechselt die Spur, sobald sie frei ist
Fahrzeuge Optiq ab Modelljahr 2025, Lyriq und Vistiq ab Modelljahr 2026
Start Mitte Dezember 2026
Kosten Drei Jahre inklusive, danach kostenpflichtiges Abo

Ein Fahrerüberwachungssystem prüft, ob der Fahrer weiterhin auf die Straße schaut, und eine grüne Leuchtleiste am Lenkrad zeigt an, wann Super Cruise aktiv ist. Google Maps im Fahrzeug markiert, welche Straßen freigegeben sind und welcher Anteil einer geplanten Route freihändig gefahren werden kann. Das System kombiniert per Lidar erstellte Kartendaten mit Kameras, Radar und GPS; Karten und Software werden per OTA-Update aktualisiert.

Bei Neuwagen laufen die drei Jahre ab der Erstzulassung. Bereits ausgelieferte Fahrzeuge benötigen laut Automobil Revue ein Software-Update, das ein Cadillac-Servicepartner aufspielt; ihre drei Jahre beginnen erst dann. Danach brauchen Besitzer sowohl ein Super-Cruise-Abo als auch ein Abo für die Connected Services. Europäische Preise hat GM nicht veröffentlicht.

Maximilian Wittich, bei GM Managing Director für Digital Services and Experiences, sagte, die Technik sei für europäische Straßen und Vorschriften getestet und angepasst worden. Welche Zulassung Super Cruise in Europa nutzt, gab GM nicht an.

Nicht dieselbe Aufgabe wie Teslas System

Der Vergleich hat Grenzen. Super Cruise ist ein Autobahnsystem für kartierte Straßen. Tesla Assisted Driving folgt einer Navigationsroute vom Start bis zum Ziel, einschließlich Stadtstraßen, und ähnelt damit eher dem Punkt-zu-Punkt-Assistenten von Mercedes, den der Hersteller ab dem ersten Halbjahr 2027 in Deutschland verkaufen will.

Das nächste europäische Gegenstück zu Super Cruise ist der Highway Assistant von BMW, der ebenfalls freihändiges Fahren bis 130 km/h erlaubt und den BMW auf Basis einer einzigen Genehmigung nach UN-Regelung 171 in 18 europäischen Märkten anbieten kann. Teslas Weg ist langsamer: Jedes EU-Land entscheidet selbst, ob es die niederländische Ausnahmegenehmigung anerkennt. Mit einer EU-weiten Abstimmung im technischen Ausschuss der Mitgliedstaaten ist nicht vor Dezember zu rechnen, und ihr Ausgang ist weiterhin ungewiss.

Was das für Tesla-Besitzer bedeutet

Nur wenige Europäer werden Super Cruise nutzen. Cadillac verkauft in Europa ausschließlich Elektroautos, und das in kleinen Stückzahlen: In Schweden wurden in den ersten zehn Monaten 2026 drei Cadillacs zugelassen, berichtet Elbilen unter Berufung auf Mobility Sweden.

Das Signal ist regulatorischer Natur. Ab Mitte Dezember kann ein Cadillac-Fahrer in Deutschland oder Frankreich auf freigegebenen Autobahnen freihändig fahren, während ein Tesla-Besitzer in denselben Ländern Teslas System überhaupt nicht nutzen kann. Super Cruise hat seit dem Start 2017 in Nordamerika mehr als 1,5 Milliarden km zurückgelegt und wird auch in Kanada, China und Südkorea angeboten; als Nächstes folgt der Nahe Osten.