Frankreich hat seine Haltung zu Full Self-Driving geändert. Verkehrsminister Philippe Tabarot, der das System im Juli nicht zulassen wollte, erklärte am 2. September 2026 — nach einer Videokonferenz mit Elon Musk —, die französischen Behörden hätten seit Monaten mit Tesla an technischen Anpassungen gearbeitet, „die es Frankreich ermöglichen werden, die Homologation zu unterstützen”. Tesla hat dem Ministerium zwei mit FSD ausgerüstete Fahrzeuge übergeben, und Frankreich hat deren Erprobung auf öffentlichen Straßen genehmigt.
Die zwei Einwände und was sie beantwortet hat
Im Juli benannte Tabarot zwei konkrete Probleme und bezeichnete Teslas Sicherheitsabwägungen als „pas encore suffisantes” — noch nicht ausreichend. Für beide liefert nun die Nachweisakte eine Antwort, die Tesla am 1. September veröffentlicht hat.
| Einwand vom Juli | Was die Einreichung dagegenhält |
|---|---|
| FSD kann das ausgeschilderte Limit um bis zu 50 % überschreiten, um mit dem Verkehr mitzuhalten | 98 % der Fälle von Geschwindigkeitsüberschreitung lagen auf oder unter der mittleren Geschwindigkeit des umgebenden Verkehrs |
| Die Aufmerksamkeit der Fahrer lässt bei Spurwechseln und in Kreisverkehren nach | Die Überwachung bleibt verpflichtend — Hände am Lenkrad, Fahrer jederzeit übernahmebereit |
Zwei der acht Studien in dieser Akte greifen die französischen Beanstandungen nahezu wortgleich auf. Das ist kein Zufall. Die Ablehnung Frankreichs im Juli legte genau fest, welche Zahlen Tesla vorlegen müsste — und die Einreichung hat sie geliefert.
Paris war bereits Teil der Testflotte
Die Einreichung weist seit April 2026 1,6 Millionen gefahrene Kilometer in fünf europäischen Ländern ohne schwere Kollisionen aus sowie eine Erfolgsquote von 99 % in mehr als 230.000 Szenarien in sechs Städten — Paris darunter. Französische Straßen gehörten zu Teslas Validierungsarbeit, bevor Frankreich selbst überhaupt Tests zusagte.
Warum Frankreich das für die gesamte EU entscheidet
Die Zulassung läuft über den Technischen Ausschuss für Kraftfahrzeuge, der am 6. Oktober abstimmt. Erforderlich ist eine doppelte Mehrheit: mindestens 15 von 27 Mitgliedstaaten, die 65 % der EU-Bevölkerung repräsentieren.
| Anteil an der EU-Bevölkerung | |
|---|---|
| Die fünf Staaten, die die niederländische Zulassung anerkannt haben | rund 8,9 % |
| Frankreich allein | rund 15 % |
| Für die Mehrheit erforderlich | 65 % |
Frankreich wiegt für sich genommen schwerer als alle Länder zusammen, die bereits zugestimmt haben. Deutschland und Italien prüfen noch, und ohne mindestens zwei der drei größten Mitgliedstaaten sind 65 % rechnerisch unerreichbar. Deshalb zählt hier ein einziger Satz eines Verkehrsministers mehr als die beiden Testfahrzeuge.
Was nicht passiert ist
Homologiert ist nichts. Tabarots Botschaft sagt Unterstützung für die Homologation zu — ohne Zeitplan und ohne veröffentlichte Auflagen —, und ein Straßentestprogramm mit zwei Fahrzeugen ist keine Zulassung. FSD (Supervised) bleibt ein Level-2-System, bei dem rechtlich der Fahrer fährt — weshalb auch ein unter FSD kassierter Bußgeldbescheid Sache des Fahrers bleibt.
Auch die von Frankreich vorgebrachten Einwände sind technisch nicht ausgeräumt worden. Sie wurden mit Teslas eigenen Messungen beantwortet, vorgelegt von Tesla. Schweden hat die EU aufgefordert, den Antrag abzulehnen, sofern das Geschwindigkeitsverhalten nicht entfernt wird, und der Europäische Verkehrssicherheitsrat will die Abstimmung ganz verschieben. Dass Frankreich von der Ablehnung zur Unterstützung wechselt, entscheidet den 6. Oktober nicht. Es macht die Rechnung aber zum ersten Mal überstehbar.