Teslas Vorstoß, Full Self-Driving (Supervised) auf europäische Straßen zu bringen, ist auf sein bislang größtes Hindernis gestoßen. Frankreichs Verkehrsminister Philippe Tabarot hat bestätigt, dass das Land das System „in seiner jetzigen Form” nicht genehmigen wird, und verweist auf Sicherheitsbedenken — doch die Entscheidung ist weniger eine glatte Absage an Tesla als vielmehr die Forderung, dass Europa die Technologie gemeinsam zulässt und nicht Land für Land.
Zwei Sicherheitsbedenken
Tabarot nannte zwei konkrete Probleme. Das erste ist die Geschwindigkeit. In der aktuellen Konfiguration kann FSD das vorgeschriebene Limit um bis zu 50 % überschreiten, um mit dem umgebenden Verkehr Schritt zu halten — etwa 70 km/h in einer 50-km/h-Zone —, ohne dass der Fahrer dies verlangt. Für ein Land, das seit Jahren die Geschwindigkeitsüberwachung in Städten verschärft, ist ein Assistenzsystem, das systembedingt zu schnell fährt, schwer zu vermitteln.
Das zweite Bedenken betrifft die Aufmerksamkeit. Die französischen Aufsichtsbehörden sind nicht davon überzeugt, dass Teslas derzeitige Fahrerüberwachung die Fahrer bei komplexen Stadtmanövern wie Spurwechseln und Kreisverkehren ausreichend eingebunden hält — Situationen, in denen ein überwachender Fahrer bereit sein muss, sofort einzugreifen.
Keine endgültig verschlossene Tür
Entscheidend ist: Frankreich verbietet FSD nicht rundweg. Was das Land ablehnt, ist, die in den Niederlanden bereits erteilte nationale Zulassung einfach abzunicken; die dortige Fahrzeugbehörde hatte das System Anfang dieses Jahres für niederländische Straßen freigegeben. Nach den EU-Regeln zur Typgenehmigung kann die nationale Zulassung eines Mitgliedstaats den anderen die Tür öffnen — doch Frankreich wartet lieber auf eine ordentliche Freigabe für den gesamten Staatenbund, als die Entscheidung eines anderen Landes zu übernehmen.
Ein Vertreter des französischen Verkehrsministeriums reiste zu technischen Gesprächen in die Niederlande, und Frankreich erklärt, es setze die Gespräche mit der niederländischen Behörde, anderen europäischen Staaten und mit Tesla selbst fort, um seine Bewertung zu verfeinern. Dies ist eine Verhandlung, kein endgültiges Urteil.
Warum eine EU-weite Zulassung schwierig ist
Grünes Licht für den ganzen Kontinent ist eine hohe Hürde. Eine EU-weite Zulassung eines Systems wie FSD läuft über den Technischen Ausschuss für Kraftfahrzeuge, in dem eine qualifizierte Mehrheit erforderlich ist: Mindestens 15 der 27 Mitgliedstaaten, die 65 % der Bevölkerung des Staatenbunds repräsentieren, müssen dafür stimmen.
Diese Rechnung verschafft den größten Ländern übermäßigen Einfluss. Deutschland, Frankreich und Italien bringen zusammen genug demografisches Gewicht auf, um jede Entscheidung zu prägen — oder zu blockieren —, und bislang hat keines der drei FSD national zugelassen. Frankreichs Haltung ist deshalb weit über die eigenen Grenzen hinaus bedeutsam: Ohne die großen Drei ist eine qualifizierte Mehrheit nur schwer zusammenzubekommen.
Was das für europäische Halter bedeutet
Vorerst geht der Flickenteppich weiter. Mehrere kleinere Märkte haben FSD (Supervised) national bereits zugelassen — wie TeslAnt berichtete, als Belgien als fünftes europäisches Land Tesla FSD genehmigte —, während sich die größten Märkte zurückhalten. Französische Halter, die eine Funktion aktivieren möchten, für die viele bereits bezahlt haben, müssen sich gedulden, und Teslas sauberster Weg nach vorn führt nun über Brüssel und nicht über eine einzelne nationale Hauptstadt.
Das Unternehmen hat die europäische Einführung von FSD durchweg als Frage des „wann, nicht ob” dargestellt. Frankreichs Botschaft lautet, dass das „Wann” davon abhängt, ob es die Aufsichtsbehörden zunächst bei der Einhaltung von Geschwindigkeiten und der Fahreraufmerksamkeit zufriedenstellt — und dies idealerweise für den gesamten Staatenbund auf einmal tut.
Update: 2026-07-24
Am 23. Juli 2026 reagierte Elon Musk öffentlich auf die Entscheidung von France und schrieb auf X, dass „eine Verzögerung der Zulassung von FSD in France Menschenleben kosten wird“ — das Standardargument von Tesla, wonach überwachte Automatisierung sicherer sei als unbegleitetes menschliches Fahren, wie Teslarati berichtete. Der Schlagabtausch verwandelt eine technische regulatorische Prüfung in einen öffentlichen politischen Streit und deutet eher auf zähe Verhandlungen als auf eine rasche Lösung hin. Unterdessen driftet das europäische Bild auseinander: Während France sich sperrt, hat Greece signalisiert, dass es auf eine Zulassung von FSD zusteuert, was untermauert, dass die Einführung Land für Land voranschreiten wird und nicht über eine einzige blockweite Entscheidung.