Grünheide, die brandenburgische Gemeinde mit Teslas einziger europäischer Autofabrik, will noch vor Ende 2026 Tesla-Shuttles für seine Schulkinder einsetzen. Nach Angaben des Bürgermeisters sollen noch in diesem Jahr selbstfahrende Tesla-Shuttles in der Gemeinde starten, wie die regionale Tageszeitung Märkische Oderzeitung (MOZ) am 17. Oktober berichtete. Tesla wird eigene Sicherheitsfahrer in den Fahrzeugen einsetzen; damit ist das Vorhaben ein begleiteter Pilotversuch und kein fahrerloser Dienst.

Was die Gemeinde plant

Der MOZ-Bericht steht hinter einer Paywall. Teslamag, das ihn am 20. Oktober zusammenfasste, nennt die Einzelheiten:

  • Der Bürgermeister informierte den Gemeinderat vergangene Woche über den mit Tesla vereinbarten neuen Dienst.
  • Er ist für das Personal und die Schüler der Grünheider Grundschule vorgesehen, die seit diesem Jahr einen zweiten Standort hat. Die Shuttles würden zwischen den beiden rund 8 km voneinander entfernten Standorten verkehren.
  • Der Start wartet auf eine Bahnüberführung zwischen den beiden Standorten, deren Fertigstellung im November erwartet wird.
  • Tesla-Sicherheitsfahrer werden in den Shuttles mitfahren und können bei Bedarf eingreifen.

Keiner der beiden Berichte zitiert Tesla. Weder Fahrzeugzahl, Fahrplan noch Kosten wurden veröffentlicht.

Begleitet, nicht fahrerlos

Der Sicherheitsfahrer ist das entscheidende Detail. Wie Teslamag hervorhebt, macht ein Tesla-Mitarbeiter, der bereit ist zu übernehmen, dies zur gewöhnlichen Nutzung von FSD (Supervised), das Tesla in Europa inzwischen als Tesla Assisted Driving vermarktet, und nicht zu einem autonomen Shuttle.

Deutschland hat dieses System nicht für die eigenen Straßen zugelassen. Neun europäische Länder haben dies getan, zuletzt die Slowakei am 16. Oktober, und Deutschlands Verkehrsminister hat erklärt, er werde auf eine Zulassung in der gesamten EU drängen.

Die Vorlage existiert bereits. Seit Mai befördern zwei Model Y Schüler und ältere Einwohner rund um Prüm in der Eifel in einem von den lokalen Behörden und Tesla betriebenen Pilotversuch, mit einem Tesla-Mitarbeiter am Steuer. Laut Teslamag nennt MOZ dieses Projekt als Vorbild für Grünheide.

Warum Grünheide wichtig ist

Es wäre Teslas zweiter Shuttle-Pilotversuch in Deutschland und der erste in Brandenburg, dessen Verkehrsministerium seit dem Sommer mit Tesla über fahrerlose Shuttles auf ländlichen Routen spricht. Bei diesen Gesprächen wurden weder eine Strecke noch ein Termin genannt. Grünheides Plan benennt beides: zwei Schulstandorte und einen Start, sobald die Überführung eröffnet wird.

Zugleich ist es Teslas Heimspiel. Die Gigafactory ist laut Teslamag der größte industrielle Arbeitgeber der Region und Brandenburgs. Die Strecke ist kurz und festgelegt, und ein Sicherheitsfahrer ist an Bord. Eine deutsche Zulassung des Systems selbst wäre eine separate Entscheidung, die bislang nicht getroffen wurde.

Worauf zu achten ist

Der erste Prüfstein ist die Überführung im November. Danach stellt sich die Frage, ob Tesla oder die Gemeinde ein Startdatum nennen, wie viele Fahrzeuge eingesetzt werden und wer mitfahren darf. Falls Deutschland FSD (Supervised) landesweit zulässt, lautet die nächste Frage, ob die Sicherheitsfahrer an Bord bleiben.

Update: 2026-10-20

Am 20. Oktober 2026 berichtete der regionale Sender rbb unter Berufung auf ein ihm vorliegendes Tesla-Dokument, dass die Testfahrten insbesondere für Lehrkräfte der Gerhart-Hauptmann-Grundschule in Grünheide vorgesehen sind, die während des Schultags zwischen deren beiden Standorten pendeln müssen. Damit werden frühere Berichte über einen Shuttle für Personal und Schüler präzisiert: rbb nennt ausschließlich Lehrkräfte als Fahrgäste.

Dem Dokument zufolge handelt es sich bei dem Fahrzeug um ein Model Y, das die feste Strecke während der gesamten Fahrt mit Tesla Assisted Driving zurücklegt; am Steuer sitzt ein geschulter Sicherheitsfahrer, der jederzeit eingreifen kann und weiterhin für das Fahren verantwortlich ist. Laut rbb sind die Fahrten zunächst für einige Monate geplant und könnten verlängert werden. Bürgermeister Arne Christiani bestätigte den Plan. Das Dokument verknüpft den Piloten zudem mit dem Ziel der Landesregierung, Brandenburg zu einer Modellregion für autonomes Fahren zu machen. rbb zitiert keine Stellungnahme von Tesla.