Für Tesla-Fahrer in einer Prager Wohnung ohne Garage war die Antwort der Stadt auf das Laden zu Hause immer die Laterne vor der Tür. Diese Antwort hat gerade zwei weitere Jahre Zeit bekommen, um einzutreffen.

Prag hat die Verträge hinter seinem Programm für öffentliche Beleuchtung und Ladeinfrastruktur — Upgrade sítě veřejného osvětlení pro účely dobíjení e-mobility — vom Ende 2026 auf den 31. Dezember 2028 verlängert. Die Verlängerung betrifft die Vereinbarungen der Stadt mit dem Netzbetreiber PREdistribuce und dem städtischen Unternehmen Technologie hlavního města Prahy (THMP). Als Grund nennt die Stadt keine Planänderung, sondern eine Tempoänderung: Die ersten Projekte dauerten länger als erwartet, und die dafür vorgesehenen Mittel wurden nicht ausgegeben.

Was das Programm tatsächlich baut

Der unspektakuläre Teil ist der eigentliche Punkt. Prag installiert weniger Ladepunkte an Laternenmasten, als dass es Laternenmasten in die Lage versetzt, sie später aufzunehmen — es legt einen ausreichend dimensionierten Stromanschluss zu ausgewählten Masten, solange die Straße für die Erneuerung von Beleuchtung und Verteilnetz ohnehin geöffnet ist, und überlässt die Ladetechnik einem späteren Schritt.

Genau diese Reihenfolge ist das ganze Argument. Beleuchtungsnetz und Verteilnetz in einem einzigen Aufgraben zu erneuern erspart es, denselben Gehweg zweimal aufzureißen, und deshalb sind beide vertraglich miteinander verknüpft. Rund 150 Masten sollen im Laufe des Jahres 2026 auf diese Weise vorbereitet werden, für rund 100 Millionen tschechische Kronen (etwa 4,1 Millionen Euro).

„Wir setzen die Modernisierung der öffentlichen Beleuchtung fort und verbinden sie mit dem Ausbau der E-Mobilität”, sagte der stellvertretende Bürgermeister Michal Hroza.

Der Pilotbetrieb ist vier Jahre alt

Das ist in Prag keine neue Idee, und genau deshalb ist der Verzug bemerkenswert. THMP nahm den Pilotbetrieb im Dezember 2022 in Vinohrady in Prag 2 auf, in den Straßen Moravská, Korunní, Chodská, Kladská, Slezská und Slovenská.

Detail des Pilotbetriebs Wert
Ladestationen 13
Ladepunkte 25
Leistung je Station Bis zu 2 × 22 kW
In Betrieb seit Dezember 2022
Zugang Chip über prahanabiji.cz oder einmalige QR-Zahlung

Damals waren stadtweit 55 ladefähige Masten vorbereitet, für 2023 waren 240 geplant und in den Jahren danach „ein Vielfaches davon”. Vier Jahre später lautet die Zahl für 2026: 150.

Was 22 kW in einem Tesla bedeuten

Nützlich — und langsamer, als die Zahl vermuten lässt. Eine Station mit 2 × 22 kW teilt ihre Leistung auf zwei Fahrzeuge auf, und die entscheidende Obergrenze ist das AC-Bordladegerät des Autos, nicht der Mast: Ein europäisches Model 3 oder Model Y nimmt am dreiphasigen Wechselstrom maximal 11 kW auf. Über Nacht angeschlossen, reicht das bequem für eine volle Batterie nach einem normalen Fahrtag — das ist Destination Charging, bei dem das Ziel die eigene Straße ist, und kein Ersatz für einen Stopp am Supercharger.

Was die Stadt nicht veröffentlicht hat, ist genau der Punkt, nach dem Fahrerinnen und Fahrer als Nächstes fragen werden: wie viele vorbereitete Masten seit dem Pilotbetrieb tatsächlich mit Ladetechnik ausgerüstet wurden und was eine Kilowattstunde dort heute kostet.

Die Lücke — und wo Europa inzwischen steht

Prag rechnet bis 2030 mit rund 180.000 Elektroautos in der Stadt und mit etwa 4.500 Ladepunkten, um sie zu versorgen. Stellt man dem 150 vorbereitete Masten gegenüber, geht die Rechnung nicht annähernd auf — und das noch vor dem zweiten Schritt, der Montage der Ladetechnik.

Über das Wachstum der Elektromobilität in der tschechischen Hauptstadt wird beim Laden am Straßenrand entschieden. Die Stadt kann Schnellladeparks bauen und tut es auch, darunter den größten des Landes mit 161 Ladepunkten, aber ein Ladepark hilft niemandem, der sein Auto über Nacht abstellen muss. Westeuropa ist auf derselben Kurve weiter, nicht auf einer anderen: Frankreich hat in diesem Sommer die Marke von 200.000 öffentlichen Ladepunkten überschritten, und die Niederlande erproben gemeinsam genutzte Ladeplätze für genau dieses Problem am Bordstein.

Fazit

Für Prager Tesla-Fahrer ohne eigene Einfahrt bleibt die praktische Lesart unverändert: Die Laterne vor der Tür ist ein Plan für 2028, keine Lademöglichkeit für diesen Winter.