Frankreich hat eine Schwelle überschritten, auf die das Land das ganze Jahr über zugegangen ist: Zum 31. Juli 2026 zählt es 200,045 öffentlich zugängliche Ladepunkte, wie aus dem monatlichen Barometer von Avere-France hervorgeht. Das entspricht 297 Punkten je 100,000 Einwohner und stellt Frankreich pro Kopf gerechnet unter die am besten versorgten großen Märkte Europas.

Für Fahrerinnen und Fahrer zählt jedoch mehr als die Schlagzeile, welche Art von Ladeleistung diese Punkte tatsächlich liefern — und wo sie stehen.

Was die 200,000 Punkte wirklich sind

Das Netz wird vom langsameren AC-Laden dominiert. Gut drei Viertel aller öffentlichen Punkte in Frankreich sind AC, und nur rund ein Fünftel lässt sich als schnell oder ultraschnell bezeichnen.

Leistungsklasse Anteil am Netz
AC dreiphasig (7.4–22 kW) 50%
AC einphasig (bis 7.4 kW) 27%
DC Schnellladen (bis 150 kW) 9%
DC Ultraschnellladen (über 150 kW) 13%

Mehr als 5,000 Punkte liefern inzwischen bis zu 350 kW — genau das Segment, das für Langstreckenfahrten und für alle zählt, die ein Fahrzeug laden, das diese Leistung auch wirklich abrufen kann. Für einen Tesla auf einer französischen Autobahnroute ist der relevante Bestand diese Ultraschnelllade-Klasse von 13% plus Teslas eigenes Supercharger-Netz, nicht die 77% AC-Punkte auf Parkplätzen.

Wo sie installiert sind

Die Verteilung erklärt, warum der AC-Anteil so hoch ist. Auf Einzelhandels- und Gewerbestandorte entfallen 47% aller öffentlichen Punkte, auf Parkflächen weitere 30% und auf das Laden am Straßenrand 13%. Arbeitsstätten steuern 4% bei. Autobahnen — die Orte, an denen die Reichweitenangst am größten ist — machen lediglich 2% des Gesamtbestands aus, wobei diese Standorte stark zu hohen Leistungen tendieren.

Regional führt Île-de-France mit 33,830 Punkten vor Auvergne-Rhône-Alpes mit 24,511 und Nouvelle-Aquitaine mit 21,524.

Die Verlangsamung hinter dem Meilenstein

Der unbequemere Befund desselben Barometers ist das Ausbautempo. Frankreich hat im ersten Halbjahr 2026 14,544 öffentliche Punkte hinzugefügt, nach 19,880 im ersten Halbjahr 2025 — ein Rückgang um rund ein Viertel gegenüber dem Vorjahr, und das zu einem Zeitpunkt, an dem der Fahrzeugbestand weiter wächst.

Das ist deshalb bedeutsam, weil die Regierung 400,000 öffentliche Punkte bis 2030 als Ziel ausgegeben hat. Eine Verdopplung des Netzes in der verbleibenden Zeit erfordert mehr als 22,000 neue Punkte pro Halbjahr und liegt damit deutlich über dem aktuellen Tempo. Im Tempo des ersten Halbjahres 2026 würde Frankreich 2030 unterhalb des Ziels ankommen statt bei ihm.

Was das für europäische Fahrer bedeutet

Für alle, die nach oder durch Frankreich fahren, ist das praktische Bild gut und wird langsam besser: Die Ultraschnelllade-Klasse wächst, Standorte mit 350 kW sind keine Seltenheit mehr, und die Abdeckung in den großen Regionen ist dicht. Der Vorbehalt: Eine Gesamtzahl zählt jede 7 kW Ladesäule auf einem Supermarktparkplatz genauso wie einen 350 kW Autobahnlader, sodass 200,045 überzeichnet, was auf einer langen Fahrt tatsächlich nützlich ist.

Die Verlangsamung ist das Signal, das Beachtung verdient. Frankreichs Ausbau der Ladeinfrastruktur gehörte zu den verlässlicheren Geschichten der europäischen Elektromobilität, und ein Rückgang der Neuinstallationen um ein Viertel ist das erste echte Anzeichen dafür, dass das Tempo nicht selbstverständlich ist.