Europas erste vollständig fahrerlose Robotaxi-Fahrten finden in Zagreb statt. Pony.ai und der kroatische Betreiber Verne gaben am 10. September 2026 bekannt, dass sie fahrerlose Testfahrten mit Passagieren auf öffentlichen Straßen aufgenommen haben — ohne Sicherheitsoperator im Fahrzeug und ohne jede Person auf dem Fahrersitz.
Was neu ist und was nicht
Kroatien hat seit April 2026 einen Robotaxi-Dienst, als Pony.ai, Verne und Uber in Zagreb starteten, was als Europas erster kommerzieller Robotaxi-Betrieb angekündigt wurde. Bei diesem Dienst saß ein Operator für autonome Fahrzeuge im Auto.
Dass diese Person nun fehlt, ist die eigentliche Nachricht. Der Schritt vom überwachten Fahrzeug zum leeren Fahrersitz fällt jedem Autonomieprogramm am schwersten, denn ab diesem Punkt haftet das Unternehmen und nicht mehr ein Mensch für das, was das Fahrzeug als Nächstes tut.
| April 2026 | September 2026 | |
|---|---|---|
| Dienst | Kommerziell, über Uber | Testfahrten, geladene Passagiere |
| Fahrersitz | AV-Operator an Bord | Leer |
| Strecke | Stadtverkehr Zagreb | 22 km, Verne-Zentrale und Geschäftsviertel zum Flughafen Franjo Tuđman |
Es handelt sich also noch nicht um einen fahrerlosen Dienst für zahlende Fahrgäste. Es sind fahrerlose Testfahrten mit geladenen Passagieren, durchgeführt unter kroatischen Vorschriften und Genehmigungen, auf einer festen 22 km langen Strecke, die nach Angaben der Unternehmen in den kommenden Monaten erweitert werden soll.
Die Hardware
Die Fahrzeuge nutzen Pony.ais Level-4-System der siebten Generation, aufgebaut auf NVIDIAs Plattform DRIVE AGX mit einem sicherheitszertifizierten Betriebssystem, 360-Grad-Sensorabdeckung und redundanten Systemen. Verne — Teil der Rimac Group, des kroatischen Unternehmens, das vor allem für Hypercars und als Zulieferer von Antriebssträngen für Elektrofahrzeuge bekannt ist — betreibt den Dienst und verantwortet den lokalen Rollout, während Uber sich um die Fahrgäste kümmert.
Pony.ai gibt an, die Auslandspipeline umfasse inzwischen mehr als 4.000 Robotaxis, darunter über 2.000 Fahrzeuge gemeinsam mit Uber in ganz Europa — bei einem globalen Ziel von mehr als 3.500 Robotaxis in über 20 Städten bis Ende 2026.
Warum das für Tesla-Fahrer relevant ist
Wegen der Konkurrenz, die hier geschlagen wurde, und wegen des Abstands.
Waymo hat München als erste EU-Robotaxi-Stadt benannt, der fahrerlose Betrieb ist dort für Ende 2027 vorgesehen. Ein chinesischer Autonomie-Stack in den Fahrzeugen eines kroatischen Betreibers ist mehr als ein Jahr früher am Ziel — in einem Markt, den niemand beobachtet hat. WeRides Demonstration in der Slowakei im August fand auf einer abgesperrten Strecke mit Sicherheitsfahrer statt. Hier geht es um öffentliche Straßen mit leerem Sitz.
Tesla ist in Europa in diesem Rennen noch nicht dabei, und der Grund ist regulatorischer, nicht technischer Natur. FSD (Supervised) ist in sechs europäischen Märkten zugelassen, zuletzt in Slowenien, und „supervised” ist dabei das entscheidende Wort — europäische Teslas fahren weiterhin mit v14.2.2.6, und die Verantwortung liegt jederzeit beim Fahrer. Musk hat erklärt, das Cybercab komme nach Europa, ohne einen Zeitpunkt zu nennen.
Die nützliche Erkenntnis betrifft den Weg, nicht das Tempo. Kroatien zeigt, dass ein europäischer Mitgliedstaat schon heute einen echten fahrerlosen Personenbetrieb genehmigen kann, auf Basis bestehender nationaler Zulassungen und ohne auf einen EU-weiten Rechtsrahmen zu warten. Diesen Weg wird auch Tesla gehen müssen — Land für Land, mit einer Behörde, die sich bei jeder einzelnen Genehmigung überzeugen lässt.