Waymo hat München als die Stadt benannt, in der das Unternehmen seinen ersten Robotaxi-Dienst in der Europäischen Union starten wird – fahrerlose kommerzielle Fahrten sind für Ende 2027 vorgesehen. Manuelle Fahrten und die hochauflösende Kartierung beginnen in den kommenden Wochen.

Das ist eine deutlich festere Zusage als alles, wozu sich das Unternehmen vor zwei Wochen bereit erklärt hatte – und genau das ist der Teil, den man sich merken sollte.

Was sich seit Mitte August geändert hat

Vor zwei Wochen war die Beweislage noch indirekt: eine im Mai in München registrierte Tochtergesellschaft, der Flottenbetreiber Transdev auf der Suche nach Testfahrern, eine Stellenanzeige für einen Operations Manager. Waymo spielte die Sache aktiv herunter – eine Sprecherin sagte der Automobilwoche, eine Aussage des Bundesverkehrsministeriums über einen unmittelbar bevorstehenden Fahrgastbetrieb sei unzutreffend. Wie unsere frühere Einordnung der Personalsignale festhielt, wirkte das weniger wie ein Dementi des Programms als wie eine Korrektur seines Zeitplans.

Genau so war es. Die Stadt ist nun benannt, das Datum ist öffentlich, und bayerische wie auch Bundespolitiker traten bei der Ankündigung gemeinsam auf. Co-CEO Tekedra Mawakana nannte München „ein Weltklasse-Zentrum für Mobilität und Ingenieurwesen”.

Die Phase, die jetzt beginnt

In München fährt bislang nichts von allein. Geschulte Spezialisten werden die Fahrzeuge manuell steuern, während das Unternehmen HD-Karten der Stadt erstellt und seine Software auf den lokalen Verkehr abstimmt. Erst danach verschwinden die Sicherheitsfahrer, und Waymos Muster andernorts sieht vor, zunächst Mitarbeiter und geladene Gäste zu befördern, bevor ein Dienst für die Öffentlichkeit geöffnet wird. Die Zertifizierung läuft über das KBA, das Kraftfahrt-Bundesamt.

München folgt auf London und Tokio als internationale Märkte, in denen Waymo bereits testet. Es ist der erste innerhalb der EU.

Warum Deutschland den Anfang macht

Deutschland verabschiedete sein Gesetz zum autonomen Fahren im Jahr 2021 und wurde damit zum ersten EU-Mitgliedstaat, der einen rechtlichen Weg für Level-4-Fahrzeuge im öffentlichen Straßenverkehr geschaffen hat. Fünf Jahre später ist genau dieses Gesetz der Grund dafür, dass ein US-Betreiber einer europäischen Stadt überhaupt ein Datum zuordnen kann. Waymo hat seither Gesellschaften in Frankreich, Spanien, den Niederlanden und der Schweiz eingetragen – München ist also ein Brückenkopf und kein Experiment.

Die Zahlen, die Waymo mitgebracht hat

Waymos veröffentlichte Bilanz
Abgeschlossene Fahrten 20 Millionen+
Vollständig autonom zurückgelegte Strecke 350 Millionen+ km
Unfälle mit Schwerverletzten im Vergleich zu menschlichen Fahrern 16x weniger
Unfälle mit Fußgängern im Vergleich zu menschlichen Fahrern 14x weniger
Unfälle mit Radfahrern im Vergleich zu menschlichen Fahrern 6x weniger

Das sind die eigenen Zahlen des Unternehmens, erhoben im US-Betrieb und bezogen auf eine geografisch begrenzte Flotte, die Waymo von Anfang bis Ende selbst kontrolliert. Man sollte sie als gut dokumentierte Behauptung lesen, nicht als unabhängige Prüfung.

Was das für Tesla-Fahrer in Europa bedeutet

Teslas europäisches Produkt ist eine ganz andere Kategorie. FSD (Supervised) ist ein Level-2-System: Der Fahrer bleibt rechtlich in der Verantwortung, Hände und Aufmerksamkeit eingeschlossen. Es hat eine nationale Kundenfreigabe in fünf Ländern – den Niederlanden, Litauen, Estland, Dänemark und Belgien – und die niederländische RDW erklärte im Juli, es gebe keinen internen Zeitplan für eine EU-weite Typgenehmigung; das Verfahren sei außergewöhnlich und komplex. Deutschland steht nicht auf dieser Liste, auch wenn das Sommer-Update FSD-Funktionen in europäische Fahrzeuge gebracht hat.

Die plausible Gestalt von Ende 2027 in München sieht also so aus: Ein Waymo ohne zwingend nötigen Fahrer bringt einen Fremden quer durch die Stadt, während ein Model Y-Besitzer im selben Verkehr jeden Meter seiner eigenen Fahrt überwacht – für Software, die er bezahlt hat.

Das ist kein Urteil darüber, welches System besser konstruiert ist. Waymo löst ein kartiertes, klar begrenztes Problem mit einer Flotte, die dem Unternehmen selbst gehört; Tesla verkauft ein System, das überall funktionieren soll, wo ein Kunde es hinlenkt – technisch wie rechtlich die schwerere Aufgabe. Aber der Kalender ist der Kalender, und nach heutigem Stand wird die erste fahrerlose Fahrt in Deutschland nicht in einem Tesla stattfinden.