Lidl GB hat den Preis für das Schnellladen an seinen Filialen am 8. September 2026 von 62p/kWh auf 59p/kWh gesenkt — für alle, die über die Lidl-Plus-App bezahlen. Zudem stellt das Unternehmen £10 Millionen bereit, um bis zum Ende des Geschäftsjahres rund 100 weitere Schnellladepunkte an bestehenden Filialen zu installieren, dazu Ladepunkte an den meisten neu gebauten Standorten.

Das ist eine echte Preissenkung und ein echter Ausbau. Es lohnt sich aber auch, den Tarif daneben zu legen, was ein Tesla ohnehin schon zahlt.

Was Lidl in Aussicht stellt

Wert
Neuer Lidl-Plus-Schnellladetarif 59p/kWh
Bisheriger Lidl-Plus-Tarif 62p/kWh
Ersparnis pro Ladevorgang (Schätzung von Lidl) rund £4
Ersparnis pro Jahr (Schätzung von Lidl) rund £529
Investition in diesem Geschäftsjahr £10 Millionen
Geplante neue Schnellladepunkte rund 100
Investiert seit 2017 £25 Millionen
Filialen mit Schnellladen rund ein Drittel

Bei den beiden Ersparnisangaben muss die Bezugsgröße genannt werden, denn Lidls Pressematerial stellt sie nicht voran: Die £4 pro Ladevorgang und die £529 pro Jahr sind gegen einen Marktdurchschnitt von 80p/kWh gerechnet, nicht gegen Lidls eigene bisherige 62p. Gegenüber dem alten Tarif beträgt die Senkung 3p/kWh — bei 30 kWh Nachladen also etwa 90p.

Lidls Begründung dafür, überhaupt senken zu können, ist struktureller Natur und die interessanteste Zeile der Ankündigung: Anders als Supermärkte, die ihre Parkplätze einem externen Ladepunktbetreiber überlassen, besitzt Lidl seine Ladepunkte selbst und legt den Tarif damit fest, statt ihn zu verhandeln.

„Mit dem Ausbau unserer Schnellladepunkte machen wir es unseren Kunden so einfach und günstig wie möglich, während des Einkaufs nachzuladen”, sagte Richard Taylor, Chief Real Estate Officer von Lidl GB.

Was das bedeutet, wenn Sie einen Tesla fahren

Unverblümt: 59p/kWh sind für Sie kein günstiger Preis. Teslas britischer Supercharger-Tarif ist zeit- und stufenabhängig — laut Netzwerk-Trackern rund 25p/kWh außerhalb der Spitzenzeiten und 41p in der Spitze mit der Mitgliedschaft für £9,99 im Monat, ohne Mitgliedschaft etwa 35p außerhalb der Spitzenzeiten und 60p in der Spitze. Fremdmarken-Elektrofahrzeuge zahlen an derselben Hardware rund 65p/kWh.

Lidls neuer Mitgliederpreis liegt damit etwa auf dem Niveau einer Supercharger-Ladung ohne Mitgliedschaft zur Spitzenzeit und mehr als doppelt so hoch wie der Mitgliedertarif außerhalb der Spitzenzeiten. Die £529 sind eine Ersparnis gegenüber dem teuren Ende des öffentlichen Marktes, nicht gegenüber Teslas Netzwerk.

Wo es tatsächlich zählt, sind Standort und Standzeit. Ein Supermarktparkplatz ist ein 20-minütiger Stopp, den Sie ohnehin eingelegt hätten, und er liegt in der Stadt statt an der Autobahn — genau die Lücke, die für Fahrer ohne eigenen Stellplatz entscheidend ist, also für jene Gruppe, die der Befund entblößt, dass die Hälfte der britischen Gemeinden überhaupt kein Laden am Straßenrand anbietet. Für sie sind 100 zusätzliche Schnellladepunkte in wohnortnahen Einkaufsparks mehr wert als eine Tarifsenkung um 3p.

Was das für den Rest Europas bedeutet

Laden beim Einzelhandel wird zur dritten Ebene des europäischen Ladens, unterhalb der Autobahnnetze und oberhalb des Heimladens. Ein Tesla-Fahrer in Deutschland dürfte das Muster wiedererkennen: Die BDEW-Umfrage, über die wir letzte Woche berichtet haben, zeigte, dass deutsche Fahrer in den Städten laden und die Autobahn meiden — genau die Verlagerung, die Lidl nun einpreist. Unterschiedlich ist, wer den Tarif festlegt. In den meisten Teilen Europas ist der Parkplatz eines Supermarkts an einen Ladepunktbetreiber verpachtet; in Großbritannien besitzt Lidl seine Anlagen selbst, und deshalb konnte das Unternehmen diese Woche senken, seine Wettbewerber aber nicht.

Einzelhändler werden im Ladegeschäft zu Preissetzern, nicht bloß zu Vermietern. Dass Lidl seine Hardware selbst besitzt, ermöglichte diese Woche den Preisschritt; Walmarts Eigenmarken-Netzwerk in den US unterbot die Supercharger nach derselben Logik. Teslas Netzwerk ist nicht mehr das einzige mit integrierter App, festem Tarif und einem Publikum, das ohnehin da ist — und dies ist der erste britische Supermarkt, der auf allen drei Feldern mithält.