Ein Mitglied des US-Repräsentantenhauses hat die Bundesaufsichtsbehörden gefragt, was sie gegen Tesla-Fahrer zu unternehmen gedenken, die schlafend am Steuer gefilmt wurden. Der Abgeordnete Raja Krishnamoorthi, ein Demokrat aus Illinois, schrieb am 9. September 2026 an Verkehrsminister Sean Duffy und bat um eine schriftliche Antwort bis zum 30. September.
Der Anlass
Das Schreiben verweist auf eine Recherche von NBC News, die 43 Videos identifiziert hat, die offenbar schlafende Personen auf dem Fahrersitz fahrender Teslas zeigen, 17 davon allein im Jahr 2026 veröffentlicht. Es handelt sich nicht um Unfallberichte. Es sind Clips, die die Betroffenen selbst hochgeladen haben.
Der schärfste Punkt des Briefes betrifft Teslas Software, nicht dessen Fahrer. Erkennt das Fahrzeug einen übermüdeten Fahrer, zeigt es an: „Drowsiness detected. Stay focused with FSD”. Krishnamoorthis Einwand lautet, dies lese sich eher als Aufforderung denn als Warnung — „FSD erfordert durchgehende menschliche Überwachung, dennoch scheint die Meldung zur Nutzung des Systems genau dann zu ermutigen, wenn das Fahrzeug erkannt hat, dass der Fahrer möglicherweise weniger leistungsfähig ist.”
Die fünf Fragen
Das Schreiben fordert die NHTSA auf, Folgendes zu beantworten:
- Ob ihr die Videos bekannt sind und ob diese auf ein systemisches Problem hindeuten
- Ob sie Tesla wegen dieser Vorfälle kontaktiert hat
- Welche Daten sie seit dem 1. Januar 2024 zur Unaufmerksamkeit von Fahrern bei Unfällen erhoben hat
- Wie wirksam die Innenraumkamera ihrer Einschätzung nach tatsächlich ist
- Welche Erkenntnisse einen Sicherheitsrückruf auslösen würden
Frage vier ist der technische Kern. Tesla hat die Drehmomenterkennung am Lenkrad durch kamerabasierte Blickerfassung ersetzt, und eine Kamera lässt sich auf Wegen austricksen, die bei einem Drehmomentsensor nicht funktionieren — durch eine Sonnenbrille, eine Mütze oder schlicht durch etwas, das über die Linse gelegt wird.
Es trifft auf eine laufende Untersuchung
Das landet nicht auf einem leeren Schreibtisch. Die Engineering Analysis EA26002 der NHTSA umfasst bereits rund 3,2 Millionen Tesla-Fahrzeuge mit FSD und hat neun Vorfälle bei eingeschränkten Sichtverhältnissen identifiziert, darunter einen Todesfall und eine verletzte Person.
Ein Brief eines einzelnen Kongressmitglieds erzwingt nichts. Er setzt jedoch ein Datum in die Akten und fügt eine konkrete Frage hinzu — zur Müdigkeitsmeldung —, die der Behörde öffentlich bislang nicht gestellt wurde.
Was das für Europa bedeutet
Unmittelbar sehr wenig: Die NHTSA hat hier keine Zuständigkeit, und FSD (Supervised) läuft in nur sechs europäischen Märkten, und zwar auf v14.2.2.6 statt auf den v14.3-Builds in Nordamerika.
Mittelbar mehr. Die europäische Typgenehmigung schreibt Systeme zur Müdigkeits- und Aufmerksamkeitserkennung in Neuwagen bereits vor, und der UNECE-Rahmen, der Fahrassistenzsysteme regelt, ist derselbe, den eine künftige europäische FSD-Zulassung passieren muss. Ein US-Befund, dass kamerabasierte Überwachung ausgehebelt werden kann, würde von genau jenen Regulierungsbehörden, die Tesla weiterhin braucht, nicht stillschweigend hingenommen.
Zudem handelt es sich um dasselbe Verhalten, nicht um ein anderes. TeslAnt berichtete über einen Fahrer in British Columbia, der 368 Dollar Strafe für Schlafen auf dem Highway 1 zahlen musste — ein Fall, in dem nie bestätigt wurde, was das Auto tatsächlich steuerte. Das Muster der 43 Videos besteht darin, dass diese Frage kaum je gestellt wird. Teslas eigene Unfallmeldungen haben wiederholt angegeben, dass Fahrassistenz aktiv war, darunter bei einem Model Y, das mit 55 mph von einem Highway in Alabama abkam.
Tesla hat sich öffentlich nicht zu dem Schreiben geäußert.