Waymo befördert seit dem 1. September 2026 Fahrgäste aus der Öffentlichkeit in Denver, San Diego und Tampa. Damit ist die Alphabet-Tochter in 14 US-Städten vertreten. In jedem Markt hatten sich bereits Zehntausende Menschen auf die Warteliste gesetzt, und Waymo will sie nach eigenen Angaben schrittweise zulassen statt alle auf einmal.

Es handelt sich weniger um neue Einsatzgebiete als um einen Gangwechsel. Waymo fährt in allen drei Städten bereits seit Juli, allerdings ausschließlich mit Mitarbeitern auf der Rückbank. Geändert hat sich in dieser Woche, wer für eine Fahrt bezahlen darf.

Tampa ist der Schauplatz, den man beobachten sollte

Tesla hat seinen eigenen fahrerlosen Robotaxi-Dienst am 21. Juli 2026 in Tampa gestartet – mit Model Y und einem Bediengebiet von rund 25 bis 45 Quadratmeilen rund um Downtown, Ybor City, Tampa Heights und West Tampa. Seit dieser Woche verkaufen beide Unternehmen in derselben Stadt in Florida autonome Fahrten an die Öffentlichkeit.

Das ist eine wirklich neue Situation und der erste Ort, an dem sich die beiden technischen Wetten zu gleichen Bedingungen vergleichen lassen und nicht nur über Pressemitteilungen. Waymo setzt auf Lidar, Radar und Kameras in Kombination mit vorab erstellten hochauflösenden Karten. Tesla setzt ausschließlich auf Kameras und argumentiert seit Jahren, dass gerade der Verzicht auf Lidar schnelleres und günstigeres Skalieren erlaubt, sobald die Software gut genug ist.

Der bisherige Punktestand spricht für den teuren Ansatz. Waymo betreibt mehr als 4.000 Fahrzeuge in 14 Städten. Die Flottengröße von Tesla in Tampa ist nicht bekannt, und der Betrieb in Austin – der größte des Unternehmens – umfasst 288 Quadratmeilen mit einer Flotte, die vergangene Woche erst 45 zugelassene Cybercabs erreicht hat. Teslas eigene Grafik zum zweiten Quartal zeigte ein stagnierendes Wachstum des Dienstes.

Das Gegenargument ist damit allerdings nicht vom Tisch: Teslas Kosten pro Fahrzeug betragen nur einen Bruchteil derjenigen von Waymo, und mit dem Cybercab-Launch-Event am 3. September will das Unternehmen genau diesen Punkt machen.

Neue Hardware und ein europäischer Zeitplan

Fahrgäste in Denver und San Diego bekommen den von Zeekr gebauten Minivan Ojai mit Waymos Driver der nächsten Generation – derzeit das einzige verfügbare Fahrzeug in diesen beiden Städten, aus einer Flotte von rund 300 Einheiten. In Tampa kommt der ältere Jaguar I-Pace zum Einsatz.

Denver ist der eigentliche Härtetest. Waymo war bisher in warmen, trockenen Regionen unterwegs; in Denver fallen jährlich rund 56 Zoll Schnee. Schnee verschlechtert die Lidar-Rückstreuung und verdeckt Fahrbahnmarkierungen, und ein System, das auf präzise vorab erstellte Karten angewiesen ist, muss mit einer Fahrbahn zurechtkommen, die der Karte nicht mehr ähnelt.

Für europäische Leser ist entscheidend, was nach den USA kommt. Waymo hat Tokio, München und London als internationale Ziele genannt. London war ursprünglich für 2026 vorgesehen und verzögert sich Berichten zufolge aus technischen und regulatorischen Gründen. Nevada hat Waymo unabhängig davon für bis zu 1.000 Fahrzeuge im kommenden Jahr genehmigt.

Wenn München planmäßig kommt, erhalten europäische Autofahrer einen praktischen Vergleich zwischen einem kartenbasierten Lidar-Robotaxi und Teslas FSD (Supervised) – das noch auf eine für den 6. Oktober angesetzte EU-Abstimmung wartet, bevor es hier überhaupt eingesetzt werden darf.