Ein grauer Tesla Model Y des Baujahrs 2024 verließ am 9. September 2026 gegen 2:43 Uhr morgens auf der East 42nd Street in Midtown Manhattan die Fahrbahn und prallte gegen ein Baugerüst, eine Bushaltestelle und einen Briefkasten. Die Beifahrerin, die 27-jährige Elise Suomi aus Harlem, kam dabei ums Leben. Die ebenfalls 27-jährige Person am Steuer wurde verhaftet und wegen fahrlässiger Tötung im Straßenverkehr, Verlassens des Unfallorts mit Todesfolge sowie Fahrens unter Einfluss angeklagt.
Was die Polizei sagte – und was nicht
Die Darstellung des Unfalls durch das New York Police Department besteht aus einem Satz: Die Person am Steuer sei „in östlicher Richtung auf der East 42nd Street unterwegs gewesen und habe es nicht geschafft, dem Straßenverlauf zu folgen”. Zuständig ist das Collision Investigation Squad des Highway District. Keine öffentliche Polizeimitteilung führt den Unfall auf Autopilot, auf Full Self-Driving oder auf irgendein Fahrassistenzsystem zurück.
Das ist deutlich festzuhalten, denn was folgte, war ein Streit über die Zuschreibung – und nicht über den Unfall selbst.
Der Streit dreht sich um einen gelöschten Beitrag
Elon Musk widersprach auf X: „Es war nicht das Auto”, schrieb er, Autopilot habe mit dem Unfall nichts zu tun gehabt, und fügte hinzu, „die etablierten Medien werden Tesla niemals verzeihen, dass das Unternehmen nicht bei ihnen wirbt”. Gemeint war ABC News.
An dieser Stelle braucht die Berichterstattung selbst eine Korrektur. Der Artikel von ABC News über den Unfall erwähnt Autopilot, Full Self-Driving oder Fahrassistenz an keiner Stelle. Er nennt die Uhrzeit, das Fahrzeug, die Anklagepunkte und die Polizeimitteilung – und nicht mehr. Musks Einwand richtete sich gegen einen separaten Social-Media-Beitrag von ABC News, der den Vorfall nach seiner Darstellung falsch wiedergab und der inzwischen gelöscht wurde. Weil er gelöscht ist, lässt sich sein Wortlaut nicht zitieren, und kein Medium, das über den Streit berichtet, hat ihn wiedergegeben.
Die Schlagzeilenversion – Musk greift einen Nachrichtenbericht an, der Autopilot die Schuld gibt – trifft also nicht zu. Der Bericht machte Autopilot nicht verantwortlich. Ein Beitrag tat es, oder wurde so gelesen, und dieser Beitrag ist verschwunden.
Wie sich das tatsächlich klären lässt
Weder ein Beitrag noch ein Dementi entscheidet darüber, ob ein Fahrassistenzsystem aktiv war. In den USA ergibt sich das aus Teslas eigenen Meldungen nach der Standing General Order der National Highway Traffic Safety Administration, die Hersteller verpflichtet, Unfälle unter Beteiligung ihrer Fahrassistenzsysteme zu melden und festzuhalten, ob das System in den Sekunden vor dem Aufprall aktiv war.
Diesen Meldungen ist es zu verdanken, dass TeslAnt über eine ganze Reihe von US-Fällen berichten konnte, in denen die Antwort ja lautete – darunter allein in dieser Woche ein Model Y, das in Alabama mit 55 mph von einem Highway abkam, und ein Model 3, das in New Jersey mit 4 mph über ein Stoppschild rollte. In beiden Fällen verzeichneten Teslas Daten die Fahrassistenz als bestätigt aktiv, und in beiden Fällen erwähnte der örtliche Polizeibericht sie nie. Das ist das Gegenteil des hier behaupteten Musters: Die Beteiligung des Systems kam aus Teslas eigenen Daten zum Vorschein, nicht aus einer Schlagzeile.
Für den Unfall in Manhattan existiert keine solche Meldung im öffentlichen Datenbestand, und die bislang erhobenen Anklagepunkte beschreiben keine. Sollte Tesla eine Meldung einreichen, wird sie in derselben monatlichen Veröffentlichung erscheinen, aus der die Fälle in Alabama und New Jersey stammen – und sie wird entweder aktiv oder nicht aktiv ausweisen.
Was europäische Halter daraus mitnehmen sollten
Über das Auto sehr wenig, über die Berichterstattung dagegen einiges. Die Standing General Order ist ein US-Instrument; ein europäisches Gegenstück, das den Status von Fahrassistenzsystemen für jeden einzelnen Unfall veröffentlicht, gibt es nicht. Auf diesem Kontinent klärt die Frage daher in der Regel eine nationale Untersuchungsbehörde – oder niemand. Diese Asymmetrie ist der Grund, warum US-Meldungen die Berichterstattung über die Unfallzuschreibung bei Tesla überall dominieren, auch hier.
Solange keine Meldung vorliegt, ist die ehrliche Position die eng gefasste: Eine Beifahrerin ist tot, der Person am Steuer werden Anklagepunkte wegen Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit zur Last gelegt, und nichts in den Akten sagt, dass das Auto gefahren ist.