Tesla hat den Serien-Cybercab am Donnerstag, dem 3. September 2026, bei einer Veranstaltung nur für geladene Gäste in der Innenstadt von Austin vorgestellt — und dabei etwas getan, was die Premiere im Oktober 2024 nicht geleistet hatte: Das Fahrzeug ging in den zahlungspflichtigen Betrieb. Cybercabs lassen sich in der Robotaxi-App nun neben den Model Y auswählen, die in Austin seit vergangenem Jahr die Fahrten übernehmen.
Die Veranstaltung selbst wurde streng unter Verschluss gehalten. Tesla gab vorab so gut wie nichts bekannt, und Bloomberg sprach wenige Stunden vor Türöffnung von einem Termin, der „von Rätseln umgeben” sei. Eingeladen wurden Gewinner eines Gewinnspiels unter Fahrgästen, nicht die Presse.
Was für ein Fahrzeug das ist
Der Cybercab ist der erste von Tesla gebaute Wagen, den ein Mensch nicht fahren kann. Es gibt weder Lenkrad noch Pedale — zwei Sitze, ein zentraler Bildschirm, Scherentüren und ein niedriger Boden, der für Rollstühle ausgelegt ist.
| Technische Daten | Cybercab |
|---|---|
| Batterie | 48 kWh |
| Motor | Einzelner Frontmotor, 219 hp (163 kW) |
| Reichweite (EPA, vorläufig) | ~293 mi / 472 km |
| Leergewicht | 3.113 lb / 1.412 kg |
| Sitzplätze | 2 |
Die Pilotfertigung lief in der Gigafactory Texas im Februar 2026 an. Tesla hat erklärt, noch vor Jahresende in die Serienfertigung gehen zu wollen und langfristig zwei Millionen Einheiten pro Jahr anzustreben. Induktives Laden gehörte zum Lastenheft — was bei einem Fahrzeug zählt, in dem niemand sitzt, der es anstecken könnte.
Einen Endkundenpreis nannte Tesla nicht. Elon Musk hat wiederholt auf einen Betrag unter 30.000 US-Dollar verwiesen, doch das Unternehmen hat diese Zahl nie bestätigt, und offiziell wurde sie auch am Donnerstag nicht.
Was tatsächlich neu war
Zwei Dinge haben sich am 3. September geändert, die es zuvor so nicht gab.
Das erste ist der Betrieb. Fahrgäste in Austin können bei der Bestellung nun zwischen dem zweisitzigen Cybercab und dem viersitzigen Model Y wählen — das ist ein kommerzieller Einsatz und keine Vorführung: Die App-Änderung, über die TeslAnt als neue Fahrzeugauswahl in der Robotaxi-App berichtet hat, ist nun mit echten Fahrzeugen hinterlegt. Die Flotte in Austin umfasst rund 45 Cybercabs.
Das zweite ist, dass Tesla ein öffentliches Interessenformular mit dem Titel „Help Us Build Our Robotaxi Network” freigeschaltet hat, über das sich Unternehmen für den Kauf von Cybercabs für die eigene Flotte registrieren können. Das ist der erste offizielle Kanal für gewerbliche Käufe eines Fahrzeugs, das Tesla bislang als selbst betriebenes Modell beschrieben hatte. Es handelt sich um ein Interessenformular, nicht um ein Auftragsbuch — Preis, Stückzahlen und Lieferzeitraum blieben offen.
Was das für Europa bedeutet
Unmittelbar nichts, und der Grund verdient eine präzise Formulierung.
Das Hindernis ist nicht länger das Regelwerk. Wie TeslAnt vor dem Start dargelegt hat, hat die EU im ersten Halbjahr 2026 einen Typgenehmigungsweg für Fahrzeuge ohne Lenkrad geschaffen. Die Hürde liegt darin, an welcher Stelle der Warteschlange Tesla steht.
Tesla bemüht sich in Europa noch immer um die Zulassung von FSD Supervised — der Variante mit Fahrer am Steuer. Dieses System ist in fünf EU-Ländern anerkannt, und die Ausschussabstimmung, die es unionsweit ausdehnen könnte, ist für den 6. Oktober angesetzt. Deshalb hat Tesla vor wenigen Tagen seinen Sicherheitsnachweis nach Artikel 39 veröffentlicht. Ein fahrerloser Zweisitzer liegt mehrere Genehmigungsklassen über jener, die Tesla noch nicht genommen hat.
Die ehrliche Zusammenfassung für europäische Leserinnen und Leser lautet also: Der Cybercab ist rund 8.000 km entfernt ein reales Produkt, das echte Fahrgäste befördert — und die erste Fahrt in Europa hängt weiterhin an einer Abstimmung, die noch nicht stattgefunden hat.
Update: 2026-09-04
Ausführlichere Berichte vom 4. September 2026 zeigen, dass sich das Interessensformular an mehr als nur Fahrzeugkäufer richtet. Neben „Cybercab fleet vehicle purchasing” bietet es Kontrollkästchen für „mobility hubs and infrastructure” und „event collaboration” und fragt, in welcher Region ein Interessent einsetzen würde — Tesla wirbt also um Depot- und Infrastrukturpartner für das Netzwerk, nicht nur um Kunden für das Fahrzeug. Das Formular fragt außerdem nach einem Firmennamen, und genau darin liegt der Ausschluss, den Electrek hervorhebt: Privatbesitzer, denen jahrelang gesagt wurde, sie könnten passives Einkommen erzielen, indem sie ihre eigenen Fahrzeuge in die Flotte einbringen, haben weiterhin keinen Zugang. TechCrunch berichtet, dass das Formular lediglich Name, E-Mail-Adresse, Telefonnummer und Firmennamen erfasst.