Baustellen gehören zu den schwierigeren Orten für eine Elektrifizierung. Die Maschinen sind enorm groß, die Lastzyklen brutal, der Netzanschluss ist provisorisch, und die Baustelle wandert. Der deutsche Baukonzern Strabag hat in Oberhausen gerade einen Versuch abgeschlossen, der das Problem direkt angeht — und dabei Zahlen veröffentlicht statt Absichten.
Was gebaut wurde, und womit
Das Projekt war die Erweiterung einer bestehenden Bodenbehandlungsanlage, deren Jahresdurchsatz auf einem 17.600 m² großen Gelände von 120.000 auf 350.000 Tonnen steigt. Strabag setzte dort 11 Elektromaschinen ein, darunter einen 25-Tonnen-Bagger, einen Radlader, einen elektrischen Mobilkran und einen Straßenfertiger. Maschinen ohne batterieelektrisches Pendant — und die Logistikfahrzeuge, die die Baustelle versorgten — fuhren stattdessen mit HVO100-Diesel aus erneuerbaren Quellen.
| Element | Detail |
|---|---|
| Elektromaschinen | 11 |
| Größte Elektromaschine | 25-Tonnen-Bagger |
| Mobiler Batteriespeicher | 153 kWh |
| Nicht elektrische Maschinen | HVO100 aus erneuerbaren Quellen |
| Vermiedenes CO2 | ~18.000 kg |
| Senkung der Energiekosten | ~90 % |
Die physische Leistung war für eine Demonstration beachtlich: 20.000 Tonnen abgebrochenes und recyceltes Material, 7.400 m² neue Asphaltfläche und 128 m verlegte PVC-Rohrleitungen.
Die eigentliche Arbeit leistet die 153-kWh-Batterie
Der mobile Energiespeicher ist die Komponente, die alles Weitere überhaupt möglich macht — und er ist klein: 153 kWh, ungefähr zwei große Pkw-Akkus. Seine Aufgabe ist nicht, den gesamten Energiebedarf der Baustelle zu decken, sondern ihn zu puffern: Er nimmt über die Zeit Leistung aus einem bescheidenen Netzanschluss auf und gibt sie dann schnell wieder ab, wenn ein Bagger eine Lastspitze verlangt.
Das ist genau derselbe Trick, der hinter dem batteriegepufferten Schnellladen steht, und deshalb lässt sich der Ansatz auch auf Baustellen übertragen, an denen ein starker Netzanschluss langsam und teuer zu bekommen wäre. Es ist zugleich im Kleinen dasselbe Argument, mit dem Tesla für Batteriespeicher im Netzmaßstab wirbt, etwa mit dem Megapack 3, das jetzt in Texas in Produktion ist — Batterien ersparen Ihnen Leitungen.
Die Kostenrechnung benennt den Kompromiss offen
Strabags eigene Einordnung ist der nützlichste Teil der Mitteilung. Elektrische Baumaschinen sind in der Anschaffung teurer, und das Unternehmen sagt, dass die höheren Gerätekosten nur teilweise durch niedrigere Betriebs- und Wartungskosten ausgeglichen werden. Die rund 90 % geringeren Energiekosten sind eine große Zahl, aber sie gilt allein für die Energie, nicht für die Gesamtkosten des Maschinenbesitzes.
Das ist eine glaubwürdigere Position als die Behauptung völliger Kostengleichheit, und sie benennt genau, wo die verbleibende Lücke liegt: beim Kaufpreis. Nachhaltigkeitsverantwortlicher Robert Kucza stellte den Versuch als Abbau von Vorurteilen darüber dar, was elektrische Baumaschinen leisten können — nicht als Beweis, dass sie schon günstiger sind.
Warum das europaweit von Bedeutung ist
Mobile Maschinen und Geräte abseits des Straßenverkehrs sind ein erheblicher und weitgehend unregulierter Anteil der europäischen Emissionen, und sie fallen nicht unter die CO2-Vorschriften für Pkw und Lkw. Über Versuche wie diesen klärt die Branche, ob batterieelektrische Baumaschinen einen Terminplan halten können.
Die sekundären Vorteile könnten sich als entscheidender erweisen als die Klimarechnung. Weniger Lärm und keine lokalen Schadstoffe sind für Arbeiten im Stadtgebiet enorm wichtig, wo Baustellen unmittelbar an Wohnbebauung liegen und eingeschränkte Arbeitszeiten den Spielraum eines Bauunternehmens begrenzen — dasselbe praktische Argument, das elektrische Schwerfahrzeuge schneller als erwartet in den Einsatz gebracht hat, wie bei MANs Elektro-Lkw mit 750-kW-Ladeleistung, die in Serie gehen.