Ostrava wird demnächst zu den größeren Elektrobus-Städten Mitteleuropas gehören. Dopravní podnik Ostrava (DPO), der städtische Verkehrsbetrieb, hat mit dem polnischen Hersteller Solaris einen Rahmenvertrag über die Lieferung von bis zu 70 Elektrobussen Urbino 12 in den Jahren 2027 und 2028 geschlossen — von beiden Seiten als eine der größten bislang in Tschechien abgeschlossenen Ausschreibungen für Elektrobusse und als einer der größten Fahrzeugkäufe in der Geschichte des DPO bezeichnet.

Was bestellt wurde

Der Auftrag ist ein Rahmenvertrag und keine einzelne feste Charge, was dem DPO die Möglichkeit gibt, Fahrzeuge in dem Tempo abzurufen, das Budget und Linienplanung zulassen. Solaris gewann die Ausschreibung mit dem wirtschaftlich günstigsten Angebot.

Punkt Detail
Verkehrsbetrieb Dopravní podnik Ostrava (DPO)
Fahrzeug Solaris Urbino 12 electric
Stückzahl Bis zu 70
Lieferung 2027 und 2028
Reichweitenvarianten Bis zu 350 km und bis zu 250 km
Laden Über Stecker, überwiegend nachts im Depot

Die Aufteilung des Auftrags auf zwei Batteriekonfigurationen ist die betrieblich interessante Entscheidung. Anstatt eine einzige Spezifikation zu kaufen und in Kauf zu nehmen, dass ein Teil der Busse auf kurzen Stadtlinien totes Gewicht mitschleppt, kann der DPO das Fahrzeug dem Einsatzprofil zuordnen — die Variante mit der größeren Reichweite für den Regionalverkehr und laufleistungsstarke Umläufe, das kleinere Paket dort, wo 250 km pro Tag bequem ausreichen. Jeder Bus erhält serienmäßig eine Klimaanlage und moderne Sicherheitssysteme.

Das Laden im Depot hält die Rechnung für die Ladeinfrastruktur klein. Nächtliches Laden über Stecker erspart die Kosten und die Straßenbaustellen von Pantografenmasten oder Zwischenladungen an den Endhaltestellen — zum Preis dafür, dass die Batterie einen kompletten Betriebstag ohne Nachladen durchhalten muss. Genau das erkauft die 350-km-Variante.

Ostrava kennt das schon

Es ist kein erster Schritt. Der DPO bestellte bereits im März 2021 24 Elektrobusse Urbino 12 bei Solaris, die bis 2022 geliefert wurden; es waren die ersten Elektrobusse des Herstellers in Tschechien. Insgesamt hat Solaris nach Ostrava inzwischen mehr als 450 Busse und Trolleybusse geliefert, die neue Vereinbarung verlängert also eine langjährige Beziehung, anstatt eine zu begründen.

Die Stadt kauft auch anderswo ein: Ein Auftrag über 16 Batterie-Trolleybusse Škoda 26Tr soll ebenfalls 2027 ausgeliefert werden. Zusammengenommen ist über die nächsten drei Jahre ein erheblicher Teil der Flottenerneuerung in Ostrava batterieelektrisch.

Das größere tschechische und europäische Bild

Ostrava ist eine Stadt der Schwerindustrie in der Region Moravia-Silesia mit Problemen bei der Luftqualität, die älter sind als jedes Klimaziel — das macht den kommunalen Verkehr zu einem ungewöhnlich direkten Hebel. Busse sind zugleich der Bereich, in dem die europäische Elektrifizierung den Personenwagen am weitesten voraus ist: Die Neuzulassungen emissionsfreier Lkw und Busse in der EU sind im ersten Halbjahr 2026 erneut gestiegen, und Stadtbusse sind das Segment, in dem die Rechnung der Gesamtbetriebskosten seit mehreren Jahren für den Elektroantrieb spricht.

Für tschechische Leser fällt die Bestellung mit einem umfassenderen Wandel in der heimischen Fertigung zusammen — Škoda hat gerade die Serienproduktion des Peaq in Mladá Boleslav aufgenommen. Das Land kauft elektrischen öffentlichen Verkehr und baut gleichzeitig Elektroautos, und die Ausschreibung in Ostrava ist in absoluten Fahrzeugzahlen die größere der beiden Zusagen.