Lidl hat den Preis für das Laden mit Wechselstrom an seinen französischen Filialen am 18. September von 0,29 € auf 0,18 €/kWh gesenkt. Das ist ein Minus von 38 % und nach Lesart der französischen Fachpresse der günstigste öffentliche Ladetarif des Landes. Nötig ist dafür die Lidl-Plus-App; ohne sie gelten weiterhin die alten 0,29 €.
Wie der Tarif jetzt aussieht
| Mit Lidl Plus | Ohne die App | |
|---|---|---|
| AC, bis 22 kW | 0,18 €/kWh | 0,29 €/kWh |
| DC, bis 180 kW | 0,29 €/kWh | 0,39 €/kWh |
Lidls veröffentlichter Basistarif – das, was jeder mit einer Roaming-Karte an der Säule zahlt – bleibt unverändert bei 0,29 € AC und 0,39 € DC. Bewegt hat sich der App-Preis. Das Netz umfasst mehr als 5500 Ladepunkte an über 1000 französischen Filialen, und abgerechnet wird ausschließlich pro kWh: keine Sitzungsgebühr, keine Anschlussgebühr, keine Standgebühr.
Was ein Tesla tatsächlich davon hat
Weniger, als die Schlagzeile nahelegt – und das sollte man verstanden haben, bevor man deswegen zu einem Lidl fährt.
Eine 22-kW-AC-Säule liefert 22 kW nur an ein Auto, das sie auch aufnehmen kann. Europäische Model 3 und Model Y werden mit einem 11-kW-Bordlader ausgeliefert, damit sind 11 kW die Obergrenze – die restliche Kapazität der Säule bleibt unerreichbar. Ältere Model S und Model X mit dem 16,5-kW-Lader schneiden etwas besser ab.
Bei 11 kW und 0,18 €/kWh bringt ein halbstündiger Einkauf rund 5,5 kWh für etwa einen Euro. Das ist ein wirklich günstiger Zwischenstopp und eine nutzlose Methode, ein Auto vollzuladen: 50 kWh nachzuladen würde viereinhalb Stunden dauern.
Der ehrliche Anwendungsfall ist also der nebenbei, nicht der geplante. Ein einstündiger Wocheneinkauf ergibt rund 11 kWh für 2 €, gegenüber etwa 6,50 € für dieselbe Energie an einer französischen Ionity-Säule, wo der Tarif bei 0,59 €/kWh liegt. Auf einer langen Fahrt ist das kein Ersatz für einen Supercharger, und für die meisten Besitzer wird es das nächtliche Laden zu Hause nicht unterbieten.
Dasselbe Drehbuch in zwei Märkten
Frankreich ist das zweite Lidl-Netz, das in diesem Monat die Preise senkt. In Großbritannien hat Lidl das Schnellladen auf 59 Pence/kWh gesenkt, am 9. September und ebenfalls nur über die App. Beide Senkungen teilen dieselbe Struktur: ein plakativer Tarif hinter Lidl Plus, während der Laufkundschaftspreis exakt dort bleibt, wo er war. Bepreist wird die App als Produkt, nicht nur der Strom.
Der französische Schritt ist relativ gesehen der aggressivere der beiden, und bewegt hat sich der AC- statt des DC-Tarifs – was dazu passt, dass ein Lebensmittelnetz für die Verweildauer bepreist, statt mit dem Laden an der Autobahn zu konkurrieren.
Was offen bleibt
Die Verfügbarkeit schwankt. Nicht jeder französische Lidl hat Ladesäulen, und die App zeigt zwar, ob ein Ladepunkt frei ist, lässt aber keine Reservierung zu.
Auch hat Lidl nicht gesagt, ob die 0,18 € dauerhaft sind. Es gibt einen Präzedenzfall dafür, dass sie es nicht sind: Ein früherer Rabatt von Lidl Frankreich, der das DC-Laden von 0,39 € auf 0,29 € senkte, galt für ein festes Zeitfenster, vom 24. März bis zum 17. April 2026, und lief dann aus. Die Ankündigung vom September nennt kein Enddatum, enthält aber auch keine Zusage. Wer mit dem Tarif plant, sollte ihn als aktuellen Preis behandeln, nicht als festen.