Ionity berechnet Strom nach Land, nicht nach Netz. Am 15. September 2026 legte das italienische Portal Vaielettrico zwei eigene Belege nebeneinander: 0,87 Euro pro kWh an einem Ionity-Standort an der italienischen A8 und 0,59 Euro pro kWh an einem Ionity-Standort an der französischen E80. Derselbe Betreiber, dieselben 350-kW-Ladesäulen, derselbe Stecker. Ein Unterschied von 47 %.
Das ist kein Einzelfall. Es ist genau das, was Ionity veröffentlicht.
Die zwei Tarife
| Italien | Frankreich | |
|---|---|---|
| Direktzahlung, pro kWh | bis zu 0,91 Euro | bis zu 0,62 Euro |
| Günstigster Abo-Tarif, pro kWh | ab 0,48 Euro | ab 0,31 Euro |
Das sind Ionitys eigene Zahlen aus der Preiserläuterung vom Juni 2026. Der Abstand bleibt an beiden Enden der Spanne bestehen: Wer in Italien ad hoc zahlt, zahlt rund die Hälfte mehr als in Frankreich, und wer in Italien das teuerste Abo hat, zahlt immer noch mehr als in Frankreich mit dem günstigsten.
Ionity hat die Preise in weiten Teilen seines europäischen Netzes am 1. Juli 2026 um durchschnittlich rund 4 % angehoben und verwies dabei auf die Beschaffungskosten für Strom.
Was Ionity sagt – und was das Unternehmen auslässt
Ionitys Erklärung lautet, dass sich „Energiepreise und Betriebskosten von Land zu Land sehr unterschiedlich entwickeln können”, und nennt Infrastruktur, Wartung, Netzanschluss und Betriebskosten als Variablen. Das stimmt, soweit es reicht. Strom ist in Italien im Großhandel wie beim Endkunden tatsächlich einer der teuersten in der EU, und Frankreichs Kernkraftflotte macht den Strom dort tatsächlich günstiger.
Was die Erklärung auslässt, ist das Volumen. Die Kosten einer Schnellladestation werden von Kapital und Netzanschluss dominiert, und beides ist fix – ganz gleich, ob die Säule 10 MWh im Monat liefert oder 100. Je weniger Autos sie nutzen, desto mehr muss jede kWh tragen – und in Italien gibt es weit weniger Autos, auf die sich das verteilen lässt. Für Januar bis Juli 2026 beziffert der ICCT den Anteil vollelektrischer Neuwagen in Frankreich auf 29 %, in Italien dagegen auf 8 %.
Das ist die Schleife, die man benennen sollte: Dünne Auslastung hält die Preise hoch, und hohe Preise halten die Auslastung dünn. Ionitys italienisches Netz umfasst rund 45 Ultraschnellladestandorte, und der Tarif trägt seinen Teil dazu bei, dass sie leer bleiben.
Was das für Tesla-Fahrer in Europa bedeutet
Ionity ist kein Tesla-Netz – und genau deshalb ist das relevant. Ein Tesla auf einer europäischen Autobahnroute nutzt den Hochleistungslader, den die Route hergibt, und auf italienischen und französischen Autobahnen ist das häufig Ionity.
Die Entscheidung fällt beim Abo. Ionitys Power-Tarif kostet in Italien 11,99 Euro im Monat und senkt den Preis auf etwa 0,47 Euro pro kWh – rund 0,40 Euro Ersparnis pro kWh gegenüber der Ad-hoc-Zahlung. Bei einer Ladung von 60 kWh sind das etwa 24 Euro, der Tarif rechnet sich also bereits bei einer einzigen Autobahnladung. Wer öfter als einmal im Monat auf italienischen Autobahnen unterwegs ist, macht mit der Ad-hoc-Zahlung den teuren Fehler.
Der Kontrast zu Teslas eigener Preisgestaltung ist aufschlussreich. Als Tesla im September die deutschen Supercharger-Preise senkte, fiel der günstigste Standort des Landes auf 20 Cent pro kWh – gegenüber einem deutschen Ad-hoc-DC-Durchschnitt von knapp 62 Cent. Tesla bepreist nach Standort und Uhrzeit und verändert die Zahlen ohne Ankündigung; Ionity bepreist nach Land und veröffentlicht eine Tarifübersicht. Großzügig ist keiner der beiden Ansätze. Aber mit einer veröffentlichten Übersicht lässt sich planen – und in Italien sagt sie: Schließen Sie das Abo ab, bevor Sie losfahren.