Teslas neu gestaltete Caraoke-App ist seit einigen Wochen in Kundenfahrzeugen unterwegs – und wurde nun erneut geändert. Der hintere Touchscreen hat die bildschirmfüllenden Songtexte verloren, an ihrer Stelle ist ein QR-Code aufgetaucht.

Das hintere Display zeigt keine Songtexte mehr

Bis zu dieser Änderung konnten Passagiere hinter der Mittelkonsole die mitlaufenden Songtexte direkt vom hinteren Display ablesen. Diese Ansicht ist verschwunden. Das hintere Display zeigt jetzt nur noch Titel und Interpret – eine Now-Playing-Anzeige statt eines Karaoke-Bildschirms.

Die Texte wandern aufs Smartphone

Stattdessen erhält das hintere Display eine Warteschlangen-Schaltfläche, die einen QR-Code erzeugt. Wer ihn scannt, landet auf einer Webseite von Stingray, Teslas Content-Anbieter für Caraoke. Von dort aus können Passagiere im Fond den Katalog durchsuchen und den laufenden Titel wechseln, Songs zu einer gemeinsamen Warteschlange hinzufügen, damit die Musik zwischen den Auswahlen nicht abreißt, und die mitlaufenden Songtexte in Echtzeit auf ihrem eigenen Bildschirm verfolgen.

Die gemeinsame Warteschlange ist die eigentlich neue Funktion: Mehrere Passagiere können jeweils von ihrem eigenen Smartphone aus Songs hinzufügen, anstatt sich abwechselnd nach einem festen Bildschirm zu strecken.

Der Tausch hat aber auch eine Kehrseite. Wer hinten Songtexte lesen will, braucht jetzt ein Smartphone, ein entsperrtes Display und eine funktionierende Datenverbindung. Und weil der QR-Code selbst auf dem hinteren Touchscreen angezeigt wird, ergänzt der Smartphone-Weg dieses Display, statt es zu ersetzen – Caraoke lässt sich damit nicht in ein Fahrzeug holen, das nie ein hinteres Display hatte.

Was das für europäische Besitzer bedeutet

Der betroffene hintere Touchscreen ist beim aktuellen Model 3 und Model Y serienmäßig verbaut – den beiden Fahrzeugen, die Tesla in Giga Berlin baut und in Europa in Stückzahlen verkauft. Für die meisten europäischen Besitzer ist das also der Bildschirm im eigenen Auto und nicht die Funktion einer Variante, die anderswo verkauft wird.

Bemerkenswert ist vor allem die Abhängigkeit. Die Songtexte kommen jetzt über die Mobilfunkverbindung des Passagiers von einer Stingray-Seite und nicht mehr aus dem Fahrzeug. Damit hängen sie an der Netzabdeckung statt am Auto – ein anderes Zuverlässigkeitsprofil auf einer langen Fahrt als bei einem Bildschirm, der einfach funktionierte. Tesla dokumentiert die Verfügbarkeit von Caraoke nicht Markt für Markt, die Abdeckung pro Land ist daher als unbestätigt zu behandeln.

Am Verhalten während der Fahrt ändert sich nichts

Die Regeln bei fahrendem Fahrzeug bleiben unverändert. Songtexte erscheinen weiterhin auf dem zentralen Touchscreen, damit Passagiere vorn mitsingen können, doch der Tonhöhen-Visualisierer ist abgeschaltet und es wird keine Punktzahl erfasst – und das gilt selbst dann, wenn ein Insasse als Passagier und nicht als Fahrer eingestuft ist. Die Punktewertung im Wettbewerb, das Kernstück der Neugestaltung, funktioniert nur im Stand.

Keine Version zum Abgleichen

Die Neugestaltung von Caraoke kam mit dem im Juli angekündigten Summer Update, jener Auslieferung, über die TeslAnt in dem Rollout des 2026.26 Summer Update berichtete. Dieses Release brachte die Live-Punktewertung; der jetzige Nachschlag beschneidet die Bedienoberfläche darum herum. Dasselbe Update wurde seit dem Start mehr als einmal nachjustiert – Tesla hat kürzlich auch den Sprach-Stack von Caraoke auf Grok Think Fast 2.0 umgestellt.

Tesla hat zu dieser Änderung keine Release Notes veröffentlicht und die Entfernung nicht erklärt, was bei Anpassungen einer Fahrzeug-App üblich ist, die nicht an einen nummerierten Firmware-Build gebunden sind. Es gibt keine Version zum Vergleichen: In einem Auto, auf dem das Summer Update bereits läuft, können die Songtexte auf dem hinteren Display ohne jede Update-Aufforderung verschwunden sein.

Fazit

Karaoke im Fond funktioniert weiterhin, und die gemeinsame Warteschlange ist eine echte Verbesserung für ein volles Auto. Doch die Funktion ist stillschweigend smartphone-abhängig geworden – und das hintere Display, der eigentliche Grund, sich diese Option überhaupt zu wünschen, ist inzwischen ihr am wenigsten nützlicher Teil.