Tesla hat der US-Verkehrssicherheitsbehörde NHTSA für den Juli 2026 236 Unfallberichte zu Fahrassistenzsystemen übermittelt. Das ist die höchste Zahl, die das Unternehmen je für einen einzelnen Monat eingereicht hat — und sie übertrifft einen Rekord, der gerade einmal einen Monat alt war.

Vier dieser Unfälle forderten Todesopfer. In allen vier Fällen verzeichnet Teslas eigene Meldung die Automatisierung als aktiviert. In keinem einzigen erfuhr die Öffentlichkeit dies aus dem Polizeibericht, der Lokalpresse oder von Tesla.

Der Monatstrend

Nach der Standing General Order der NHTSA müssen Autohersteller Unfälle melden, bei denen ein fortschrittliches Fahrassistenzsystem innerhalb von etwa 30 Sekunden vor dem Aufprall aktiv war und der Unfall eine Schwereschwelle überschritten hat — ein ausgelöster Airbag, ein Abschleppvorgang, eine Verletzung, ein Todesfall oder ein erfasster Fußgänger oder Radfahrer. Teslas Monatssummen sind das ganze Jahr über gestiegen:

Monat (2026) Eingereichte Berichte
März 135
Mai 207
Juni 209
Juli 236

Die 207 Meldungen im Mai galten damals als Rekord. Der Juni übertraf ihn. Der Juli übertraf den Juni.

Eine steigende Zahl ist für sich genommen noch keine steigende Unfallrate — mehr Fahrzeuge, die mehr Kilometer mit FSD zurücklegen, erzeugen mehr Meldungen. Nur lässt sich genau das anhand der Meldungen nicht überprüfen, denn die Felder, aus denen hervorginge, wie das System genutzt wurde, sind genau jene Felder, die Tesla entfernt.

Die vier tödlichen Unfälle

Datum Ort Was die Meldung verzeichnet
12. Juli Upper Marlboro, Maryland Ein nach links abbiegender Model 3 missachtete die Vorfahrt einer Harley-Davidson. Drei Menschen starben: der Motorradfahrer Matthew Vowell, 48, seine Sozia Krystal Vowell, 47, und die Tesla-Insassin Adriana Maxwell, 22. Aktiviert bei 20 mph.
15. Juli San Mateo, Kalifornien Ein Model S von 2016 kam von der Fahrbahn ab, prallte gegen einen Lichtmast und fing Feuer; der Fahrer starb. Aktiviert bei 52 mph.
20. Juli Ashby, Minnesota Auf der Interstate 94 stießen ein westwärts fahrender Ford und ein ostwärts fahrender Tesla zusammen; ein drittes Fahrzeug fuhr anschließend in die Unfallstelle. Tesla-Fahrer Harold Ennulat, 73, und der 24-jährige Ford-Fahrer starben. Aktiviert bei 50 mph.
22. Juli Ione, Kalifornien Ein Model Y von 2026 geriet auf die südwärts führende Fahrspur, streifte einen Honda und stieß frontal mit einem Cadillac zusammen. Fahrerin Shelby Waldie, 25, starb; ein zweijähriges Kind kam ins Krankenhaus. Aktiviert bei 54 mph.

Zählt man all das zusammen, sind sieben Menschen tot. Teslas Meldungen verzeichnen vier Todesopfer, weil sich die Zählung nach dem meldenden Fahrzeug richtet und nicht nach dem Unfall.

Was Tesla entfernt — und was andere nicht entfernen

Tesla schwärzt in jedem Bericht drei Felder: die Unfallschilderung, die Softwareversion und die Angabe, ob die Straße innerhalb des zugelassenen Einsatzbereichs des Systems lag. Das tut das Unternehmen bei 100 % seiner Meldungen. General Motors, das für Super Cruise auf demselben Weg meldet, schwärzt keine einzige seiner Unfallschilderungen.

Ohne das Versionsfeld lässt sich nicht feststellen, ob an einem Unfall Autopilot, ein alter FSD-Build oder die aktuelle Version beteiligt war. Ohne das Feld zum Einsatzbereich lässt sich nicht feststellen, ob sich das Fahrzeug dort befand, wo das System funktionieren sollte. Tesla steht wegen seiner Meldepraxis bereits unter Untersuchung der NHTSA.

TeslAnt hat schon mehrfach solche geschwärzten Einträge namentlich bekannten Unfällen zuordnen können, darunter eine Kollision an einem Stoppschild in New Jersey bei 4 mph und einen Unfall mit 104 mph in Clute, Texas.

Warum das jetzt in Europa ankommt

Es sind US-Daten über US-Straßen, und sie treffen in dem Monat ein, in dem Europa über dieselbe Software entscheidet. FSD (Supervised) ist in sechs Mitgliedstaaten anerkannt, Tesla spielt FSD 14.2.2.6 auf europäische Fahrzeuge aus, und über die EU-weite Anerkennung stimmt am 6. Oktober der Technische Ausschuss Kraftfahrzeuge ab — jene Abstimmung, die hinter allem steht, was Tesla über mehr Autonomie in Europa gesagt hat.

Die Juli-Akte ist der umfangreichste Datenbestand eines einzelnen Monats, der darüber existiert, wie sich diese Software im realen Verkehr verhält. Und sie ist, dank Teslas eigener Schwärzungen, zugleich der am wenigsten lesbare.