Bahnübergänge haben sich zum deutlichsten wiederkehrenden Fehlerbild in Teslas Full Self-Driving entwickelt, und der jüngste dokumentierte Fall wurde mit dem neuesten Build aufgezeichnet, den das Unternehmen ausliefert.
NBC News, dessen Recherche Electrek diese Woche zusammengefasst hat, fand mehr als 40 einzelne Berichte über Teslas mit aktiviertem FSD, die Bahnübergänge falsch handhabten. Die Reporter interviewten sechs Halter, die einen solchen Vorfall erlebt hatten; vier von ihnen stellten Videomaterial zur Verfügung.
Was die Faktenlage tatsächlich enthält
Bei den Vorfällen handelt es sich nicht um Beinahe-Unfälle der uneindeutigen Art.
Im März 2026 fuhr ein Tesla mit aktiviertem FSD in West Covina, Kalifornien, geradewegs durch geschlossene Schranken, ohne vor dem Aufprall auch nur einen Bremsversuch zu unternehmen. Einen Monat später durchbrach das Fahrzeug eines Halters aus Texas eine Schranke, Sekunden bevor ein Zug herannahte; er trat das Gaspedal durch, um die Gleise zu räumen, und der herabsinkende Schrankenbaum traf seine Scheibe. 2025 wurde ein Tesla in Pennsylvania von einem Zug erfasst, nachdem er auf die Gleise abgebogen war.
Der jüngste Fall ist derjenige, der für jede Bewertung des Fortschritts am schwersten wiegt. Im August 2026 filmte Lei Xing, wie sich sein Fahrzeug auf FSD v14.3.7 – der neuesten Version – einem gesicherten Bahnübergang näherte, ohne anzuhalten. Nur manuelles Bremsen verhinderte Schlimmeres.
Das muss man sorgfältig formulieren, denn die Release Notes laden zur falschen Lesart ein. Die Notes des v14.3-Zweigs sprechen von einem verbesserten Umgang mit „seltenen und ungewöhnlichen Objekten, die in den Fahrzeugpfad hineinragen, hineinhängen oder hineinlehnen” – eine Formulierung, die eine geschlossene Bahnschranke klar beschreibt. Diese Notes werden über Point-Releases hinweg fortgeschrieben, sind also keine Aussage speziell zu 14.3.7. Sie belegen aber, dass Tesla diese Kategorie im Blick hatte – und der Fehler trat trotzdem erneut auf.
Was die Aufsichtsbehörde unternimmt
Die NHTSA eröffnete ihre FSD-Untersuchung im Oktober 2025 nach 58 gemeldeten Unfällen, bei denen Fahrzeuge rote Ampeln überfuhren oder in den Gegenverkehr gerieten. Im März 2026 stufte sie das Verfahren hoch auf rund 2,9 Millionen FSD-ausgestattete Fahrzeuge – zu einer Engineering Analysis, dem Schritt unmittelbar bevor eine Behörde einen Rückruf verlangen kann. Inzwischen hat die NHTSA erklärt, dass sie Bahnübergänge im Rahmen dieser Arbeit prüfen wird.
Der politische Druck ist älter. Die Senatoren Ed Markey und Richard Blumenthal schrieben im September 2025 an NHTSA-Chef Jonathan Morrison und forderten ausdrücklich eine Untersuchung zu Bahnübergängen; seither bleiben sie der Behörde gegenüber hartnäckig – unter anderem, indem sie interne Tesla-Unterlagen zur Konstruktion seiner Sicherheitsbehauptungen einforderten.
Warum das in Europa anders ankommt
Kein europäischer Fahrer kann das kaufen. FSD (Supervised) ist für europäische Straßen nicht zugelassen, und das deutsche KBA prüft es weiterhin, wobei Autobahngeschwindigkeiten der öffentlich bekannte Knackpunkt sind.
Ein reproduzierbares Versagen an einem ortsfesten, signaltechnisch gesicherten Bauwerk ist genau die Art von Beleg, auf die eine Typgenehmigungsbehörde reagieren kann, denn es ist keine Ermessensfrage des Fahrstils. Eine Bahnschranke wird entweder erkannt oder nicht. Jeder Monat, in dem das im amerikanischen Datenbestand stehen bleibt, ist ein Monat, der jeder Behörde zur Verfügung steht, die nach einem Grund zum Abwarten sucht – und es steht in unbequemem Kontrast zu Teslas eigener Ankündigung, FSD v15 werde ein Quantensprung.
Wenn Sie mit FSD fahren
Das System ist überwacht, und der Name ändert daran nichts. Behandeln Sie einen Bahnübergang so, wie Sie eine Schulzone oder eine Baustellenspur behandeln würden: Hände am Lenkrad, Fuß bereit, kein Handy. Die dokumentierten Fälle haben eines gemeinsam – dass der Fahrer rechtzeitig eingriff, war der einzige Grund, warum es zu keiner Kollision kam.