Tesla Canada muss dem Versicherer Intact C$161.700 für ein Model X aus dem Jahr 2020 erstatten, das noch unter Garantie auf einer Straße in Montreal ausbrannte. Der Superior Court von Quebec hat es abgelehnt, ein Urteil neu aufzurollen, das Tesla durch Säumnis hatte ergehen lassen. Über die Entscheidung von Richter Ian Demers berichtete TVA Nouvelles am 8. Oktober 2026; Drive Tesla Canada und Electrek griffen den Fall auf.
Der Brand
Sacha De Santis fuhr das Model X am 5. März 2023 gegen 1 Uhr nachts durch den Montrealer Stadtbezirk Ahuntsic-Cartierville, mit seiner Begleitung auf dem Beifahrersitz. Kurz nachdem die beiden die Heizung eingeschaltet hatten, rochen sie Rauch im Innenraum. Sie hielten an, nahmen ihre Sachen und stiegen aus. Innerhalb von etwa fünf Minuten stand das Auto in Vollbrand; es wurde zum Totalschaden erklärt. „Das hätte richtig schiefgehen können. Wir hatten Glück”, sagte De Santis gegenüber TVA Nouvelles.
Die Polizei von Montreal kam noch im selben Jahr zu dem Schluss, dass der Brand keinen kriminellen Hintergrund hatte. Intact zahlte De Santis C$161.700 für den Totalschaden und tat dann, was Versicherer bei einem Schaden tun, für den sie einen anderen verantwortlich sehen: Das Unternehmen verklagte Tesla Canada auf Erstattung. Seine Argumentation lautete, das Fahrzeug falle unter Teslas Basis-Fahrzeuggarantie von vier Jahren oder 80.000 km – dieselbe Laufzeit, die Tesla in Europa anbietet –, von der rund drei Jahre verstrichen waren. Ein bei Gericht eingereichtes Sachverständigengutachten verortete den Brandherd auf der Beifahrerseite des Armaturenbretts und nannte einen vorzeitigen elektrischen Defekt als wahrscheinliche Ursache.
Eine Verteidigung, die keine war
Tesla bestritt die Klage nicht fristgerecht, und Intact erwirkte im Juni ein Versäumnisurteil. Daraufhin beantragte Tesla dessen Aufhebung und musste dafür eine Verteidigung vorweisen, die eine Verhandlung rechtfertigt. Was das Unternehmen über einen Mitarbeiter zu Protokoll gab, war die Aussage, Fahrzeugbrände hingen „in der Regel” mit Fehlgebrauch oder vorsätzlicher Beschädigung zusammen.
Richter Demers wies den Antrag ab. Tesla habe, so schrieb er in der Übersetzung von Electrek, nicht „die geringste ernsthafte” Verteidigung vorgebracht und seine Behauptung „ohne sich auf irgendwelche Daten zu stützen” aufgestellt. Das Versäumnisurteil bleibt bestehen und mit ihm die C$161.700.
| Schritt | Was geschah |
|---|---|
| 5. März 2023 | Model X von 2020 brennt in Ahuntsic-Cartierville, Montreal, aus; Totalschaden |
| 2023 | Polizei von Montreal findet keine Hinweise auf eine Straftat |
| Juni 2026 | Intact erwirkt ein Versäumnisurteil gegen Tesla Canada |
| Oktober 2026 | Richter Demers lehnt die Aufhebung des Urteils ab; Berufungsfrist läuft noch |
Zwei Einschränkungen gehören dazu. Die Entscheidung betrifft die Frage, ob Tesla eine zweite Chance erhält, seine Sicht darzulegen, und ist keine gerichtliche Feststellung darüber, was den Brand ausgelöst hat; das Sachverständigengutachten wurde nie in einem Kreuzverhör geprüft. Zudem war die Berufungsfrist noch nicht abgelaufen, als über das Urteil berichtet wurde. Tesla Canada reagierte nicht auf eine Anfrage des Journal de Montréal, und Intact lehnte eine Stellungnahme ab.
Die Daten, die Tesla hat und nicht vorlegte
Tesla veröffentlicht Brandstatistiken. Sein Fahrzeugsicherheitsbericht zählt für den Zeitraum 2012 bis 2024 etwa einen Tesla-Brand pro 140 Millionen gefahrene Meilen, gegenüber einem Brand alle 17 Millionen Meilen beim durchschnittlichen US-Fahrzeug laut Daten der NFPA und des US-Verkehrsministeriums; zudem weist der Bericht darauf hin, dass die eigene Zählung auch Brände umfasst, die Tesla nicht verursacht hat, etwa Brandstiftung. Nichts davon wurde dem Gericht vorgelegt, und nichts davon beantwortet die einzige Frage, die sich dem Gericht stellte: ob dieses Model X während der Garantie wegen eines Defekts Feuer fing. Das einzige Gutachten kam zu dem Schluss, dass dies wahrscheinlich der Fall war.
Warum ein Brand in Montreal für Europa relevant ist
Für ein Unternehmen von Teslas Größe ist die Summe gering. Die Begründung ist es nicht. Teslas Position lautete, ein Fahrzeugbrand während der Garantie sei Sache des Halters, solange nichts anderes bewiesen ist; das Gericht hielt dagegen, dass eine Behauptung kein Beweis ist. Europäische Halter haben dieselbe Garantie über vier Jahre oder 80.000 km, und die Frage, die Richter Demers stellte – wo sind die Daten? –, würde jedes Gericht stellen. TeslAnt hat Teslas Verfahren vor Verbrauchergerichten schon früher verfolgt, zuletzt das Urteil des norwegischen Obersten Gerichtshofs zur Akku-Drosselung im April; das Muster aus Quebec – eine technische Behauptung von Tesla und ein Richter, der wissen will, was dahintersteckt – ist bekannt.