Norwegens Oberster Gerichtshof (Høyesterett) hat es abgelehnt, Teslas Berufung im langwierigen Streit um die Batteriedrosselung zu verhandeln, wodurch das frühere Urteil des Berufungsgerichts Borgarting rechtskräftig wird. Die am 21. April 2026 gemeldete Entscheidung beendet einen Rechtsstreit, der 2019 begann, und verwandelt eine zuvor zugesprochene Entschädigung für 115 norwegische Model-S-Besitzer in eine verbindliche Verpflichtung.
Worum es in dem Fall ging
Besitzer von Model-S-Fahrzeugen der Baujahre 2013–2015 stellten nach einem im Jahr 2019 ausgerollten Software-Update fest, dass ihre Fahrzeuge an Superchargern deutlich langsamer luden und in einigen Fällen eine verringerte nutzbare Kapazität aufwiesen. Tesla argumentierte, das Update sei eine Sicherheitsmaßnahme gewesen, und verwies auf die Notwendigkeit, ältere Batteriepakete vor Brandgefahr zu schützen. Die Kläger bezeichneten es als Drosselung, die die tägliche Nutzbarkeit und die Langstreckenreichweite einschränke, und reichten Schadensersatzklage ein.
Die unteren Instanzen gaben den Besitzern recht und stellten fest, dass Tesla seine Kunden vor der Auslieferung des Updates über dessen praktische Auswirkungen hätte informieren müssen. Jedem Kläger wurden 50.000 NOK Schadensersatz zugesprochen, wobei die gesamte direkte Entschädigung für die 115 Kläger in diesem Fall etwa 5,75 Millionen NOK erreicht. Unter Berücksichtigung der Prozesskosten wird erwartet, dass Teslas Gesamtrechnung für den Streit 20 Millionen NOK übersteigen wird.
Der Schritt zum Obersten Gerichtshof
Tesla hatte den norwegischen Obersten Gerichtshof gebeten, das Berufungsurteil aufzuheben. Der Zulassungsausschuss des Gerichts hat es nun abgelehnt, den Fall zu verhandeln, was bedeutet, dass das Urteil des Berufungsgerichts Borgarting Bestand hat und rechtlich durchsetzbar wird. Tesla Norway steht kein weiterer nationaler Rechtsweg mehr offen.
Warum europäische Besitzer sich dafür interessieren sollten
Norwegen ist kein EU-Mitglied, aber sein Verbraucherrecht orientiert sich eng an EU-Richtlinien zu digitalen Inhalten und Software-Updates. Gerichte in anderen europäischen Märkten ziehen in Elektroauto-Fällen regelmäßig norwegische Präzedenzfälle heran, da das Land weltweit die höchste Tesla-Dichte pro Kopf und die reifste Rechtsprechung zu Over-the-Air-Fahrzeugupdates aufweist.
Das Urteil stärkt einen Grundsatz, der für die europäische EV-Regulierung zunehmend zentral wird: Ein OTA-Update, das die Leistung messbar verringert, kann als Verletzung des Kaufvertrags gewertet werden, sofern der Kunde nicht vorab informiert wird und zustimmt. Der eigene EU-Rahmen für Software-Updates an Fahrzeugen, der 2022 in Kraft trat, zwingt Hersteller bereits zur Offenlegung funktionaler Änderungen – doch dieser Fall zeigt, wie Zivilgerichte den Grundsatz rückwirkend durchsetzen.
Weitere Auswirkungen
Verbraucherorganisationen in Deutschland, den Niederlanden und Schweden haben in den vergangenen Jahren ähnliche Klagen verfolgt. Juristen europäischer Verbraucherverbände haben bereits erklärt, sie würden das Borgarting-Urteil als Vorlage für anhängige Sammelklagen in anderen Ländern nutzen, insbesondere im Zusammenhang mit den Batterie-Updates von 2019 und 2020, die ältere Model-S- und Model-X-Pakete betrafen.
Tesla hat die Ablehnung durch den Obersten Gerichtshof nicht kommentiert. Es wird erwartet, dass das Unternehmen Schadensersatz und Prozesskosten über seine norwegische Tochtergesellschaft zahlt und sich in den kommenden Wochen mit den 115 Klägern einigt.
Was es für Besitzer bedeutet
Wenn Sie in Europa einen Model S der Baujahre 2013–2015 fahren und ihn neu gekauft haben, prüfen Sie, ob in Ihrem Land ein paralleles Verfahren läuft – mehrere Kanzleien in Deutschland und den Niederlanden sammeln Kläger. Bewahren Sie Servicebelege und Screenshots der Ladegeschwindigkeiten vor und nach Software-Updates auf; sie bildeten den zentralen Beweis in Norwegen.
Für neuere Tesla-Besitzer fällt die praktische Schlussfolgerung geringer aus, ist aber real: Tesla steht in Europa nun unter stärkerem rechtlichen Druck, in verständlicher Sprache zu dokumentieren, was jede Firmware-Version am Verhalten von Batterie oder Ladevorgang ändert. Rechnen Sie damit, dass Teslas Versionshinweise konkreter werden und dass neue europäische Verbrauchergesetze den norwegischen Ansatz übernehmen.