Fastned hat am 13. August seine Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vorgelegt, und sie beschreiben einen Betreiber, der ein Jahrzehnt lang Geld mit dem Schnellladen verloren hat und nun endlich nahe daran ist, es nicht mehr zu verlieren. Der Ladeumsatz stieg im Jahresvergleich um 40% auf €75,1 Millionen, der Nettoverlust verringerte sich um 29% auf €13 Millionen, und das zugrunde liegende Unternehmens-EBITDA kletterte von €1,4 Millionen auf €13,7 Millionen.

Für europäische Tesla-Fahrer ist das keine Konzernfolklore. Fastned ist eines der wenigen CCS-Netze, auf das sich ein Tesla in neun Ländern zum Laden verlassen kann, und abseits des Supercharger-Netzes ist es auf langen Strecken oft der Rückfallplan. Seine Wirtschaftlichkeit entscheidet darüber, wo die nächsten Stationen entstehen und was sie kosten.

Die Zahlen

Kennzahl H1 2026 Veränderung zu H1 2025
Ladeumsatz €75.1m +40%
Bruttogewinn im Ladegeschäft €66.0m +61%
Bruttomarge im Ladegeschäft 88% von 76%
Bruttogewinn je kWh nicht veröffentlicht +17%
Gelieferte Energie 112.3 GWh +38%
Ladevorgänge 4.1m +34%
Operatives EBITDA €37.4m von €17.9m
Zugrunde liegendes Unternehmens-EBITDA €13.7m von €1.4m
Nettoverlust €13.0m von €18.3m (−29%)

Zum 30. Juni umfasste das Netz 434 betriebsbereite Stationen in den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Deutschland, dem Vereinigten Königreich, der Schweiz, Dänemark, Italien und Spanien. Fastned eröffnete im Halbjahr 28 Stationen, 65% mehr als im gleichen Zeitraum 2025, und meldete eine Verfügbarkeit von 99,3%.

Die Marge ist der Teil, den man zweimal lesen sollte

Die Bruttomarge im Ladegeschäft stieg von 76% auf 88%, der Bruttogewinn je kWh legte im Jahresvergleich um 17% zu. Fastned selbst stellt es so dar, dass Umsatz und EBITDA erstmals schneller wachsen als die Kostenbasis — jener Wendepunkt, den das Unternehmen seinen Investoren seit Jahren verspricht.

Die Bruttomarge ist hier allerdings der Ladeumsatz abzüglich der Stromkosten, und ein Sprung um 12 Prozentpunkte binnen eines Jahres bedeutet, dass die Spanne zwischen dem, was Fastned für Strom zahlt, und dem, wofür das Unternehmen ihn verkauft, größer geworden ist. Die europäischen Großhandelspreise für Strom sind in diesem Zeitraum gesunken, ein Teil davon geht also auf die Einkaufsseite und nicht auf die Preisgestaltung zurück. Einen Durchschnittspreis je kWh hat Fastned nicht veröffentlicht; wie viel von der größeren Spanne an die Fahrer weitergegeben und wie viel einbehalten wurde, beantwortet die Mitteilung daher nicht.

Das ist relevant, weil sich das öffentliche Laden in Europa genau gegenläufig zum Großhandelsmarkt entwickelt hat. Italienische Fahrer zahlten im Juli an DC-Ladern rund €0,74/kWh, gegenüber €0,25/kWh zu Hause, wie TeslAnt in der Juli-Erhebung der italienischen Ladepreise feststellte. Die sinkenden Energiekosten sind an der Ladesäule erkennbar nicht angekommen.

Was Europa davon hat

Fastned hat eine grüne Kreditlinie über bis zu €200 Millionen aufgenommen, von der die ersten €100 Millionen für den Stationsausbau in Belgien und der Schweiz über drei Jahre fest zugesagt sind, und nahm über zwei Retail-Anleihekampagnen weitere €69 Millionen ein. Im Halbjahr sicherte sich das Unternehmen 60 neue Standorte und erhielt 68 Baugenehmigungen, 89% mehr als ein Jahr zuvor.

Die Prognose für die operative EBITDA-Marge wurde für das Gesamtjahr von 35–40% auf rund 45% angehoben. Das Ausbauziel bleibt mit 70–100 neuen Stationen bis Jahresende unverändert.

Die europäische Nachfrageseite trägt ihren Teil bei. Fastned verwies auf einen Marktanteil batterieelektrischer Neuzulassungen in der EU von 20,7% im ersten Halbjahr nach 15,6% ein Jahr zuvor — mehr Autos, mehr Ladevorgänge und ein Netz mit fixen Kosten, dessen Betrieb je kWh günstiger wird, je besser es ausgelastet ist.

Fazit

Ein Ladebetreiber, der von €18,3 Millionen Verlust auf €13 Millionen kommt, ist noch kein profitables Geschäft, und Fastned rechnet damit, bis dahin noch kräftig in neue Standorte zu investieren. Das nützliche Signal für Fahrer ist nicht die Verlustzeile, sondern die Margenzeile: Fastned erzielt heute je verkaufter kWh 17% mehr Bruttogewinn als vor einem Jahr. Das Laden unterwegs wird besser abgedeckt und zuverlässiger. Billiger wird es nach dieser Datenlage nicht.