Europa hat die Ladepunkte schneller gebaut als die Autos

Die vertraute Klage, Europa könne nicht elektrifizieren, weil es an Ladepunkten fehle, wirkt zunehmend überholt. Eine neue Analyse der Kampagnenorganisation Transport & Environment (T&E) kommt zu dem Ergebnis, dass die öffentliche Ladeinfrastruktur in der gesamten EU schneller gewachsen ist als der batterieelektrische Fahrzeugbestand (BEV), den sie bedienen soll. Bis Ende März 2026 erfüllte bereits jeder Mitgliedstaat außer Malta die flottenbasierten Ziele der EU-Verordnung über die Infrastruktur für alternative Kraftstoffe (AFIR) — jenes verbindliche Gesetz, das die Ladekapazität an die Zahl der Elektroautos auf der Straße koppelt.

Was AFIR tatsächlich verlangt

AFIR legt zwei Arten von Zielen fest. Das erste ist flottenbasiert: Jedes Land muss mindestens 1,3 kW öffentlich zugängliche Ladekapazität für jedes im nationalen Bestand zugelassene BEV bereitstellen. Das zweite ist geografisch: Schnellladestationen mit mindestens 150 kW müssen in regelmäßigen Abständen entlang der wichtigsten Autobahnkorridore Europas stehen, damit lange Fahrten ohne Reichweitenangst möglich sind.

Beim flottenbasierten Maßstab liegt die EU komfortabel vorn. Im gesamten Staatenverbund übertrifft die öffentliche Ladekapazität die Mindestanforderung nun um 180 %, und bis Ende letzten Jahres waren rund 1,1 Millionen öffentliche Ladepunkte installiert — fünfmal so viele wie 2020. Malta ist der einzige Nachzügler, was eher das rasche Wachstum seines E-Auto-Bestands im Verhältnis zu einem kleinen Inselnetz widerspiegelt als einen Einbruch des allgemeinen Trends.

Das Autobahnbild holt auf

Die geografischen Ziele kommen ungleichmäßiger voran, aber dennoch schneller, als die Fristen es verlangen. Nach AFIR sollten bis 2025 alle 60 Kilometer entlang des TEN-T-Kernnetzes — der verkehrsreichsten grenzüberschreitenden Routen — Ultraschnellladestationen mit mindestens 150 kW entstehen. Stand Juni 2026 erfüllten 79 % dieses Kernnetzes die Anforderung. Im weiter gefassten TEN-T-Gesamtnetz, das regionale Autobahnen und Hauptstraßen umfasst, haben 20 der 27 EU-Mitgliedstaaten ihre Ziele für 2027 bereits erreicht, rund 18 Monate vor dem Zeitplan.

AFIR-Kennzahl Stand (2026)
Flottenbasiertes Ziel erfüllt 26 von 27 Staaten (alle außer Malta)
Öffentliche Kapazität vs. Mindestwert +180 %
Installierte öffentliche Ladepunkte ~1,1 Millionen (5x 2020)
TEN-T Core 150 kW alle 60 km 79 % erreicht
TEN-T Comprehensive Ziel 2027 vorzeitig erfüllt 20 von 27 Staaten

Warum das für Tesla-Fahrer wichtig ist

Für Tesla-Fahrer rückt der Bericht ein langjähriges Argument in ein neues Licht. Tesla positioniert sein Supercharger-Netz seit Jahren als Antwort auf Europas Ladelücken und baut es weiter aus — vom ersten europäischen V4-Supercharger mit 500 kW in Norwegen bis zur Öffnung seiner Ladeplätze für andere Marken. Doch die Daten von T&E legen nahe, dass der Engpass für die Verbreitung von E-Autos in Europa nicht mehr der Stecker ist: Es sind die Fahrzeugpreise, die Kaufanreize und die Netzanschlüsse. Da die Gesetzgeber nun dazu übergehen, Genehmigungen für Autobahn-Schnellladestationen abzuschaffen, ist die Infrastrukturseite der Gleichung diesen Zahlen zufolge weitgehend gelöst. Das dürfte es Käufern, die einen Model 3 oder Model Y in Erwägung ziehen, erleichtern, das öffentliche Laden als geklärte Frage zu behandeln statt als Grund zum Abwarten.