Eine Mehrheit im Europäischen Parlament befürwortet nun einen Vorschlag, der es Betreibern erlauben würde, Schnellladestationen an Autobahnraststätten zu errichten, ohne zuvor eine Baugenehmigung einzuholen. Es handelt sich um eine kleine verfahrenstechnische Änderung mit potenziell großen Folgen dafür, wie schnell Europas Ladenetz — einschließlich der Supercharger von Tesla — wachsen kann.
Was das Parlament vorschlägt
Nach dem Plan würden Ladestandorte mit bis zu einem Megawatt, die auf „künstlichen Strukturen” errichtet werden — dem bereits gepflasterten, bereits erschlossenen Gelände an Rastanlagen und Raststätten —, vor Baubeginn keine gesonderte Genehmigung mehr benötigen. Ein Megawatt ist eine großzügige Obergrenze: Sie deckt problemlos einen kompletten Block von Hochleistungsplätzen ab, sodass in der Praxis die meisten neuen Autobahn-Ladeknotenpunkte unter die Ausnahme fallen würden.
Die Maßnahme ist Teil des umfassenderen EU Grid Package, einer Reihe von Reformen zur Modernisierung der europäischen Stromnetze und zur Beschleunigung der Genehmigungen für Energie- und Ladeinfrastruktur. Die Begründung ist unkompliziert. Die Genehmigung ist zu einem der langsamsten Schritte bei der Errichtung neuer Ladesäulen geworden, und Standorte an Rastanlagen auf bestehender Infrastruktur bergen kaum das Planungsrisiko, das Genehmigungen steuern sollen.
Warum das für europäische Tesla-Fahrer wichtig ist
Für europäische Tesla-Besitzer ist das Ausbautempo des Netzes die praktische Grenze für Langstreckenfahrten, und Genehmigungsverzögerungen sind seit Langem ein Engpass für jeden Betreiber. Den Genehmigungsschritt für Standorte an Rastanlagen zu streichen, würde direkt auf die Orte abzielen, die für Roadtrips am wichtigsten sind — die Autobahnstopps zwischen den Städten — und könnte es Tesla ermöglichen, neue V4-Supercharger-Knotenpunkte schneller zu errichten und bestehende schneller zu erweitern, als es das derzeitige Verfahren erlaubt.
Es würde auch für gleiche Bedingungen sorgen. Tesla öffnet inzwischen einen Großteil seines europäischen Netzes für Nicht-Tesla-Elektrofahrzeuge, und ein schnellerer Ausbau kommt der gesamten Flotte zugute, die diese Standorte nutzt, nicht nur den Tesla-Fahrern. Ein schnellerer Weg von der Planung bis zur Inbetriebnahme ist einer der wenigen Hebel, die allen Ladenetzen gleichzeitig helfen.
Der Haken: Es ist noch kein Gesetz
Der Vorschlag hat eine wichtige Hürde genommen, indem er eine Mehrheit unter den Europaabgeordneten gewonnen hat, doch das ist eine Verhandlungsposition, keine fertige Verordnung. Er tritt nun in den Trilog ein — die vertraulichen Gespräche zwischen dem Europäischen Parlament, der Europäischen Kommission und den Mitgliedstaaten, die aus einer Parlamentsposition verbindliches EU-Recht machen.
Bei diesem Dossier hat das Parlament seine Forderungen weiter vorangetrieben als die Kommission oder die nationalen Regierungen, sodass der endgültige Text gegenüber der genehmigungsfreien Version, die die Abgeordneten befürwortet haben, wahrscheinlich abgeschwächt wird. Ob die Ein-Megawatt-Schwelle und die pauschale Ausnahme für künstliche Strukturen unversehrt bleiben, hängt vom Ausgang dieser Verhandlungen ab. Über die Notwendigkeit schnellerer Genehmigungen besteht weitgehend Einigkeit; die Details sind noch umstritten.
Vorerst ist die Richtung klar, auch wenn das Ziel es nicht ist: Europäische politische Entscheidungsträger betrachten die Ladeinfrastruktur zunehmend als etwas, das zu beschleunigen und nicht zu reglementieren ist. Sollte die Ausnahme Bestand haben, könnte die nächste Welle von Autobahn-Superchargern spürbar früher eintreffen.