Mit dem Auto durch Belgien zu fahren, war kostenlos, solange sich die meisten Fahrer erinnern können. Wenn Sie nicht gerade den Liefkenshoek-Tunnel bei Antwerpen nahmen, konnten Sie das ganze Land durchqueren — auf dem Weg zur Nordsee, nach Frankreich, nach Deutschland — ohne einen Cent zu zahlen. Damit ist am 1. Mai 2027 Schluss.

Ab diesem Datum führen Flandern, Wallonien und Brüssel eine Vignette für alle Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen ein. Die drei Regionen haben sich auf ein einziges, einheitliches System geeinigt statt auf drei konkurrierende — das erspart den Fahrern die Aussicht, für die Durchquerung ihres eigenen Landes mehrere Vignetten kaufen zu müssen.

Was sie kostet

Fahrzeug Jahrespreis
Batterieelektrisch €90
Verbrenner ab Euro 4 €100
Bis Euro 3 €125

Für Besucher und Gelegenheitsnutzer gibt es Kurzzeitoptionen. In der Kategorie Euro 4 kosten sie €9 für einen Tag, €12 für zehn Tage, €19 für einen Monat und €30 für zwei Monate. Die Entsprechungen für die übrigen Emissionsklassen sind noch nicht veröffentlicht.

E-Autos erhalten gegenüber dem Normaltarif €10 Rabatt — eine Geste, kein Anreiz. Die Struktur insgesamt ist nach Emissionen gestaffelt und nicht auf die Förderung von Elektroautos ausgelegt: Der spürbare Unterschied sind die €25 zwischen den ältesten Verbrennern und allem Neueren.

Nicht nur Autobahnen

Das Detail, über das viele stolpern werden, ist der Geltungsbereich. Es handelt sich nicht um eine Autobahnmaut. Die Vignette gilt im gesamten Netz der Regional- und Staatsstraßen — allein in Flandern sind das rund 7.000 Kilometer und damit etwa 10 % des gesamten Straßennetzes. Wer über Landstraßen ausweichen möchte, um die Autobahn zu meiden, entgeht der Gebühr trotzdem nicht.

Die Kontrolle läuft automatisch. Die Vignette ist digital und an das Kennzeichen gebunden, geprüft wird per kamerabasierter Kennzeichenerkennung. Es gibt keine Plakette zu kaufen oder anzubringen. Die Bußgelder beginnen bei €70, sobald eine anfängliche Übergangsfrist ohne Sanktionen abgelaufen ist.

Motorräder, Reisebusse, Traktoren, Einsatzfahrzeuge der Rettungsdienste und Militärfahrzeuge sind ausgenommen.

Auch Belgier zahlen, aber nicht doppelt

Das System richtet sich nicht allein an den ausländischen Verkehr — und genau das macht es juristisch unkompliziert: Die Verhältnismäßigkeitsregeln der EU erschweren es, durchreisende ausländische Fahrer zur Kasse zu bitten, ohne inländische zu denselben Konditionen zu belasten. Belgische Autofahrer kaufen die Vignette wie alle anderen.

Flandern gleicht das aus. Zum 1. Januar 2027, vier Monate vor dem Start der Vignette, reformiert die Region ihre jährliche Kfz-Steuer mit dem erklärten Ziel, die Gesamtbelastung der flämischen Autofahrer weitgehend unverändert zu lassen. Ob das in der Praxis für den einzelnen Fahrer aufgeht, hängt davon ab, welches Fahrzeug er besitzt.

Für alle anderen in Europa ist das ein neuer Posten auf jeder Fahrt durch Belgien. Er fügt sich in eine breitere Verschiebung ein, wie die Straßennutzung bezahlt wird, während die Einnahmen aus der Kraftstoffsteuer zurückgehen — Großbritannien hat bereits eine kilometerabhängige Abgabe für Elektroautos ab April 2028 beschlossen. Belgiens Ansatz ist einfacher und flacher: eine feste Jahresgebühr, nach Emissionen gestaffelt, bei der Elektrofahrer etwas weniger zahlen, statt befreit zu sein.