Tesla Europe hat am 11. September 2026 die europäische Spezifikation des Semi veröffentlicht, vier Tage vor dem offiziellen Marktstart des Trucks auf der IAA Transportation in Hannover. Die Zahlen sind jetzt offiziell statt aus regionalen Webseiten-Einträgen abgeleitet, und sie bestätigen: Europa bekommt einen Truck statt des in Nordamerika verkauften Duos aus Standard und Long Range.

Was jetzt offiziell ist

Europäischer Semi Nordamerikanischer Semi (Long Range)
Reichweite Bis zu 550 km 805 km (500 mi)
Ausgelegt auf 40 t Gesamtzuggewicht 82.000 lb (37,2 t)
Verbrauch 1 kWh/km ~1,7 kWh/Meile
Leergewicht 9.100 kg
Batterie Nicht veröffentlicht 822 kWh
Ladestandard MCS Tesla-Megawatt-Stecker
Maximale Ladeleistung Bis zu 800 kW 1,2 MW
In 30 Minuten nachgeladen ~60 % der Reichweite ~70 % der Reichweite
ePTO Bis zu 25 kW Bis zu 25 kW
Preis Nicht veröffentlicht 260.000 $ / 290.000 $

TeslAnt berichtete über die Werte von 550 km und 800 kW bereits am 25. August, als sie auf Teslas britischer und niederländischer Website auftauchten und einen früheren Eintrag mit 1,2 MW ablösten, der sich als Beschreibung des amerikanischen Trucks entpuppte. Neu ist heute Teslas eigene Bestätigung, dazu der Verbrauchswert von 1 kWh/km und die Ladeangabe für die halbe Stunde in der europäischen Spezifikation.

Ein Truck – und ein Akkupaket, das Tesla nicht benennt

Die Entscheidung für eine einzige Variante ist die eigentliche Nachricht. Nordamerika kauft einen Long Range Semi mit 500 Meilen Reichweite auf einem 822-kWh-Paket oder einen Standard Range mit weniger Reichweite; Europa bekommt einen einzigen Eintrag. Das Leergewicht deutet an, welches Paket verbaut ist: Mit 9.100 kg ist der europäische Truck leichter als der US-amerikanische Long Range Semi und liegt auf dem US-Standard-Range-Wert von unter 20.000 lb. Tesla hat keine europäische Batteriekapazität veröffentlicht, also bleibt das eine Schlussfolgerung aus dem Gewicht und keine Spezifikation.

Die Auslegung auf 40 Tonnen ist überhaupt erst die Voraussetzung dafür, dass sich der Truck hier verkaufen lässt: Sie ist das Standardmaximum für einen Sattelzug in weiten Teilen der EU, sodass ein darauf homologierter Semi ohne Ausnahmegenehmigung in bestehende Speditionsverträge passt.

Das Laden ist eine bewusste europäische Entscheidung

800 kW sind weniger als die 1,2 MW des amerikanischen Trucks, und es ist trotzdem die nützlichere Zahl – wegen dem, woran der Truck damit hängt. Der europäische Semi lädt über MCS, das Megawatt Charging System, auf das sich europäische Betreiber und Ladepunktanbieter als Standard einigen, während der nordamerikanische Truck Teslas eigenen Megawatt-Stecker nutzt.

Das bedeutet: Ein europäischer Semi kann den Megawatt-Lader eines anderen Anbieters nutzen, und der Truck eines anderen Herstellers kann an Teslas Lader. Solange Megawatt-Laden für Lkw kaum existiert, ist ein offener Standard mehr wert als eine proprietäre Spitzenleistung – ein Flottenkäufer soll einem Netz vertrauen, das mehrere Unternehmen aufbauen, nicht nur eines. Für Fahrerinnen und Fahrer zählt vor allem die Zahl 30 Minuten: rund 60 % der Reichweite innerhalb der vorgeschriebenen 45-minütigen Pause.

Was weiterhin fehlt

Kein europäischer Preis, kein Verkaufsstart und kein homologierter Reichweitenwert – 550 km ist eine Herstellerangabe, kein Ergebnis einer Typgenehmigung für schwere Nutzfahrzeuge. Tesla hat auch nicht gesagt, ob europäische Trucks aus Nevada importiert oder irgendwann näher an ihrem Markt gebaut werden.

Gegenüber der Konkurrenz ist die Schlagzeile respektabel, aber nicht überlegen: Mercedes-Benz hat den eActros 600 mit 500 km Reichweite bereits hier im Einsatz, und Volvo, MAN, Scania, DAF und Renault haben allesamt elektrische Sattelzugmaschinen auf europäischen Straßen. Und Einrides Bestellung über 500 Trucks – aufgegeben von einem europäischen Unternehmen, ohne dass ein einziger Truck für Europa bestimmt wäre – bleibt der klarste Maßstab dafür, wohin Tesla heute tatsächlich liefern kann.

Die IAA Transportation läuft vom 15. bis 20. September in Hannover.