Die Beschwerden über Teslas Robotaxi-Dienst in Austin sind nicht neu. Neu ist, wer sie vorbringt.
Am 22. August veröffentlichte ein Fahrgast, dessen eigene Biografie „Tesla Ambassador, MBA, AI/ML certified” lautet, einen ausführlichen Bericht darüber, wie er ein Robotaxi für eine 2,3 Meilen lange Fahrt bestellte. Die App nannte eine Stunde und sechs Minuten. Er beobachtete, wie die Schätzung auf 16 Minuten fiel und dann wieder auf 57 stieg. Der Support teilte ihm mit, es handle sich um einen Bug, und man könne das Fahrzeug nicht umleiten. Er stieg aus und rief ein Uber.
Ein zweiter Fahrgast, der bereits vier Teslas besessen hat, dokumentiert eine ganze Serie verpasster Abholungen und von Absetzpunkten, die mehrere Blocks – in einem Fall Meilen – von seinem gewünschten Ziel entfernt lagen.
Warum Beschwerden von Loyalisten anders wiegen
Teslas Robotaxi-Dienst hat Kritiker, seit er gestartet ist. Sie ließen sich leicht abtun als Leute, die ohnehin voreingenommen waren. Bei Ambassadors geht das nicht: Sie sind genau die Gruppe, die das nächste Auto kauft, die Software öffentlich verteidigt und Tesla aus Gewohnheit im Zweifel Recht gibt. Wenn die Person, die stattdessen ein Uber ruft, „Tesla Ambassador” in ihrer Bio stehen hat, wird der Fehlschlag nicht von einem Gegner gemeldet.
Es grenzt das Problem außerdem ein. Niemand in diesen Berichten beschreibt ein Fahrzeug, das schlecht gefahren wäre. Beschrieben werden Disposition, Routenplanung, Ankunftszeitschätzung und die Wahl des Absetzpunkts – also die Flottenmanagement-Ebene rund um die Autonomie, nicht die Autonomie selbst.
Die Wartezeiten hinter den Anekdoten
Anekdoten bleiben Anekdoten. Darunter liegen jedoch gemessene Daten: Ein Reuters-Reporter in Austin hat im April drei Wochen lang achtmal täglich die Wartezeiten der Robotaxis erhoben.
| Beobachtung | Anteil der Messungen |
|---|---|
| Wartezeit über 15 Minuten | etwa die Hälfte |
| Wartezeit von 25 Minuten oder mehr | mehr als ein Viertel |
| Überhaupt keine Fahrzeuge verfügbar | 27% |
Austin ist Teslas ältester und dichtester Robotaxi-Markt. Das sind die Zahlen aus der Stadt, in der der Dienst am besten funktionieren sollte.
Der Zeitpunkt
Tesla startet das Cybercab am 3. September in Austin – ein Event, das das Unternehmen bestätigt hat und live übertragen wird. Nevada hat soeben Teslas Robotaxi-Obergrenze von zehn Fahrzeugen auf 5.000 angehoben. Das Unternehmen skaliert unter der Annahme, dass der Dienst funktioniert.
Im vergangenen Monat zeichnet sich ein bemerkenswertes Muster ab. Im Juli nannte Tesla den Betrieb in Austin tadellos; vier Wochen später fuhr ein fahrerloser Tesla durch eine Reihe von Pollern. Nun nennt die Ankunftszeitschätzung eine Stunde für eine 2,3 Meilen lange Fahrt, und der Support kann sie nicht übersteuern.
Was das für Europa bedeutet
Nichts davon ist ein regulatorisches Ereignis, und nichts davon betrifft heute einen europäischen Tesla – FSD Supervised wartet weiterhin auf die Zulassung, und Robotaxi wird in keinem europäischen Markt angeboten.
Relevant ist es trotzdem, denn Europas Regulierungsbehörden werden ein System bewerten, keine Demo. Die Zulassungsfragen in der EU drehten sich bislang darum, ob das Fahrzeug sicher fährt. Diese Beschwerden verweisen auf etwas, das eine Typgenehmigungsakte nicht abdeckt und ein Fahrgast sofort bemerkt: ob der Dienst rund um das Fahrzeug gut genug ist, um ihn zu nutzen. Eine Flotte, die nicht zuverlässig sagen kann, wann sie eintrifft, oder Sie nicht dort absetzt, wo Sie es wollten, hat ein Problem, das keine noch so hohe FSD-Versionsnummer löst.