Tesla lässt Cybercabs seit Monaten auf öffentlichen Straßen fahren. Neu ist die Hardware auf dem Dach: Ein goldenes Cybercab mit integrierter Starlink-Antenne wurde in Houston, Texas, während der Fahrt gefilmt — die erste öffentliche Sichtung des satellitengestützten Fahrzeugs im Straßentest statt geparkt auf einem Werksgelände.
Die Vorstellung erfolgte rund eine Woche zuvor, als Tesla Bilder dessen veröffentlichte, was das Unternehmen als erstes Cybercab mit Starlink-Integration bezeichnete — ein flach bauendes Terminal, eingelassen in einen quadratischen Ausschnitt im Dach, auf einem goldenen Fahrzeug in der Gigafactory Texas. TeslAnt hat die zugrunde liegende Entscheidung bereits im Juli behandelt, als Tesla erstmals bestätigte, dass das Cybercab ein fest verbautes Starlink-Terminal erhalten würde.
Was die Hardware kann
Bei der Einheit handelt es sich um das Starlink-V5-Terminal, jene Generation, die Tesla Ende Juli bestätigt hat. Die veröffentlichten Spezifikationen nennen Download-Geschwindigkeiten von über 375 Mbps, ein Gehäuse, das 35 % kleiner und bei 1,1 kg 62 % leichter ist als das V4, eine etwa halbierte Leistungsaufnahme sowie eine Windfestigkeit bis 265 km/h. Erst diese Werte machen eine Dachintegration überhaupt plausibel — eine Antenne in V4-Größe wäre auf einem Zweisitzer ein Design- und Effizienzproblem gewesen.
Zwei genannte Zwecke — und einer wiegt schwerer
Elon Musk hat die Fahrgastperspektive in den Vordergrund gestellt: Passagiere, die während einer autonomen Fahrt Live-Sport, Filme oder Spiele in 4K schauen oder arbeiten. Das ist die Version für die Endkundschaft.
Der betriebliche Grund ist der interessantere. KI-Chef Ashok Elluswamy hat Starlink als Voraussetzung für eine ständige Verbindung zwischen Tesla und der Cybercab-Flotte beschrieben, damit Fahrgäste bei einer Panne, einem Unfall oder einem anderen Notfall Unterstützung erhalten. Ein fahrerloses Auto ohne Lenkrad hat keinen menschlichen Rückfallanker auf dem Sitz; die Verbindung ist der Rückfallanker. So gelesen ist Starlink weniger ein Unterhaltungsfeature als eine Bedingung dafür, den Dienst überhaupt zu betreiben.
Eine Präzisierung ist angebracht, was es nicht ist: Das Cybercab fährt mit seinem bordeigenen AI4-Computer und benötigt zum Fahren keine Internetverbindung. Starlink dient der Redundanz und dem Service, nicht der Autonomie.
Über das Cybercab hinaus
Tesla hat angedeutet, dass das Cybercab das erste von vielen Fahrzeugen ist, die die SpaceX-Verbindung nutzen, mit einer Ausweitung auf die gesamte Modellpalette. Musk hat unabhängig davon dasselbe angedeutet. Festgelegt ist nichts — kein Modell, kein Markt, kein Datum — Starlink für die gesamte Palette sollte man also eher als Richtung denn als Fahrplan verstehen.
Die Produktion läuft in der Gigafactory Texas an, öffentliche Cybercab-Fahrten werden bis Jahresende erwartet. Der Robotaxi-Dienst ist derzeit in Austin, Houston, Dallas und Miami unterwegs, weshalb eine Sichtung in Houston vom Ort her nicht überrascht und nur wegen dessen bemerkenswert ist, was auf dem Dach saß.
Was das für europäische Besitzer bedeuten würde
Vorerst nichts, und das sollte man klar sagen: Es gibt kein angekündigtes europäisches Cybercab und keine angekündigte Starlink-Option für Fahrzeuge, die bereits auf europäischen Straßen unterwegs sind.
Der Grund, die Sache dennoch zu verfolgen: In Europa treffen Mobilfunklöcher genau jene Funktionen am härtesten, die Tesla-Fahrer tatsächlich nutzen — Neuberechnung der Navigation, Live-Auslastung der Supercharger, Streaming — auf Alpenpässen, nordischen Fernstraßen und den langen leeren Abschnitten der Iberischen Halbinsel. Eine Satellitenverbindung, die Tesla in ein Seriendach für ein zweisitziges Robotaxi integrieren kann, ist eine Verbindung, die sich auch anderswo unterbringen ließe. Sollte sie die breitere Modellpalette erreichen, ist das europäische Argument dafür stärker als das amerikanische.