Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt hat dem chinesischen Spezialisten für autonomes Fahren Momenta eine deutschlandweite Genehmigung für Level-4-Testfahrten im städtischen Straßenverkehr erteilt. Die am 29. Juli 2026 bekannt gegebene Freigabe räumt die entscheidende regulatorische Hürde aus einem Münchner Robotaxi-Projekt, das seit einem Jahr angekündigt wird — und es ist eine Genehmigung, die derzeit kein Autohersteller besitzt, der in Deutschland Level-2-Systeme verkauft.

Was die Genehmigung erlaubt und was nicht

Die Freigabe des Kraftfahrt-Bundesamts umfasst Level-4-Tests im Stadtverkehr in ganz Deutschland. Level 4 bedeutet, dass das System die gesamte Fahraufgabe innerhalb seiner Betriebsdomäne ohne menschliche Überwachung übernimmt — ein kategorialer Schritt über die Level-2-Fahrerassistenz hinaus, auf der Teslas FSD (Supervised) und jedes vergleichbare in Europa verkaufte System heute arbeiten.

Entscheidend ist das Wort Testbetrieb. Es handelt sich um die Erlaubnis für Versuchsfahrten, nicht um die Freigabe eines kommerziellen fahrerlosen Dienstes. Momenta selbst benennt diese Lücke: Die regulatorische Hürde ist gefallen, doch bis zum ersten zahlenden Fahrgast ist es noch ein Stück Weg.

Aspekt Status
Genehmigende Behörde Kraftfahrt-Bundesamt (KBA)
Umfang Level-4-Testfahrten, städtische Straßen, ganz Deutschland
Bekannt gegeben 29. Juli 2026
Kommerzieller Betrieb Nicht genehmigt
Startstadt München, mit Uber

Warum „deutschlandweit” das entscheidende Wort ist

Bislang bedeutete autonomes Testen in Deutschland vor allem, Genehmigungen Stadt für Stadt zu verhandeln — ein Verfahren, das jeden neuen Standort zu einem eigenen Verwaltungsprojekt macht. Eine einzige bundesweite Genehmigung erledigt das auf einen Schlag. Momenta kann die Versuche auf weitere deutsche Städte ausdehnen, ohne das Zulassungsverfahren jedes Mal neu zu starten, und die Standards der Sicherheitsvalidierung sind direkt am EU-Regelwerk ausgerichtet statt an einem Flickenteppich lokaler Anforderungen.

Es ist zudem eine Premiere: Nach Angaben von Momenta und Berichten chinesischer Staatsmedien besaß bislang kein anderes chinesisches Unternehmen eine deutschlandweite Genehmigung für Level-4-Tests im Stadtverkehr. Die Fahrzeuge werden mit Uber unterwegs sein, das statt eines eigenen Software-Stacks ein Portfolio an Autonomie-Partnerschaften aufbaut; München ist der Ausgangspunkt für die Tests im Jahr 2026.

Der Vergleich, den Tesla-Besitzer ziehen werden

Tesla hat 2026 FSD (Supervised) in Europa ausgeweitet und Sicherheitsdaten veröffentlicht, um den eigenen Standpunkt zu stützen — zuletzt mit der Angabe, dass FSD in Europa über 65 Millionen Kilometer 5,2-mal sicherer war als manuelles Fahren. Doch alles, was Tesla heute in Europa betreibt, ist Level 2: Die rechtliche Verantwortung bleibt beim Fahrer mit Führerschein, Hände und Aufmerksamkeit inklusive.

Der Abstand zwischen diesem Stand und dem, was Momenta nun testen darf, ist kein Software-Update, sondern eine Verlagerung der Haftung. Auf Level 4 trägt der Hersteller oder Betreiber die Verantwortung für die Fahraufgabe. Deshalb dauert das Genehmigungsverfahren so lange, und deshalb ist eine bundesweite Genehmigung auf Typebene eine andere Leistung als eine gute Unfallstatistik.

Teslas Vorgehen in Europa besteht darin, Freigaben für überwachte Systeme zu beantragen und die Behörden gleichzeitig zu höherer Automatisierung zu drängen; das Robotaxi-Netz bleibt bislang auf amerikanische Städte beschränkt. Dass Momenta zuerst bei deutschlandweiten Level-4-Tests angekommen ist, erinnert daran: Der Engpass der Autonomie war in Europa nie die Vorführung — es ist die Bürokratie, und die belohnt denjenigen, der sich ihr am frühesten stellt.

Was als Nächstes zu beobachten ist

Die aussagekräftigen Meilensteine sind von hier an eng gefasst und überprüfbar: ob der Testbetrieb in München 2026 tatsächlich beginnt, ob die KBA-Genehmigung den Kontakt mit echtem Stadtverkehr ohne Einschränkungen übersteht und ob Deutschland von der Genehmigung von Tests zur Genehmigung eines bezahlten Dienstes übergeht. Bis zu diesem letzten Schritt ist das eine Lizenz zum öffentlichen Lernen, kein Robotaxi-Start.