Tesla hat die WLTP-Reichweite des Einstiegs-Model 3 mit Heckantrieb von 534 auf 572 Kilometer angehoben. Dahinter stecken weder eine neue Batterie noch ein neuer Motor oder ein Software-Release. Das Fahrzeug gewinnt 38 Kilometer, weil es die Reifen gewechselt hat.
Serienmäßig montiert ist nun ein Giti-Reifen, der wegen seines niedrigen Rollwiderstands ausgewählt wurde, und die Wirkung auf den offiziellen Wert reicht aus, um das Datenblatt neu zu sortieren. Der Normverbrauch sinkt auf rund 12,1 kWh pro 100 km — Schmidt's Blog nennt 12,1, während Automobile Propre und Vaielettrico beide 12,2 angeben. So oder so sind das etwa 8,2 km pro kWh — ein Bereich, in dem sich das Basis-Model 3 bislang nicht bewegt hat. Die Zeit von 0 auf 100 km/h bleibt unverändert bei 6,2 Sekunden.
Der Haken ist das Rad
Der Zuwachs hängt am serienmäßigen 18-Zoll-Rad und seiner Aero-Abdeckung. Wer ein größeres Rad bestellt, verliert einen Teil des Rollwiderstandsvorteils gleich mit — die Angabe von 572 km beschreibt also genau eine Konfiguration des Fahrzeugs: die günstigste.
Das gehört deutlich gesagt, denn der übliche Weg beim Konfigurieren führt in die andere Richtung. Wer aus optischen Gründen 19- oder 20-Zoll-Räder wählt, gibt jetzt dokumentierte 38 km offizieller Reichweite auf statt des kleineren Abschlags, den der bisherige Reifen nahelegte.
Warum ein Reifenwechsel den Wert so stark verschiebt
Der Rollwiderstand ist eine der beiden Kräfte, gegen die ein Fahrzeug bei konstanter Geschwindigkeit arbeitet, und er dominiert bei den moderaten Tempi, in denen der WLTP-Zyklus den größten Teil seiner Zeit verbringt. Auf Autobahnniveau dominiert die Aerodynamik, darunter der Rollwiderstand. Eine auf Letzteren optimierte Reifenmischung samt Profil kann ein WLTP-Ergebnis um mehrere Prozent verschieben, ohne dass sonst irgendetwas am Fahrzeug angefasst wird.
Für Tesla ist das ein vertrauter Hebel: Aero-Abdeckungen, Reifenspezifikation und Thermomanagement wurden schon früher genutzt, um offizielle Werte zu bewegen. Ungewöhnlich ist die Größe des Schritts — 7 % mehr Reichweite durch ein Verschleißteil.
Was das für europäische Käufer bedeutet
Wer in Europa quer vergleicht, findet beim Basis-Model 3 nun eine Reichweitenangabe, für die zuvor der Wechsel in eine höhere Variante nötig war. Der Listenpreis ist nicht mitgewandert: Automobile Propre nennt 36.990 € in Frankreich vor Förderung, Vaielettrico 37.976 € in Italien.
Zwei Einschränkungen gehören auf dieselbe Seite. Erstens ist WLTP ein Laborzyklus, und ein dort gemessener, reifenbedingter Zuwachs fällt im realen Fahrbetrieb kleiner aus, konzentriert auf Stadt- und Landstraßenverkehr statt auf die Autobahn. Zweitens folgt der Wert dem Reifen, nicht dem Emblem: Wer am Ende der Reifenlebensdauer Ersatzgummi ohne passende Originalspezifikation montiert, gibt die 38 km wieder ab. Das ist ein Kostenfaktor im Betrieb, dem Besitzer dieses Fahrzeugs in drei oder vier Jahren begegnen werden — und aus dem Konfigurator geht er nicht hervor.
Das neue Interieur des Model Y ist nicht neu
Parallel zur Änderung beim Model 3 berichtet Automobile Propre von einem Innenraum in Zen Grey, der als Option für 1.200 € beim Model Y Premium einzieht, das bisherige Weiß ersetzt und Sitze, Mittelkonsole, Türen sowie Armaturenbrettverkleidung umfasst.
Europäische Käufer sehen ihn zum ersten Mal, doch die Farbe selbst stammt aus dem April 2026, als NotATeslaApp berichtete, dass die Gigafactory Shanghai den schwarz-weißen Innenraum bei den Model Y Premium-Ausstattungen eingestellt und für Exportmärkte wie Australien, Neuseeland, Südkorea und Japan durch Zen Grey ersetzt hatte. Es ist eine Entscheidung aus Shanghai, die Europa mit Verzögerung erreicht, keine neue Designrichtung.