Tesla führt Gartners Digital Automaker Index das vierte Jahr in Folge an und erreicht in der Ausgabe 2026 der Beratungsgesellschaft 79,3 %. Der Index bewertet Autohersteller danach, wie gut sie aufgestellt sind, um softwaredefinierte Fahrzeuge zu bauen und damit Geld zu verdienen — und in diesem Jahr heißt es, der Abstand zwischen den Spitzenreitern und den etablierten europäischen Herstellern sei größer geworden.
Das Ranking
| Platz | Hersteller |
|---|---|
| 1 | Tesla |
| 2 | Nio |
| 3 | Xiaomi |
| 4 | XPeng |
| 5 | Li Auto |
| 6 | Rivian |
| 11 | Mercedes-Benz |
| 14 | BMW |
| 16 | Volkswagen |
| 24 | Jaguar Land Rover (Letzter) |
Der Index vergleicht 24 Autohersteller, und die Top sechs sind gegenüber 2025 unverändert: Tesla, vier chinesische Marken und Rivian. Kein traditioneller Autohersteller schaffte es in die Top drei, und der beste von ihnen — Mercedes-Benz — liegt auf Platz elf. Gartner fasst Renault, Mazda und den letztplatzierten Jaguar Land Rover als jene Hersteller zusammen, die sich mit Fortschritten am schwersten tun.
Die Regionaldurchschnitte sind die eigentliche Geschichte
Die einzelnen Platzierungen schmeicheln den Etablierten. Die Durchschnittswerte tun das nicht.
| Region | Durchschnittlicher Digital-Score |
|---|---|
| China | 53% |
| United States | 50% |
| Europe | 33% |
| Japan | 26% |
Europas Autohersteller erreichen im Schnitt ein Drittel der erreichbaren Punktzahl — das schlechteste Ergebnis der Region seit dem Start des Index — gegenüber Teslas 79,3 %. Gartner nennt die zögerliche Einführung von KI als Grund dafür, dass BMW, Volkswagen und Nissan in diesem Jahr allesamt weiter hinter ihre amerikanischen und chinesischen Konkurrenten zurückgefallen sind.
Gartner hat die Methodik in diesem Jahr verschärft, eine KI-Kategorie ergänzt und Ja/Nein-Fragen durch strengere Schwellenwerte dafür ersetzt, ob eine Technologie tatsächlich im großen Maßstab ausgerollt und nicht bloß angekündigt wurde. Diese Neugewichtung ist ein Teil des Grundes, warum die Etablierten abrutschten: Eine Funktion vorzuführen und sie flottenweit auszuliefern werden nun unterschiedlich bewertet.
Pedro Pacheco, VP Research bei Gartner, benannte die Ursache unumwunden — vielen Herstellern fehle die ausreichende Vorbereitung auf den Umgang mit KI.
Wofür Tesla tatsächlich bewertet wird
Nicht für Fahrzeuge. Der Index misst die Maschinerie dahinter: zentralisierte Fahrzeugarchitektur, OTA-Update-Fähigkeit, Konnektivität, eigenentwickelte Software und die Fähigkeit, für all das nach dem Verkauf des Autos Geld zu verlangen.
Gartner hebt einen konkreten Vorteil hervor, den Tesla und XPeng teilen: Beide entwickeln ihre ADAS-Foundation-Models im eigenen Haus. Das Argument lautet, dass sich diese Fähigkeit übertragen lässt — ein Unternehmen, das eigene Fahrmodelle trainieren und ausrollen kann, kann dieselbe Infrastruktur auf andere Funktionen anwenden, während ein Unternehmen, das seinen Stack lizenziert, das nicht kann.
Das ist der Mechanismus hinter allem, was Tesla-Besitzer längst als normal erleben. FSD im Abo zu kaufen, Funktionen über ein Firmware-Release statt über ein neues Modelljahr zu erhalten, Streaming-Dienste im Auto auftauchen zu sehen — all das sind Folgen jener Architektur, die der Index belohnt.
Was das für Europa bedeutet
Ein hoher Score sagt ein Auto voraus, das während der Besitzdauer an Fähigkeiten gewinnt; ein niedriger ein Fahrzeug, das im Auslieferungszustand verharrt. Nach Gartners Zahlen wird eine europäische Marke mit durchschnittlich 33 % Ihnen eher ein Auto übergeben, dessen Funktionsumfang ab Werk feststeht — was über eine lange Besitzdauer am meisten zählt und überhaupt nicht, wenn Sie alle drei Jahre das Auto wechseln.
In einer Hinsicht sollten Sie den Index allerdings mit Distanz betrachten. Gartner misst die Bereitschaft, Software zu monetarisieren, und das ist ein Interesse des Anbieters, nicht automatisch das des Käufers. Bei der Fähigkeit gut abzuschneiden, später für Funktionen Geld zu verlangen, heißt eben auch, bei Sitzheizung hinter einer Bezahlschranke gut abzuschneiden. Teslas erster Platz besagt, dass das Unternehmen am besten aufgestellt ist, Ihnen nach dem Autokauf Software zu verkaufen; ob das eine gute Nachricht ist, hängt davon ab, was es dafür verlangt.
Was der Index sehr wohl belegt: Es ist längst nicht mehr Tesla gegen die Branche. Es ist Tesla und die chinesischen Neueinsteiger gegen alle anderen — und Europa gehört nach diesen Zahlen zur zweiten Gruppe.