BYD hat nach eigenen Angaben den 10.000sten Flash Charger installiert; die Jubiläumsstation ging in Shenzhen in Betrieb. Das ist die Hälfte der 20.000 Ladepunkte, die das Unternehmen bis Ende 2026 in China errichten will – und, für europäische Fahrer noch wichtiger, dieselbe Hardware geht inzwischen auch in Großbritannien in den Boden.

Die Hardware

Flash Charging ist BYDs System der Megawatt-Klasse, das im März 2026 in seiner zweiten Generation vorgestellt wurde. Die Stationen sind T-förmig, tragen jeweils zwei Kabel und sind für bis zu 1.500 kW über einen einzelnen Stecker ausgelegt. In Kombination mit einem kompatiblen Fahrzeug mit Blade Battery verspricht BYD einen Ladestand von 10 % auf 97 % in rund neun Minuten.

Bemerkenswert ist vor allem das Ausbautempo. Ende Februar 2026 standen 4.239 Einheiten, am 28. August waren es 10.000. Bis Dezember auf 20.000 zu kommen bedeutet in den verbleibenden vier Monaten rund 80 neue Stationen pro Tag – selbst für BYDs Verhältnisse ein ehrgeiziges Ziel, auf das sich das Unternehmen öffentlich festgelegt hat. Der Ausbau stützt sich auf Partner statt auf BYD-eigene Flächen: Sinopec, PetroChina, CNOOC, Teld und JD.com werden ausdrücklich genannt.

Kein geschlossener Garten

Was die Sache relevant und nicht bloß groß macht, ist die Offenheit des Netzes für andere Marken. BYD zufolge entfällt etwa jeder dritte Ladevorgang auf ein Fahrzeug einer Fremdmarke; die tatsächliche Ladeleistung richtet sich danach, was das Auto aufnehmen kann, nicht nach dem Markenlogo.

Das ist derselbe strategische Schritt, den Tesla mit der Öffnung des Supercharger-Netzes vollzogen hat, nur aus der entgegengesetzten Richtung – Tesla öffnete einen bestehenden Vorteil, BYD baut einen offenen von Grund auf.

Was das für Europa bedeutet

Großbritannien kommt zuerst. BYD-Vizepräsidentin Stella Li hat angekündigt, dass dort bis Ende 2026 200 bis 300 Flash Charger installiert werden – rund 300 Stationen mit bis zu 600 Ladepunkten, und Tausende weitere sind für Europa geplant. Bei der Standortwahl stehen BYD- und Denza-Händler, Autobahnraststätten und bestehende Ladeparks im Vordergrund. Die ersten britischen Einheiten stehen bereits. In Deutschland war eine Station kurzzeitig auf einer internen Veranstaltung zu sehen und wurde dann wieder abgebaut; der Zeitplan für das Festland ist somit weiterhin offen.

Für europäische Tesla-Fahrer liegt der kurzfristige Nutzen nicht in der Spitzenleistung. Kein Tesla kann 1.500 kW aufnehmen – Model 3, Model Y, Model S und Model X sind bei 250 kW gedeckelt, der Cybertruck an V4-Stellplätzen bei 325 kW –, sodass ein Model Y am Flash Charger einen ganz normalen Schnellladevorgang erhält und keinen Neun-Minuten-Ladestopp.

Spitzenleistung
BYD Flash Charger 1.500 kW
Tesla V4-Säule (Hardware) 500 kW
Cybertruck an V4 325 kW
Model 3, Y, S, X 250 kW

Der Nutzen liegt im Wettbewerb. Wenn ein zweiter Autohersteller ein offenes Hochleistungsnetz an britischen Autobahnen aufbaut, verändert das die Preis- und Verfügbarkeitslage rund um das Supercharger-Netz – und es setzt eine Hardware-Obergrenze, von der Teslas 250-kW-Fahrzeuge inzwischen weit entfernt sind. Bei dem, was über Langstreckenfahrten tatsächlich entscheidet, bleiben die Supercharger vorn: Abdeckung, Zuverlässigkeit und die Zahl der bereits gebauten Ladepunkte – 300 britische Stationen gefährden das 2026 nicht.

Der Vorbehalt

Zwei Zahlen sind hier Angaben aus dem chinesischen Markt: Sowohl der Neun-Minuten-Ladevorgang als auch die Spitze von 1.500 kW setzen BYD-eigene Fahrzeuge und BYD-eigene Netzanschlüsse voraus. Britische Standorte werden durch die dortige Netzkapazität begrenzt, und eine unabhängige europäische Messung eines Flash Chargers gibt es bislang nicht. Die Zahl der installierten Stationen ist BYDs eigene, ungeprüfte Angabe.