Seit 2019 ist jeder Tesla-Sitz mit dem überzogen, was das Unternehmen veganes Leder nennt – einer synthetischen Haut, die wie Tierleder aussieht und sich auch so anfühlt, in Wahrheit aber Kunststoff ist: höchstwahrscheinlich eine Mischung aus Polyurethan und PVC auf einer Basis aus Schaumstoff und Gewebe (Electrek). Dieser Unterschied ist entscheidend. Echtes Leder steckt eine fettige Hand locker weg und saugt Pflegemittel auf; Kunstleder tut weder das eine noch das andere. Behandeln Sie es wie das echte Vorbild – mit Cremes, Ölen oder einem aggressiven Reiniger –, können Sie es dauerhaft ruinieren. Dieser Ratgeber, der auf dem Wissen des tschechischen Aufbereiters Alex von vLesku beruht, hält Ihre Sitze sauber, ohne dabei mehr zu schaden als zu nutzen.
Was Sie brauchen
- Einen sanften Innenraumreiniger für das regelmäßige Abwischen
- Einen speziellen milden Lederreiniger für gelegentliche Grundreinigungen – niemals einen scharfen, „gesalzenen” Allzweckreiniger
- Zwei Mikrofasertücher
- Einen weichen Aufbereitungsschwamm oder eine Bürste mit weichen Borsten
- Einen Staubsauger mit Fugendüse
- Nitrilhandschuhe (optional, um die Chemikalien von den Händen fernzuhalten)
- Optional: eine Oberflächenversiegelung oder Keramikbeschichtung für Kunstleder – niemals ein öl- oder cremebasiertes Pflegemittel
Teslas eigener Rat ist noch schlichter: warmes Wasser und etwas milde Seife. Für ein kurzes Abwischen genügt das, doch gegen den fettigen Film, den Handcreme und Sonnencreme hinterlassen, kommt es kaum an – und genau hier spielt ein spezieller Reiniger seine Stärke aus.
Schritte
- Zuerst absaugen. Schmutzkörner, die sich in Nähten und Perforationen festsetzen, wirken wie Schmirgel; wischt man sie umher, zerkratzen sie die Oberfläche. Entfernen Sie sie, bevor irgendeine Flüssigkeit den Sitz berührt.
- Regelmäßig abwischen. Feuchten Sie alle ein bis zwei Wochen ein Tuch oder einen Schwamm mit dem sanften Reiniger an und gehen Sie über den Sitz – arbeiten Sie in kleinen Abschnitten und ziehen Sie jeden Wischzug in einer Richtung durch. Sprühen Sie den Reiniger niemals direkt auf perforierte (belüftete) Sitze; die Flüssigkeit kann in die Polsterung eindringen.
- Zwei- bis dreimal im Jahr grundreinigen. Tragen Sie den milden Lederreiniger mit einem leicht feuchten Schwamm in sanften kreisenden Bewegungen auf und spülen Sie den Schwamm häufig aus. Ein praktischer Hinweis: Verschmutztes Kunstleder wirkt glänzend, sauberes Leder dagegen matt – arbeiten Sie also, bis der Glanz verschwunden ist.
- Den Bildschirm schützen. Decken Sie bei Model S und X das zentrale Display ab, damit kein Reiniger daran gelangt, und schrubben Sie den Touchscreen niemals – er zerkratzt leicht. Bei Model 3 und Y fällt das dank der Bildschirmanordnung weniger ins Gewicht.
- Versiegeln, nicht nähren. Für zusätzlichen Schutz – bei hellen oder weißen Sitzen lohnend – reinigen Sie zunächst gründlich und tragen dann eine dünne Schicht einer Oberflächenversiegelung für Kunstleder auf. Lassen Sie sie aushärten und stellen Sie das Auto idealerweise über Nacht ab, bevor Sie sich daraufsetzen.
Tipps
- Vorbeugung ist alles. Kunstleder lässt sich nicht so reparieren wie echtes Leder. Öle aus Sonnencreme und Handcreme dringen in die Beschichtung ein und wirken wie ein Weichmacher, und Hitze und UV-Strahlung beschleunigen den Schaden (Collagen and Leather) – halten Sie also fettige Haut von den Sitzen fern.
- Verzichten Sie auf aggressive Mittel. Scharfe Allzweckreiniger lösen die schützende Deckschicht ab. Tesla warnt ausdrücklich vor aggressiven Chemikalien und Kosmetika (Bedienungsanleitung).
- Pflegen ist kein Muss. Laut Tesla sind Pflege- und Schutzmittel nicht nötig, weshalb der Versiegelungsschritt eher eine optionale Absicherung als eine Pflicht ist. Was auch immer Sie tun: Greifen Sie niemals zu Babyöl, Lederbalsam oder einer Cremepflege.
- Prüfen Sie das Etikett – und dann noch einmal. Verwenden Sie nur Produkte, die ausdrücklich als sicher für Kunstleder oder Lederimitat ausgewiesen sind und auf der Oberfläche verbleiben. Selbst das Personal im Fachhandel liegt hier falsch, prüfen Sie also anhand mehr als einer Quelle.
- Bonus: Das meiste „Leder” in modernen Autos ist mit einem ähnlichen Polyurethan-Film überzogen, sodass dieselben Regeln weit über Tesla hinaus gelten.
Was das für europäische Halter bedeutet
Europas Klima verleiht dem Rat zur Vorbeugung zusätzliches Gewicht: Ein Tesla, der in einem südeuropäischen Sommer steht, lässt seine Sitze in genau jener Hitze und UV-Strahlung schmoren, die den Ölschaden beschleunigen – Rückstände von Sonnen- und Handcreme fallen also stärker ins Gewicht, als es die sanfte Routine vermuten lässt. Beruhigend ist, dass die Abhilfe günstig und auf dem gesamten Kontinent identisch ausfällt: Dasselbe wöchentliche Abwischen schützt jedes Model 3, Y, S oder X für den europäischen Markt.