Tesla verwandelt seine deutschen Standorte in ein Trainingsgelände für Optimus, den humanoiden Roboter, den Elon Musk wiederholt als das wichtigste langfristige Produkt des Unternehmens bezeichnet hat. Einem Bericht von electrive zufolge plant der Autobauer aufzuzeichnen, wie sich die Beschäftigten in seinem Fahrzeugwerk in Grünheide bei Berlin während der Montagearbeit bewegen, und diese Daten anschließend in Optimus einzuspeisen, damit der Roboter lernen kann, dieselben Aufgaben auszuführen.

Warum echte Werksbewegungen wichtig sind

Humanoide Roboter sind nur so gut wie die Bewegungsdaten, mit denen sie trainiert werden. Das Handhaben von Bauteilen, das Hineingreifen in eine Karosserie oder das Umgehen mit Werkzeugen an einer laufenden Linie erfordert Tausende kleiner Anpassungen, die sich nur schwer von Hand programmieren lassen. Indem Tesla erfasst, wie erfahrene Montagekräfte die Arbeit tatsächlich verrichten, kann das Unternehmen Optimus beibringen, bewährte menschliche Technik nachzuahmen, anstatt sie in einer Simulation nur annähernd nachzubilden.

Geplant ist, ausgewählte Beschäftigte während der Arbeit zu filmen und die Aufnahmen zu nutzen, um eine Bibliothek echter Fertigungsbewegungen aufzubauen. Tesla stellt das Vorhaben so dar, dass die Beschäftigten dabei helfen, den Roboter zu trainieren, der letztlich an ihrer Seite arbeiten wird, statt als direkter Ersatz — die Montagelinie wird zugleich zur Fabrik und zur Datenerhebungsumgebung.

Grünheide plus Reutlingen

Grünheide ist nur die eine Hälfte von Teslas deutschem Robotik-Fußabdruck. Das Unternehmen weitet seine Aktivitäten in Reutlingen im Süden Deutschlands aus, wo es Komponenten und Produktionsprozesse für die Fertigung von Optimus im großen Maßstab entwickelt. Diese Aufteilung — Bewegungsdaten, die im Berliner Autowerk gesammelt werden, sowie Hardware und Fertigungstechnik, die in Reutlingen vorangetrieben werden — signalisiert, dass Tesla Europa als ernstzunehmenden Bestandteil des Optimus-Programms betrachtet und nicht als reine US-Angelegenheit.

Daneben hat Tesla begonnen, in seiner Smartphone-App den Boden für Optimus zu bereiten, wo laut Teslarati erstmals neue Code-Zeichenfolgen mit Bezug zu dem Roboter aufgetaucht sind — ein frühes Anzeichen dafür, dass das Unternehmen eine verbraucherorientierte Infrastruktur rund um das Produkt vorbereitet.

Fragen zu Datenschutz und Betriebsrat

Das Filmen von Beschäftigten bei der Arbeit wirft Fragen auf, die nach deutschem Recht ernst genommen werden. Jede Aufzeichnung von Personal betrifft in der Regel den Betriebsrat und muss strenge Datenschutzvorgaben erfüllen, sodass zu erwarten ist, dass das Programm durch Vereinbarungen darüber geprägt wird, wie das Filmmaterial erfasst, gespeichert und verwendet wird. Dies ist eine ausgesprochen europäische Besonderheit in Teslas Roboterplänen: Derselbe Ansatz zur Datenerhebung würde in den Vereinigten Staaten auf ganz andere Einschränkungen stoßen.

Warum europäische Besitzer dies interessieren sollte

Vorerst hat Optimus keinen direkten Einfluss auf die Fahrzeuge in europäischen Einfahrten. Doch die Entscheidung, ihn in Grünheide zu trainieren, verknüpft die Zukunft des Roboters mit demselben Werk, das das Model Y für Europa baut, und vertieft Teslas industrielles Engagement in Deutschland zu einem Zeitpunkt, an dem das Unternehmen an diesem Standort auch stark einstellt. Sollte Optimus tatsächlich zu einem massentauglichen Produkt werden, wird ein Teil seines frühesten praxisnahen Know-hows auf einer europäischen Fabrikhalle erlernt worden sein.