Porsche hat seinen Taycan 2027 im Detail vorgestellt, und während der Aufmerksamkeitsmagnet ein umstrittenes künstliches Getriebe ist, liegen die folgenreicheren Änderungen unter der Haut: eine größere Standardbatterie, schnelleres Laden und — in Nordamerika — ein Wechsel zum von Tesla stammenden NACS-Ladeanschluss. Für ein Premium-Elektroauto, das direkt mit dem Model S konkurriert, ist dies eine bedeutende Modellpflege zur Lebensmitte.
Eine größere Batterie wird zum Standard
Die praktischste Änderung ist, dass die 105-kWh-Batterie „Performance Battery Plus” nun in der gesamten Baureihe des Taycan 2027 Standard ist und kein kostenpflichtiges Upgrade mehr. Im europäischen WLTP-Zyklus steigert das die Reichweite laut europäischen Medien, die über den Marktstart berichten, auf bis zu 700 km in den effizientesten Varianten. In Verbindung mit der 800-Volt-Architektur des Taycan nimmt der Akku an einer kompatiblen Gleichstrom-Schnellladesäule bis zu 320 kW auf, womit Porsche bei der Ladegeschwindigkeit nahe an der Spitze des Feldes bleibt.
NACS kommt — aber nur in Nordamerika
Das für die größere Tesla-Geschichte relevanteste Detail ist der Stecker. In Nordamerika ist der beifahrerseitige Gleichstrom-Schnellladeanschluss des Taycan 2027 nun von Haus aus NACS — der Standard, den Tesla dem Rest der Branche geöffnet hat — wobei ein CCS-Adapter mitgeliefert wird und der Wechselstromanschluss als J1772 erhalten bleibt. Porsche nennt eine Ausnahme: Der Taycan Turbo GT mit dem Weissach Package behält den bisherigen Anschluss. Die Änderung verschafft Taycan-Fahrern in den USA und Kanada nativen Zugang zum Supercharger-Netz von Tesla — ein weiteres Zeichen dafür, wie gründlich NACS in diesem Markt CCS verdrängt hat.
Für europäische Käufer sieht die Steckergeschichte anders aus. Der Kontinent hat sich auf CCS2 geeinigt, und Tesla hat einen Großteil seines europäischen Supercharger-Netzes bereits für andere Marken geöffnet — Volvo-Fahrer erhielten dieses Jahr Zugang —, sodass der Taycan auf dieser Seite des Atlantiks seinen bestehenden Anschluss behält. Der Wechsel zu NACS ist eine nordamerikanische Änderung, keine europäische.
Die künstlichen Gänge, über die alle reden
Die umstrittenste Neuerung ist „E-Shift”, ein System, das ein manuelles Achtganggetriebe simuliert, samt Schaltwippen am GT-Sport-Lenkrad und einem künstlichen Ruck zwischen den „Gängen”. Es ist rein synthetisch — in einem Taycan gibt es keinen zweiten Satz Gänge — und Porsche verlangt dafür als Option einen Aufpreis. Die Reaktionen spalten sich zwischen Fahrern, die sich mehr Fahrbeteiligung von einem Elektroauto wünschen, und jenen, die darin zusätzliche Kosten sehen, um etwas nachzuahmen, das Elektroautos bewusst hinter sich gelassen haben.
Warum das für europäische Halter wichtig ist
Der Taycan bewegt sich im selben Premiumsegment wie Teslas Model S, weshalb seine Modellpflege für 2027 ein nützlicher Maßstab dafür ist, wohin sich der hochwertige Elektroautomarkt entwickelt. Eine 105-kWh-Batterie und 320-kW-Laden zur Basis zu machen, hebt die Messlatte, an der Teslas in die Jahre gekommenes Flaggschiff in Europa gemessen wird — auch wenn die Aufteilung zwischen NACS und CCS2 die Frage des Ladeanschlusses vorerst weitgehend zu einer amerikanischen macht. Das simulierte Getriebe wiederum ist eine Erinnerung daran, dass die Marken, während sich die Leistung von Elektroautos angleicht, zunehmend über Gefühl und Inszenierung konkurrieren statt über nackte Zahlen.