Die europäische Ladehardware klettert weiter die Leistungskurve hinauf. Alpitronic, das Südtiroler Unternehmen, dessen Hypercharger an tausenden europäischen Standorten stehen, hat seinem HYC1000-System einen neuen Hochleistungs-Zapfpunkt hinzugefügt, der über ein einziges CCS-Kabel bis zu 1 000 kW liefern kann – weit über das hinaus, was irgendein Elektroauto auf der Straße heute tatsächlich aufnehmen kann.

Was sich geändert hat

Den HYC1000 gab es bereits als Megawatt-Klasse-Plattform von Alpitronic. Die Neuigkeit ist ein neuer flüssigkeitsgekühlter CCS-Zapfpunkt, der die Leistung eines einzelnen Steckers auf über 1 000 A und bis zu 1 000 kW anhebt. Bislang war beim HYC1000 über CCS bei 600 kW Schluss. Das ist nahezu eine Verdopplung der an einem Kabel verfügbaren Leistung.

Zum Vergleich: Teslas V4-Supercharger sind darauf ausgelegt, in Richtung von rund 500 kW zu skalieren, und die heute schnellsten Serien-EVs ziehen ihre Spitze im Bereich von 250 bis 500 kW nur kurzzeitig. Ein 1 000-kW-CCS-Kabel zielt klar auf die Fahrzeuge der nächsten Jahre ab und nicht auf den derzeitigen Fuhrpark.

Wie das System aufgebaut ist

Der HYC1000 nutzt ein dezentrales Konzept, das die Leistungselektronik von den Kabeln trennt, die die Fahrer tatsächlich anfassen. Ein zentraler Leistungsschrank beherbergt acht Siliziumkarbid-Module zu je 125 kW, also insgesamt 1 MW, und speist bis zu acht separate Zapfpunkte. Die Leistung wird dynamisch auf diese Punkte verteilt, sodass ein Standort viele Autos gleichzeitig bedienen und die Leistung bei Bedarf auf einen einzelnen, stark nachgefragten Stecker konzentrieren kann.

Spezifikation HYC1000
Gesamtleistung Schrank 1 MW (8 × 125 kW silicon carbide-Module)
Spitze neuer CCS-Zapfpunkt bis zu 1 000 kW / über 1 000 A
Bisherige CCS-Obergrenze 600 kW
Ladepunkte pro Schrank bis zu 8, dynamisch zugeteilt
Steckeroptionen CCS, NACS, MCS (schwere Lkw)

Entscheidend ist, dass die Zapfpunkte mit CCS, einem NACS-Stecker im Tesla-Stil oder dem von Elektro-Lkw genutzten Megawatt Charging Standard (MCS) ausgestattet werden können – und genau dort ergeben vierstellige Leistungswerte unmittelbar Sinn.

Warum es in Europa zählt

Das paneuropäische Netz IONITY war der erste Betreiber, der den HYC1000 beschaffte, was signalisiert, dass Megawatt-Klasse-Hardware vom Datenblatt auf die Autobahn rückt. Für Autofahrer besteht der praktische Nutzen vorerst in Reserve und Zukunftssicherheit: ein Lader, der nicht ersetzt werden muss, wenn Fahrzeuge schnellere Ladekurven erhalten, und der seine Leistung intelligent aufteilen kann, sodass ein stark frequentierter Standort jeden Stellplatz schnell hält.

Die offensichtliche Einschränkung sind die Autos. Kein erhältliches Personen-EV kommt auch nur annähernd an 1 000 kW heran, sodass die unmittelbaren Gewinner schwere Lkw auf MCS sind sowie Betreiber, die einmal installieren und nicht umbauen wollen, bis der Fuhrpark aufholt. Es hebt auch die Wettbewerbslatte für Tesla, dessen Supercharger-Netz bei Zuverlässigkeit und Geschwindigkeit lange den Takt vorgab und nun auf Hardware von Drittanbietern trifft, die größere Zahlen ausweist.