Die schwedische Verkehrsbehörde (Transportstyrelsen) hat bestätigt, dass Teslas Full Self-Driving (Supervised) den EU-Typgenehmigungsprozess durchläuft und bereits im Sommer oder Herbst 2026 EU-weit verfügbar sein könnte. Die Anfang Mai 2026 veröffentlichte Stellungnahme ist das erste formelle Signal eines nordeuropäischen Regulierers, dass der Rollout nach den Niederlanden noch vor Jahresende EU-weit erfolgen könnte.

Was die Behörde tatsächlich gesagt hat

Die Verkehrsbehörde bezeichnete ihre Einschätzung als derzeit beste Schätzung, nicht als Zusage. Der rechtliche Weg führt über den EU-Ausschuss für die Anpassung an den technischen Fortschritt (TCMV), der die niederländische RDW-Zulassung bei einer wichtigen Sitzung Ende Juni 2026 behandeln soll. Eine positive Abstimmung würde es jedem Mitgliedstaat ermöglichen, die niederländische Typgenehmigung anzuerkennen. Sollte sich die Abstimmung in den Herbstzyklus verschieben, verschiebt sich der breitere Rollout entsprechend — die Behörde hält jedoch „Sommer oder Herbst“ weiterhin für plausibel.

Schweden bestätigte zudem, dass Tesla FSD im Rahmen einer eigenen nationalen Genehmigung auf schwedischen öffentlichen Straßen testen darf, einschließlich überwachter Stadttests in Nacka. Diese Genehmigung ist Schwedens Beitrag zum Datensatz, den der TCMV im Juni prüfen wird.

Die Vorbehalte derselben Behörde

Der interessantere Teil der schwedischen Stellungnahme ist die Liste offener Punkte, die die Behörde vor einem EU-weiten Rollout geklärt sehen möchte. Ein Ermittler der schwedischen Verkehrsbehörde schrieb Mitte April, er sei „ziemlich überrascht“ gewesen zu erfahren, dass FSD die ausgeschilderten Geschwindigkeitsbegrenzungen überschreiten dürfe, und erklärte, dieses Verhalten dürfe nach europäischem Verkehrsrecht nicht zulässig sein. Die Behörde hat die Einhaltung der Geschwindigkeitsgrenzen formell als ein Thema aufgeworfen, das möglicherweise auf TCMV-Ebene geklärt werden muss.

Die Behörde hat außerdem drei weitere Bedenken benannt:

  • Verhalten auf vereisten Straßen. Schweden, Finnland sowie Teile Deutschlands und Osteuropas haben jedes Jahr monatelang Fahrbahnen mit gemischter Griffigkeit. Die Behörde wünscht dokumentierte Nachweise darüber, wie FSD Eis, festgefahrenen Schnee und Glatteisübergänge erkennt und darauf reagiert, bevor sie eine Serienzulassung erteilt.
  • Umgehung der Handynutzung. Das System beruht auf der Überwachung der Fahreraufmerksamkeit. Die schwedischen Regulierer wollen sichergestellt wissen, dass Fahrer die Innenraumüberwachung nicht aushebeln können, um das Handy bei aktivem FSD zu benutzen.
  • Beschränkung auf Neufahrzeuge. Ein gesonderter Hinweis der Verkehrsbehörde deutete an, dass die FSD-Zulassung im schlimmsten Fall auf Fahrzeuge beschränkt sein könnte, die nach einem bestimmten Stichtag gebaut wurden, statt rückwirkend für die bestehende schwedische Flotte aktiviert zu werden. Ein solches Ergebnis wäre eine erhebliche Einschränkung für Halter, die die Funktion bereits direkt bezahlt haben.

Warum das für die EU wichtig ist

Wenn Schwedens Einschätzung zutrifft, sieht der Tesla-FSD-Zeitplan in Europa so aus:

Phase Frühestmögliches Datum Status
Niederländische Serienzulassung 10. April 2026 Erteilt (RDW)
Belgische überwachte Tests Mai 2026 Erteilt (Flandern)
TCMV-Abstimmung zur EU-weiten Zulassung Ende Juni 2026 Geplant
EU-weite Verbraucherverfügbarkeit Sommer–Herbst 2026 Abhängig vom TCMV-Ergebnis
Klärung offener Themen (Tempo/Eis) über 2026 hinweg Im Dialog

Das Frühherbst-Fenster hält nur, wenn der TCMV bereit ist, ohne vorherige Klärung der offenen Punkte abzustimmen, oder wenn Tesla einem eingeschränkten Operational Design Domain (niedrigere Geschwindigkeiten, Schönwetter-Einschränkung) für den anfänglichen EU-weiten Rollout zustimmt. Beide Ergebnisse sind plausibel — aber keines ist gesichert.

Worauf Tesla-Halter achten sollten

Für europäische Halter lautet die praktische Frage, ob man FSD jetzt erwerben oder warten soll. Die Frist 21. Mai für Einmalkäufe von FSD in ganz Europa (15. Mai in den Niederlanden) ist der unmittelbare Entscheidungspunkt: Kunden, die eine lebenslange Lizenz wünschen, haben bis zu diesen Daten Zeit, danach steht nur noch das Abonnement für 99 € pro Monat zur Verfügung.

Die schwedischen Vorbehalte fügen dieser Rechnung eine Komponente hinzu: Sollte FSD am Ende auf neuere Fahrzeuge beschränkt werden, könnten Halter älterer Autos, die die Funktion direkt erworben haben, für etwas bezahlt haben, das sie nicht aktivieren können. Tesla hat sich öffentlich nicht dazu geäußert, ob das schwedische „Nur-Neufahrzeuge“-Szenario verhandelbar ist.

Vorerst ist Schwedens Bestätigung das konkreteste EU-weite Zeitplansignal, das Tesla seit der niederländischen Zulassung im April von einem nationalen Regulierer erhalten hat. Der nächste entscheidende Moment ist die TCMV-Abstimmung Ende Juni 2026.

Update: 2026-05-18

Der Technische Ausschuss der EU für Kraftfahrzeuge (TCMV) tagte am 5. Mai 2026 in Brüssel und stimmte über die niederländische FSD-Typgenehmigung nicht ab. Der Präsentationsslot der niederländischen RDW wurde von 20 Minuten auf 60 Minuten verlängert, um eine ausführlichere Fragerunde mit den nationalen Delegationen zu ermöglichen, wie Electrek berichtet. Die nächsten TCMV-Sitzungen sind nun für Juli und Oktober 2026 angesetzt — der frühere Zeitplan „Ende Juni 2026“ gilt nicht mehr als Arbeitsannahme. Im Gespräch mit dem norwegischen Magazin Teknisk Ukeblad am 17. Mai 2026 fügte Hans Nordin von Schwedens Transportstyrelsen einen wichtigen neuen Vorbehalt hinzu: Lehnt der EU-Ausschuss FSD (überwacht) letztlich ab, wird auch die bestehende niederländische nationale Zulassung zurückgezogen. Damit wirkt die TCMV-Abstimmung in beide Richtungen statt nur erweiternd — ein Nein schließt die Niederlande ebenso wie den gesamten Staatenverbund.