Das Solar Roof von Tesla sollte die private Solarbranche neu definieren. Als Elon Musk das Produkt im Oktober 2016 vorstellte, präsentierte er es als schöne, integrierte Alternative zu hässlichen aufgeschraubten Modulen und verpflichtete sich, bis Ende 2019 wöchentlich 1.000 neue Solar Roofs zu produzieren. Fast ein Jahrzehnt später hat Tesla insgesamt rund 3.000 Solar-Roof-Systeme installiert, die Veröffentlichung der Installationszahlen eingestellt und lenkt neue Energiekunden zu konventionellen Modulen um.
Versprechen gegen Realität
Die Botschaft von 2016 lautete, das Solar Roof werde Ihr gesamtes Dach durch Glasziegel ersetzen, von denen die Hälfte aktive Photovoltaikzellen enthielt, die von den danebenliegenden Blindziegeln nicht zu unterscheiden waren. Der Preis sollte angeblich unter den Kosten eines normalen Daches zuzüglich des über die Lebensdauer erzeugten Stroms liegen. Die Realität sah ganz anders aus: Jede Welle von Installateuren berichtete von langen Verzögerungen, komplexen Einbauten und Angeboten weit über dem ursprünglichen Zielwert. Tesla hat vor mehreren Quartalen still die Solar-Roof-Installationszahlen aus seinen Quartalsmitteilungen entfernt, sodass die laufende Schätzung von Electrek mit rund 3.000 Installationen seit Markteinführung die beste verfügbare Vergleichsgröße bleibt.
| Kennzahl | Plan 2016 | Realität (Mai 2026) |
|---|---|---|
| Wöchentliches Installationsziel | 1.000/Woche (bis Ende 2019) | nicht veröffentlicht, einstellige Werte |
| Installationen seit Marktstart | n/a | ~3.000 |
| Geografische Verfügbarkeit | globaler Anspruch | nur USA |
| Preisversprechen | unter neuem Dach + Strom | meist über klassischer Photovoltaik |
Schwenk zu Solarmodulen
Das Wohnenergie-Team von Tesla verkauft inzwischen Solarmodule kombiniert mit Powerwall als Standardangebot für das gesamte Haus. Die Solar-Roof-Seite auf der Tesla-Website existiert weiterhin, doch der hauseigene Leadtrichter leitet die meisten Hauseigentümer zu einem Angebot aus Modulen plus Powerwall. Tesla hat zudem die hauseigenen Solar-Roof-Installationsteams, die 2021 und 2022 aufgebaut worden waren, abgewickelt und den Großteil der Vor-Ort-Arbeit auf zertifizierte Drittinstallateure verlagert. Das Unternehmen hat das Aus für das Solar Roof nicht förmlich angekündigt; es hat schlicht aufgehört, Ressourcen einzusetzen.
Folgen für Europa
Für europäische Tesla-Kunden sind die praktischen Auswirkungen begrenzt, da das Solar Roof außerhalb der Vereinigten Staaten nie angeboten wurde. Wo Europa Teslas Energieambitionen gespürt hat, ist im Bereich der Speicher: Powerwall 3 ist inzwischen in mehreren EU-Märkten verfügbar, und Tesla hat seine Netze zertifizierter Installateure in Deutschland, den Niederlanden, dem Vereinigten Königreich, Frankreich und Nordeuropa weiter ausgebaut. Das Signal aus dem stillen Auslaufen des Solar Roof lautet, dass der Wachstumsplan von Tesla Energy in Europa auf Powerwall und vorhandene Drittanbietermodule setzen wird, nicht auf ein Ziegelprodukt der Marke Tesla.
Was das bedeutet
Die Solar-Roof-Geschichte ist das bislang deutlichste Beispiel dafür, dass Tesla Energy zur klassischen Solarökonomik zurückkehrt. Das Konzept des integrierten Ziegels war ein Marketing-Meilenstein, doch die Stückkosten für Produktion, Versand und Einbau eines maßgefertigten Glasdachs ließen sich nie mit Massenmodulen abgleichen, deren Preise weiter gefallen sind. Tesla beherrscht weiterhin einen großen Teil des Marktes für private Energiespeicher, und Powerwall bleibt das stärkste Energieprodukt des Unternehmens. Die Rolle des Solar Roof ist heute eher ein Aushängeschild auf der Website als ein aktiver Posten in Teslas Energiegeschäft.