Teslas lange angekündigte Rückkehr zur eigenen Solarmodulfertigung hat nun eine Adresse. Laut einer Electrek-Exklusivmeldung vom 19. Mai 2026 wird Tesla seine Solarmodulfertigung im Empire West Business Park in Brookshire, Texas, errichten, etwa 35 Meilen westlich von Houston. Der Standort liegt direkt neben Teslas Megapack Megafactory, womit Zellfertigung, Modulmontage und die Produktion netzgekoppelter Speicher auf demselben Campus zusammenkommen.

Es ist der erste physische Standort, der mit dem Ziel von 100 GW pro Jahr an US-Solarfertigungskapazität verbunden ist, das Elon Musk im Januar 2026 in Davos verkündete, als er sagte, Tesla und SpaceX würden jeweils unabhängig die gesamte Solar-Lieferkette von den Rohstoffen bis zu den fertigen Modulen aufbauen.

Standort Brookshire: 1.65 million sq ft und wachsend

Tesla mietet bereits zwei Gebäude im Empire West mit insgesamt 1.65 million sq ft und plant ein weiteres Gebäude von rund 600,000 sq ft, womit die in Aussicht gestellte Fläche 2.2 million sq ft übersteigt. Die beiden bestehenden Gebäude und die geplante Erweiterung liegen auf demselben Campus wie die Megapack Megafactory, Teslas wichtigstem US-Hub für netzgekoppelte Speicher.

Gebäude Fläche Status
Building 9 + Building 10 1.65 million sq ft (zusammen) Von Tesla angemietet
Zusätzliches Gebäude ~600,000 sq ft Geplant
Auf demselben Campus Megapack Megafactory In Betrieb

Die Co-Location ist aus zwei Gründen wichtig. Erstens teilen sich fertige Module und Megapacks die Kunden — Versorger und große gewerbliche Installateure, die Erzeugung und Speicherung gemeinsam beschaffen. Zweitens kann Tesla Logistik, Stromversorgungs­infrastruktur und Belegschaft über beide Produktlinien hinweg weiterverwenden.

Wie es zur $2.9B-Story über chinesische Anlagen passt

Der Standort in Brookshire ist das Ziel für die Fertigungsanlagen, die Tesla still und leise beschafft hat. Im März 2026 berichtete Electrek über eine CNBC-Meldung, wonach Tesla in Verhandlungen über den Kauf von rund 2.9 Milliarden Dollar chinesischer Solarfertigungs­anlagen stand, wobei Suzhou Maxwell Technologies unter den Lieferanten genannt wurde. Diese Anlagen haben nun einen Bestimmungsort.

Die Fläche in Brookshire ist Teil eines breiteren US-Fertigungs­aufbaus. In einem verwandten Schritt bestätigte pv magazine USA im März 2026, dass Tesla der zuvor nicht namentlich genannte Käufer hinter LG Energy Solutions LFP-Zellgeschäft über 4.3 Milliarden Dollar war — und sicherte sich damit die inländische Versorgung mit Zellen für stationäre Speicher parallel zur neuen Modullinie.

Realitätscheck zu 100 GW

Die Zahl 100 GW braucht Einordnung. Die weltweite Solarmodulproduktion lag 2024 bei rund 700 GW, fast vollständig chinesisch. Eine 100-GW-Linie eines einzelnen Unternehmens in den USA wäre eine der größten nationalen Solarfertigungsflächen, die jemals geplant wurden, und Tesla sagt zudem, dass SpaceX eine separate 100-GW-Anlage errichtet. Die angekündigte Fläche in Brookshire ist auch mit dem zusätzlichen Gebäude für sich genommen nicht auf 100 GW ausgelegt; es ist die erste Phase. Tesla hat Solar-Ziele schon früher verfehlt — die ursprüngliche Buffalo Gigafactory erreichte nie den 2016 zugesagten Umfang der Zellfertigung — daher ist die richtige Lesart von 100 GW eine angestrebte Obergrenze, keine zugesagte Kapazität.

Was es für europäische Tesla-Energy-Kunden bedeutet

Die Fabrik in Brookshire ist ein US-Projekt und wird kurzfristig nicht direkt europäische Powerwall- oder Solarkunden bedienen. Zwei indirekte Effekte sind aber im Blick zu behalten. Wenn Tesla in Texas nennenswerte Modulvolumen ans Netz bringt, kann sie chinesische und koreanische Liefermengen für Nicht-US-Märkte einschließlich der EU freisetzen, und sie diversifiziert Tesla Energy weg von der rein asiatischen Lieferkette, die seit 2024 die europäischen Powerwall-Lieferzeiten begrenzt. Für EU-Käufer von Tesla Megapack und Powerwall ist eine in den USA verankerte Vorstufe eher eine Resilienz- als eine Preisgeschichte — zumindest bis die ersten Module aus Brookshire ausgeliefert werden.