Android-Besitzer erhalten endlich die App
Tesla hat seine Robotaxi-App im Google Play Store veröffentlicht, fast ein Jahr nachdem dieselbe App erstmals unter iOS erschienen war. Mit dem Start schließt sich eine bemerkenswerte Lücke für US-Fahrgäste, die bisher eine autonome Tesla-Fahrt nur über ein iPhone bestellen konnten.
Die Android-Version spiegelt den Funktionsumfang von iOS wider: Konto-Anmeldung, Fahrtbuchung, Echtzeit-Fahrzeugverfolgung, Fahrtenhistorie und Bezahlung. Vorerst ist die App per Geofencing auf US-Servicegebiete beschränkt, wobei Europa auf der Startliste fehlt – ein vertrautes Muster für Teslas Autonomieprodukte, die regulatorische und betriebliche Meilensteine in der Regel zunächst in Nordamerika erreichen, bevor sie EU-Typgenehmigungen angehen.
Wo der Dienst heute läuft
Das Robotaxi-Netzwerk ist im Laufe des Jahres 2026 stetig gewachsen. Nach dem ursprünglichen Start in Austin hat Tesla Houston und Dallas als vollständig unbeaufsichtigte Märkte hinzugefügt, und das Unternehmen hat fünf weitere US-Städte für den Rollout im ersten Halbjahr 2026 angekündigt. In Phoenix werden sichtbar Fahrzeuge in Stellung gebracht, dort wurden vor der Aktivierung rund sechzig mit Robotaxi-Ausstattung versehene Model Y gesichtet.
Im Gegensatz zu Waymo, das eine Flotte mit eigens entwickelten Sensoren und proprietären Fahrzeugen betreibt, läuft der Tesla-Dienst auf Model Y- und Model 3-Fahrzeugen mit derselben FSD-Hardware wie die Verbraucherflotte. Der Cybercab, von Grund auf ohne Lenkrad und Pedale konzipiert, ist nun in Giga Texas in die Produktion gegangen und wird die Model Y-Übergangsfahrzeuge mit zunehmendem Hochlauf nach und nach ablösen.
Tesla geht auch preislich aggressiv gegen Waymo vor. Fahrten in den Texas-Märkten lagen unter den von Waymo veröffentlichten Tarifen für vergleichbare Distanzen – ein bewusstes Signal, dass das Unternehmen die Ökonomie der Fahrtvermittlung als Frage von Volumen und Auslastung und nicht als Premium-Dienst betrachtet.
Was die App leistet und was nicht
Die Robotaxi-App bedient die Nachfrageseite des Netzwerks: Ein Fahrgast öffnet sie, wählt Abhol- und Zielort, beobachtet das herannahende Fahrzeug und zahlt am Ende der Fahrt automatisch. Die Abholung erfolgt in den aktiven Märkten unbeaufsichtigt, das heißt, kein Tesla-Mitarbeiter sitzt vorne. Bei Problemen während der Fahrt kann über die App ein Fernsupport-Team gerufen werden.
Die App fungiert derzeit nicht als Begleit-App für Tesla-Besitzer – das bleibt die ursprüngliche Tesla app, die sich um Laden, Klima, Sicherheit und nun auch um die in Version 4.56 eingeführten Virtual Supercharger Queues kümmert. Die beiden Apps sind bewusst getrennt, damit Fahrtvermittlungs-Kunden, die keine Tesla besitzen, nur das installieren können, was sie tatsächlich benötigen.
Das europäische Bild
Für europäische Leserinnen und Leser ist der Android-Start eher ein nützlicher Wegpunkt als ein Produkt, das sie heute nutzen können. FSD Supervised hat soeben in den Niederlanden seine erste europäische Zulassung erhalten, Deutschland, Frankreich und Italien sollen folgen. Ein unbeaufsichtigter kommerzieller Robotaxi-Dienst in einem EU-Land ist regulatorisch deutlich aufwendiger und erfordert weit mehr als UN R-171, einschließlich Betriebsgenehmigungen jedes einzelnen Mitgliedstaats.
Tesla hat sich nicht auf ein europäisches Robotaxi-Datum festgelegt. Der realistischste Weg sieht zunächst nach einem stufenweisen Supervised-FSD-Mitfahrdienst aus – der bereits in Italien, Frankreich, Deutschland, Dänemark und der Schweiz läuft – gefolgt von begrenzten, geofencedten unbeaufsichtigten Pilotprojekten, sobald mindestens eine große EU-Aufsichtsbehörde den betrieblichen Rahmen genehmigt. Die Android-App ist in diesem Sinne nützliche Infrastruktur für einen Dienst, den europäische Besitzerinnen und Besitzer erst später und nicht in Kürze sehen werden.