Die Patentveröffentlichung

Am 16 April 2026 hat die Weltorganisation für geistiges Eigentum ein internationales Patent veröffentlicht, das offenbar die mechanische Konstruktion der Hand und des Unterarms der nächsten Generation von Teslas humanoidem Roboter Optimus offenlegt. Die vom Tesla-Beobachter Sawyer Merritt aufgespürte Anmeldung wurde zusammen mit einer begleitenden Anmeldung am selben Tag eingereicht wie das „We, Robot”-Event im Oktober 2024 — ein vielsagender Zeitpunkt, der darauf hindeutet, dass es sich um die Architektur des Optimus V3 handelt.

Sehnengetrieben, Aktuatoren im Unterarm

Die zentrale Konstruktionsentscheidung ist eine sehnen- und seilgetriebene Hand. Schwere Aktuatoren sitzen im Unterarm, nicht in der Hand selbst. Drei dünne, flexible Steuerseile pro Finger verlaufen vom Unterarm aus, führen durch das Handgelenk und sind mit den einzelnen Fingersegmenten verbunden. Es ist dieselbe Architektur, die auch die menschliche Hand nutzt: Ihre Muskeln liegen überwiegend im Unterarm, nicht in den Fingern, weshalb Finger kompakt sein und dennoch Kraft ausüben können.

Für einen Roboter bringt dies drei Vorteile: Die Hand selbst kann klein und leicht sein, Wärme und Gewicht der Motoren bleiben von den empfindlichen Greifflächen fern, und die Aktuatoren lassen sich als ein einziges Unterarmmodul verpacken und warten.

22 Freiheitsgrade — doppelt so viele wie in der Vorgängergeneration

Merkmal Optimus V2 (aktuell) Optimus V3 (Patent)
Freiheitsgrade pro Finger ~2 4
Freiheitsgrade am Handgelenk ~1 2
Gesamt-DoF (Hand + Handgelenk) ~11 22
Position der Aktuatoren Hand und Unterarm Nur Unterarm
Fingergelenktyp Stiftdrehgelenke Rollkontaktgelenke

Die Verdopplung der Freiheitsgrade macht aus einer Hand, die greifen kann, eine Hand, die manipulieren kann. Vier Freiheitsgrade pro Finger bedeuten, dass der Roboter den Finger so formen kann, dass er sich um komplexe Objekte schmiegt, und ihn nicht nur wie einen Schraubstock schließt. Zwei am Handgelenk bedeuten, dass der Roboter die Hand drehen kann, ohne den gesamten Unterarm zu bewegen.

Das Detail des Rollgelenks verdient Beachtung. Menschliche Fingerknöchel drehen sich nicht um einen festen Stift — die Knochenflächen rollen aufeinander ab, und der Drehpunkt verschiebt sich beim Krümmen des Fingers leicht. Das Patent beschreibt genau dieses Verhalten und verleiht dem Optimus V3 eine natürlichere Biegebewegung, die echte Hände deutlich genauer nachahmt.

Der Produktionsfahrplan

Tesla hat wiederholt erklärt, dass Optimus zu einem Volumenprodukt werden soll. Der aktuelle Plan:

  • Sommer 2026 — Start der Kleinserienfertigung des V3, zunächst für den internen Einsatz im Werk Fremont.
  • 2027 — Hochlauf in Richtung Großserienfertigung.
  • Zielkapazität — eine Million Einheiten pro Jahr im Vollbetrieb.

Diese letzte Zahl ist ambitioniert. Zum Vergleich: Teslas derzeitige weltweite Fahrzeugproduktion liegt bei rund 1.8 million Fahrzeugen pro Jahr. Eine vergleichbare Laufrate bei einem Roboter zu erreichen, würde in etwa denselben physischen und lieferkettenseitigen Fußabdruck erfordern wie das Automobilgeschäft.

Warum das für Tesla-Besitzer relevant ist

Direkt ist es das nicht — ein Optimus-Roboter ist nicht Bestandteil eines Tesla-Fahrzeugkaufs. Indirekt besteht jedoch ein realer Zusammenhang. Teslas AI5-Chip, dessen Tape-out nur einen Tag vor der Veröffentlichung dieses Patents bestätigt wurde, ist ausdrücklich Optimus und Supercomputer-Clustern vorbehalten, nicht neuen Fahrzeugen. Tesla teilt seine Rechen-Investitionen nun offen zwischen Fahrzeugen und Robotern auf, und die Offenlegung der V3-Hand ist das bisher deutlichste Signal, dass die Roboterseite die Plattform ist, die Tesla zuerst skalieren möchte.