Tesla veröffentlichte den Master Plan Part 4 am 1. September 2025, und zum ersten Mal in der Unternehmensgeschichte stehen Fahrzeuge nicht im Mittelpunkt. Das Dokument mit dem Untertitel „nachhaltige Fülle" positioniert Tesla in erster Linie als KI- und Robotikunternehmen — eine Einordnung, die Investoren gespalten hat und auf scharfe Kritik von Branchenbeobachtern stößt.
Was der Plan besagt
Der Master Plan Part 4 skizziert fünf Leitprinzipien: unendliches Wachstum, Innovation als Beseitigung von Hindernissen, Technologie zur Lösung greifbarer Probleme, Autonomie zum Nutzen der Menschheit und breiterer Zugang als Wachstumstreiber. Er organisiert Teslas Zukunft um drei Säulen:
- Elektrofahrzeuge: Fortsetzung der bestehenden Modellpalette vom Roadster über Model S/X bis Model 3/Y, aber als eine Säule unter Gleichen und nicht mehr als Kerngeschäft.
- Energieprodukte: Solare Stromerzeugung und Batteriespeicher für saubere Energie im großen Maßstab.
- Optimus-Roboter: Teslas humanoider Roboter, beschrieben als fähig, „monotone oder gefährliche" Aufgaben zu bewältigen und „Menschen mehr Zeit für das zu geben, was sie lieben."
Das Dokument betont die Kombination von Fertigungsmaßstab mit autonomer Technologie zur Neudefinition von „Arbeit, Mobilität und Energie" auf globaler Ebene.
Die Kritik
Die Reaktion war schnell und überwiegend skeptisch. Fred Lambert von Electrek bezeichnete den Plan als „utopischen Unsinn" und „Opium für Tesla-Aktionäre" und wies darauf hin, dass frühere Master-Pläne unvollständig geblieben sind — Part 2 von 2016 ist nach neun Jahren immer noch nicht abgeschlossen.
Das Optimus-Programm steht besonders unter Beobachtung. Bis Mitte 2025 hatte Tesla etwa 1.000 Prototypen gebaut, die Produktion wurde jedoch wegen Überhitzung, schwacher Batterien und geringer Nutzlast gestoppt. Öffentliche Vorführungen — einschließlich einer in einem Tesla-Restaurant in Los Angeles — zeigten, dass die Roboter oft menschliche Fernsteuerung benötigen. Bei diesem Event „funktionierte der Roboter am ersten Tag ein paar Stunden" und ging dann laut Berichten einen Monat lang offline.
Was es für europäische Besitzer bedeutet
Für europäische Tesla-Besitzer signalisiert der Plan, dass Fahrzeuginnovation zunehmend hinter KI- und Robotikinvestitionen zurücktreten könnte. Das Dokument enthält keine neuen Fahrzeugmodelle, keine Europa-spezifischen Zusagen und keinen Zeitplan für das lang erwartete günstige Tesla-Modell.
Dies kommt zu einer schwierigen Zeit in Europa. Teslas Marktanteil auf dem Kontinent sinkt, und Wettbewerber präsentierten auf der IAA 2025 erschwingliche Elektrofahrzeuge und überlegene Ladetechnologie. Ob sich Teslas KI-Wette für europäische Kunden auszahlt, bleibt eine offene Frage.
Aktualisierung: Anfang 2026 stieß das Optimus-Programm weiterhin auf Verzögerungen. Keine Verbraucherversion wurde angekündigt. Die weltweiten Fahrzeugverkäufe gingen 2025 um 9,1 % zurück.