Teslas Gigafactory Berlin-Brandenburg hat still und leise 93.000 Meilen — etwa 150.000 Kilometer — Full-Self-Driving-Betrieb auf Model Y angesammelt, die das Werk verlassen, obwohl FSD für private deutsche Halter auf öffentlichen Straßen weiterhin nicht verfügbar ist. Tesla-AI-Chef Sawyer Merritt teilte den Meilenstein am 11. Mai 2026 zusammen mit einem Tesla-Manufacturing-Video, in dem General-Assembly-Teammitglied Jan den Ablauf erläutert.

So funktioniert FSD im Werk

Seit Oktober 2025 aktiviert jeder Model Y, der den „Light Tunnel“ in Giga Berlin — die letzte visuelle Inspektionsstation — durchquert, FSD und fährt sich selbst aus dem Gebäude. Die Route verläuft nicht geradlinig. Die Fahrzeuge queren laufenden Werksverkehr, halten an einem Supercharger auf dem Gelände für eine Vor-Auslieferungsladung und parken sich anschließend selbst auf dem Versandparkplatz für die Transporter ein.

Das Umfeld ist bewusst kontrolliert: breite Fahrspuren, vorhersehbare Layouts, kaum Fußgänger und gleichmäßige Beleuchtung. Genau das macht den Betrieb nach deutschem Recht zulässig — die gesamte Route liegt auf Teslas privatem Grund und fällt damit außerhalb der Zulassungsregeln für öffentliche Straßen, die FSD für deutsche Halter bisher blockiert haben.

Warum 93.000 Meilen wichtig sind

Die Größenordnung ist nicht trivial. Giga Berlin produzierte im ersten Quartal 2026 im Durchschnitt rund 4.700 Fahrzeuge pro Woche und hat seit der Eröffnung 2022 insgesamt 750.000 Autos gebaut. Über dieses Volumen hinweg nimmt das autonome Vorhalten den menschlichen Mitarbeitern eine spürbare Logistikaufgabe ab und liefert Tesla einen kontinuierlichen Strom realer FSD-Telemetrie von deutschen Straßen — auch wenn diese Straßen innerhalb des eigenen Zauns liegen.

Kennzahl Wert
Kumulierte mit FSD gefahrene Meilen 93,000 (≈150,000 km)
Beginn des regulären Werkseinsatzes von FSD October 2025
Durchschnittliche Wochenproduktion ~4,700 vehicles (Q1 2026)
Gesamt in Giga Berlin gebaute Model Y 750,000

Was das für FSD in Europa bedeutet

Eine Zulassung von FSD Supervised auf EU-Ebene gab es bisher nur aus den Niederlanden, die das System im April 2026 freigegeben haben. Das deutsche Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) hat noch nicht zugestimmt, und der Bundesrat verhandelt weiterhin den Rahmen für höhere Automatisierungsstufen. Teslas Werksdaten ändern daran nichts, geben dem Unternehmen aber für die nächste Regulierungsrunde ein faktenbasiertes Argument: dieselbe Software läuft auf deutschem Boden bereits zuverlässig, nur eben auf privatem Grund.

Für Halterinnen und Halter in Berlin, München oder Hamburg bleibt der praktische Ausblick unverändert — FSD auf öffentlichen Straßen erfordert weiterhin eine KBA-Zulassung. Das Werksprogramm legt jedoch nahe, dass Tesla den betrieblichen Nachweis für diese Zulassung vorbereitet und bereit ist, die Daten den Behörden zu zeigen, die danach fragen.

Wie es weitergeht

Tesla befindet sich mitten in einem 20-prozentigen Produktionshochlauf in Giga Berlin und plant, in diesem Jahr 1.000 neue Mitarbeiter einzustellen, mit dem Ziel von 8 GWh Batteriekapazität vor Ort bis 2027. Mit steigender Produktion wird die autonome Vorhalteflotte ihre FSD-Laufleistung proportional erhöhen — und genau diese Datenspur ist die Art von Nachweis, die europäische Aufsichtsbehörden von Tesla einfordern, bevor sie FSD für den öffentlichen Verkehr öffnen.