Das irische Verkehrsministerium bestätigte am 10. Mai 2026, dass Tesla mit der irischen Normungsbehörde (NSAI) und dem Verkehrsministerium über die Zulassung von Full Self-Driving (Supervised) für die Nutzung auf irischen Straßen verhandelt. Mit dieser Bestätigung wird Irland zum konkretesten nächsten Kandidaten nach den Niederlanden, die am 10. April 2026 die erste nationale Zulassung in der EU erhalten haben (RTÉ News, Drive Tesla Canada, Teslarati).
Warum die Gespräche jetzt stattfinden
Erst seit März 2026 ist Irland rechtlich überhaupt in der Lage, Zulassungen für Assistenzsysteme der Stufen Level 2 und Level 2+ auf öffentlichen Straßen zu prüfen. Staatsminister für Verkehr Seán Canney unterzeichnete am 2. März 2026 die Durchführungsverordnung (Statutory Instrument) zur Inkraftsetzung von Section 5(a) des Road Traffic and Roads Act 2023 und schuf damit erstmals einen nationalen Rechtsrahmen für die NSAI. Ohne diese Rechtsgrundlage wäre nicht einmal ein herstellerseitiges Gespräch über eine nationale Zulassung möglich gewesen.
Das Ministerium hat klargestellt, dass die Gespräche auf zwei Schienen verlaufen. Auf nationaler Ebene geht es um die spezifisch irischen Rahmenbedingungen — Geschwindigkeitsbegrenzungen, Fahrbahnmarkierungen und Verkehrssicherheitsprüfungen. Die EU-Schiene ist eine Abstimmung im Technischen Ausschuss „Kraftfahrzeuge” (TCMV) der Europäischen Kommission, die für Mai oder Juni 2026 erwartet wird. Sollte der TCMV einen EU-weiten Rahmen genehmigen, würden nationale Zulassungen in der gesamten Union deutlich einfacher.
Was Tesla-Besitzer in Irland erwarten können
Die niederländische Vorlage ist mittlerweile das Arbeitsmodell für ganz Europa. Tesla hat dort FSD (Supervised) zu einem Abopreis von 99 € pro Monat (49 € für Besitzer von Enhanced Autopilot) am selben Tag eingeführt, an dem die RDW die Zulassung erteilte. Für einen kurzen Zeitraum wurde ein Einmalkauf für 7.500 € angeboten. Tesla hat bereits bestätigt, dass der Rest Europas nach dem 21. Mai 2026 ausschließlich auf das Abo umgestellt wird.
Wenn Irland FSD nach einem ähnlichen Zeitplan zulässt, sollten irische Käufer mit Folgendem rechnen:
| Punkt | Wahrscheinliches Ergebnis |
|---|---|
| Zulassungsbehörde | NSAI (mit TCMV im Hintergrund) |
| Abopreis | Etwa 99 €/Monat, dem niederländischen Vorbild folgend |
| Einmalkauf | Unwahrscheinlich — nach dem 21. Mai 2026 nur noch im Abo |
| Berechtigte Fahrzeuge | Zuerst Fahrzeuge mit Hardware 4 (HW4) |
Wo die Gespräche ins Stocken geraten könnten
Nicht jede europäische Aufsichtsbehörde ist mit Teslas Ansatz einverstanden. Norwegische, schwedische und finnische Behörden haben öffentlich Bedenken geäußert, dass FSD dazu neige, die zulässige Höchstgeschwindigkeit zu überschreiten, und hinterfragten, wie sich das System auf vereisten Straßen verhält (Electrek). Einige dieser Bedenken finden sich in der Korrespondenz im Vorfeld des TCMV und könnten die Abstimmung später in diesem Monat beeinflussen.
Die irische Zulassung wird voraussichtlich Leitplanken enthalten — Vorgaben zum Umgang mit Geschwindigkeitsbegrenzungen, Anforderungen an das Verhalten der Fahrerüberwachung sowie dieselben Vorbehalte zur „Hands-on”-Pflicht, die in den Niederlanden gelten. Die Wortwahl des Ministeriums — „Wenn die Technologie auf EU-Ebene zugelassen wird, könnte sie anschließend auch in Irland erlaubt werden” — lässt zudem Raum für einen langsameren nationalen Weg, falls die TCMV-Abstimmung im Mai oder Juni nicht zugunsten Teslas ausfällt.
Was das für den Rest Europas bedeutet
Irland wäre das zweite EU-Land mit aktivem FSD (Supervised) und das erste innerhalb des englischsprachigen Common Travel Area. Für britische Tesla-Besitzer ist das relevant: Die irische Zulassung wäre der am nächsten gelegene aktive FSD-Markt zu den britischen Straßen. Zugleich erhielte die EU-weite Politikdynamik einen zweiten Datenpunkt neben den Niederlanden, die bislang der einzige nationale Referenzfall sind.
Eine Entscheidung wird in diesem Monat nicht erwartet, doch die Bestätigung durch das Verkehrsministerium verschiebt Irland von „spekulativ” zu „in aktiver Diskussion” — ein bedeutender Schritt vor der TCMV-Abstimmung.