Tesla hat eine neuartige Verwendung für Hardware gefunden, die ohnehin in jedem gebauten Fahrzeug steckt: die Innenraummikrofone. Bei den finalen Werkskontrollen nutzt das Unternehmen nun die fahrzeugeigenen Kabinenmikrofone, um auf Knarzen und Klappern zu hören, und erkennt Verarbeitungsmängel direkt am Band, statt sie den Besitzern zu überlassen, die sie Wochen später entdecken.

Das Fahrzeug hört sich selbst zu

Beschrieben wurde der Ansatz von Lars Moravy, dem Vizepräsidenten für Engineering bei Tesla, der erläuterte, dass das Unternehmen die Innenraummikrofone als Instrument der Qualitätskontrolle einsetzt. Während ein Fahrzeug die Endabnahme am Band durchläuft, erfassen die Mikrofone die Geräusche, die Karosserie und Innenraum unter Bewegung und Vibration erzeugen. Eine Software kennzeichnet anschließend akustische Signaturen, die auf lose Verkleidungen, Spaltmaße oder aneinander reibende Bauteile hindeuten.

Da die Sensoren ohnehin für Funktionen wie die Kabinengeräuschunterdrückung und Sprachbefehle verbaut sind, fügt Tesla die Fähigkeit weitgehend über Software hinzu — keine neue Hardware, keine Zusatzkosten pro Fahrzeug. Es ist dieselbe Philosophie, die dahintersteht, dass Tesla seine Außenmikrofone und Kameras für andere Diagnosen nutzt: wiederverwenden, was das Fahrzeug ohnehin schon mitführt.

Warum Knarzen und Klappern wichtig sind

Knarzen und Klappern im Innenraum gehören bei jedem modernen Auto zu den häufigsten Beschwerden der Besitzer, und sie haben Tesla besonders begleitet, als die Produktion hochgefahren wurde. Sie sind zudem notorisch schwer zu reproduzieren — ein Klappern, das auf einem bestimmten Straßenbelag oder bei einer bestimmten Temperatur auftritt, kann einem Techniker in der Werkstatt entgehen. Indem Tesla den akustischen Fingerabdruck bereits im Werk erfasst, kann das Unternehmen ein problematisches Fahrzeug vor der Auslieferung erkennen und die Daten mit der Zeit zurückspielen, um herauszufinden, welche Montageschritte oder Zulieferer die meisten Geräuschbeschwerden verursachen.

Ein Muster softwaregestützter Qualitätskontrolle

Die Mikrofontechnik fügt sich in einen umfassenderen Wandel ein, wie Tesla an die Fertigung herangeht. Statt sich allein auf menschliche Prüfer zu verlassen, rüstet das Unternehmen seine Fahrzeuge zunehmend so aus, dass sie sich selbst prüfen, und nutzt dafür Bordsensoren und maschinelle Analyse, um zu standardisieren, was früher ein subjektives Ermessensurteil war. Das lässt sich über mehrere Werke hinweg besser skalieren und hilft, die Qualität zwischen Fahrzeugen aus Fremont, Texas, Shanghai und Berlin konstant zu halten.

Für europäische Käufer, deren Model Y und Model 3 überwiegend aus der Gigafactory Berlin-Brandenburg stammen, ist eine strengere akustische Endkontrolle ein willkommenes Zeichen. Die Gleichmäßigkeit der Verarbeitungsqualität war in europäischen Tests ein wiederkehrendes Thema, und ein System, das Klappern erkennt, bevor ein Fahrzeug das Werk verlässt, dürfte frühe Werkstattbesuche verringern und das Besitzerlebnis vom ersten Tag an verbessern.