Der italienische Senator Carlo Calenda hat am 29. April 2026 eine formelle parlamentarische Anfrage eingereicht, in der er das Ministerium für Infrastruktur und Verkehr auffordert, die Zulassung von Teslas FSD-Supervised-System in Italien vorrangig zu behandeln. Die Anfrage — registriert im Rahmen der 415. Sitzung der 19. Legislaturperiode — wurde rund drei Wochen nachdem die Niederlande als erster EU-Mitgliedstaat FSD Supervised gemäß UN-Regelung R-171 zugelassen hatten, eingereicht und stellt den bislang prominentesten politischen Vorstoß für FSD innerhalb Italiens dar.

Was Calenda fordert

Calendas Anfrage richtet vier konkrete Forderungen an den Verkehrsminister: zu bestätigen, ob die Regierung die Zulassung von FSD Supervised in Italien priorisieren wird; ob sie sich direkt mit Tesla und der niederländischen RDW über die technische Bewertung austauschen wird; ob sie das Verfahren vor der nächsten Diskussion auf EU-Ebene beschleunigen kann; und einen voraussichtlichen Zeitplan für die italienische Zulassung anzugeben. Calenda begründete die Forderung mit der praktischen Realität auf italienischen Straßen — Zehntausende Tesla-Fahrzeuge sind bereits mit der für den Betrieb des Systems erforderlichen Hardware im Einsatz — und argumentierte, dass Eigentümer, die für FSD bezahlt haben, nicht unbegrenzt warten sollten, während benachbarte Mitgliedstaaten vorangehen.

Italiens vorsichtige Haltung

Die Antwort des Ministeriums, die noch am selben Tag erfolgte, lautete, dass auf europäischer Ebene keine Entscheidung getroffen worden sei und Italien der für Mai vorgesehenen gemeinsamen EU-Bewertung nicht vorgreifen werde. Das Ministerium äußerte sich klar zur Rechtsmechanik: Eine von einem Mitgliedstaat erteilte vorläufige Typgenehmigung hat nationale Gültigkeit, und jeder andere Mitgliedstaat behält den Ermessensspielraum darüber, ob er sie auf seinem eigenen Territorium akzeptiert. Mit anderen Worten: Die Zulassung der niederländischen RDW erstreckt sich nicht automatisch über die Grenzen — Italien wird seine eigene Entscheidung nach eigenem Zeitplan treffen.

Das größere europäische Bild

Italien steht mit dem Warten nicht allein. Frankreich hat erklärt, FSD vor Abschluss der EU-Prüfung nicht zuzulassen. Schweden hat eine restriktivere Auslegung von R-171 signalisiert. Norwegen hat Bedenken hinsichtlich der nordischen Winterfahrt geäußert. Die Zulassung in Belgien erfordert die Zustimmung von drei Regionalregierungen, von denen jede über eine eigene Verkehrskompetenz verfügt. Lediglich Spanien hat bislang Tesla und die niederländische RDW im Anschluss an die niederländische Entscheidung um ein beschleunigtes Verfahren gebeten.

Land Status Hinweis
Niederlande Zugelassen Aktiv unter UN R-171 seit April 2026
Spanien Beschleunigung beantragt DGT formell mit RDW im Austausch
Italien Anhängig Calenda-Anfrage eingereicht; EU-Treffen abgewartet
Frankreich Anhängig Wird vor EU-Bewertung nicht handeln
Schweden Anhängig Restriktive Auslegung signalisiert
Norwegen Anhängig Bedenken zu nordischen Bedingungen geäußert
Belgien Anhängig Erfordert drei Regionalregierungen

Warum es wichtig ist

Für italienische Tesla-Besitzer ist Calendas Anfrage das erste konkrete Signal, dass FSD Supervised politische Rückendeckung im italienischen Parlament hat. Sie ändert die Position des Ministeriums nicht und zieht Italien auch nicht vor das EU-Treffen im Mai. Aber sie bringt das Thema ins parlamentarische Protokoll und zwingt das Ministerium zu einer schriftlichen Antwort — ein verfahrensrechtlicher Schritt, der historisch dazu neigt, Fälle zu beschleunigen, die Regierungsstellen sonst auf der langsamen Spur belassen würden. Eigentümer, die auf einen italienischen Zeitplan hoffen, werden das nächste echte Signal nicht aus Rom, sondern im Mai aus Brüssel erhalten.