Teslas einzige europäische Fabrik steht im Zentrum eines Streits über Produktionszahlen. Anfang März 2026 veröffentlichte Berichte behaupten, Giga Berlin arbeite weit unter seinem Potenzial, während die Werksleitung auf einen Aufwärtstrend beharrt.
Der Handelsblatt-Bericht
Die Wirtschaftszeitung Handelsblatt berichtete, dass die Produktion im Grünheide-Werk 2025 auf rund 149.000 Model Y gesunken sei — etwa 30 % weniger als 2024. Bei einer Jahreskapazität von rund 375.000 Fahrzeugen läge die Auslastung damit unter 40 %.
Der Bericht führt den Rückgang auf die schwächelnde europäische Nachfrage nach Tesla-Fahrzeugen zurück und verweist auf den 28-prozentigen Rückgang der Markenzulassungen in Europa 2025 sowie den anhaltenden Wettbewerbsdruck chinesischer Hersteller.
Reaktion der Werksleitung
Werkleiter André Thierig wies die Berichte energisch zurück und beschuldigte das Handelsblatt, von der Gewerkschaft IG Metall beeinflusst zu sein. Thierig erklärte, die Produktion sei im gesamten Jahr 2025 gegenüber dem jeweiligen Vorquartal gestiegen, und für Q1 2026 sei eine weitere Steigerung gegenüber Q4 2025 geplant.
Teslas offizielle Position lautet, dass das Werk seit Produktionsbeginn 2022 mehr als 700.000 Model Y gefertigt habe und derzeit über 5.000 Einheiten pro Woche produziere — was bei konstantem Tempo rund 250.000 Fahrzeugen jährlich entspräche.
Arbeitsrechtlicher Kontext
Der Kapazitätsstreit fällt mit einer separaten rechtlichen Anfechtung zusammen. IG Metall reichte Ende März Klage gegen die Ergebnisse der Betriebsratswahl bei Giga Berlin ein und warf Tesla vor, den Wahlprozess unzulässig beeinflusst zu haben.
Das Werk beschäftigt rund 11.000 Mitarbeiter und beliefert mehr als 30 Märkte in Europa, dem Nahen Osten und Afrika.
Was die Zahlen nahelegen
Beide Seiten könnten Teile der Wahrheit enthalten. Wenn die Gesamtjahresproduktion 2025 tatsächlich bei rund 149.000 Einheiten lag, hätte die Wochenrate im Durchschnitt etwa 2.900 betragen — deutlich unter den 5.000 pro Woche, die Tesla als aktuelle Rate angibt. Dies wäre konsistent mit einem Werk, das den Großteil von 2025 langsam lief, aber in Q4 deutlich hochfuhr.
Die Frage ist, ob der Q4-Hochlauf und die geplante Q1-2026-Steigerung einen nachhaltigen Trend oder einen kurzen Ausreißer darstellen. Bei nach wie vor stark negativen Tesla-Zulassungen in den meisten europäischen Märkten bleibt das Nachfragebild unsicher.
Update: 2026-04-24
Werkleiter André Thierig hat für Giga Berlin nun eine Zahl für Q1 2026 veröffentlicht und damit die erste konkrete Angabe seit dem Streit mit dem Handelsblatt geliefert. Das Werk hat in Q1 2026 61,000 Einheiten des Model Y gebaut, ein Quartalsergebnis, das Thierig als Rekord bezeichnete. Hochgerechnet auf das Jahr entspricht dies rund 244,000 Einheiten pro Jahr — unterhalb der Nennkapazität von 375,000/Jahr und im Einklang mit der Darstellung des Handelsblatts, wonach 2025 einen Tiefpunkt markierte, bestätigt aber zugleich die von Thierig vorgetragene quartalsweise Verbesserung. Tesla hat zudem angekündigt, dass die Produktion des Model Y in Berlin ab July 2026 um weitere 20% steigen wird, dass ab May rund 1,000 neue Beschäftigte eingestellt werden und dass 500 Leiharbeiter in unbefristete Verträge übernommen werden. Die Maßnahmen verringern den Abstand zur Nennkapazität, schließen ihn jedoch nicht.