Full Self-Driving rückt näher an Europas Straßen, doch der Weg dorthin bleibt kompliziert. Tesla strebt die regulatorische Zulassung über die Niederlande an und führt gleichzeitig öffentliche Demonstrationen in drei Ländern durch.

Das Tor über die RDW

Tesla arbeitet seit über 12 Monaten mit der niederländischen RDW — der Fahrzeugzulassungsbehörde der Niederlande — zusammen. Die Behörde hat mit Tesla einen Testfahrplan erstellt, der auf Februar 2026 abzielt, um nachzuweisen, dass FSD Supervised den europäischen Anforderungen entspricht.

Die Strategie ist durchdacht. Sobald die RDW eine nationale Ausnahmegeneh­migung erteilt, können andere EU-Mitgliedstaaten diese Zulassung anerkennen, gefolgt von einer offiziellen EU-weiten Abstimmung durch den TCMV (Technical Committee for Motor Vehicles). Die Niederlande dienen damit als Tor zum gesamten europäischen Markt.

Was im Weg steht

Die europäische Typgenehmigung erfordert die Einhaltung der UN-R-171-Normen für Fahrerassistenzsysteme. Die fortgeschritteneren Funktionen von FSD — Spurwechsel ohne Hände am Lenkrad, Betrieb auf nicht kartierten Straßen — passen nicht ohne Weiteres in die bestehenden Vorschriften. Tesla muss für diese Fähigkeiten Ausnahmen gemäß Article 39 beantragen.

Tesla hat die Herausforderung offen benannt. Laut der Sicherheitsdokumentation des Unternehmens sind „einige dieser Vorschriften veraltet“ und eine vollständige Konformität von FSD „würde es in bestimmten Szenarien unsicher machen“. Diese Darstellung wird die Regulierungsbehörden möglicherweise nicht überzeugen, beschreibt aber zutreffend die Lücke zwischen dem, was die Technologie leistet, und dem, was die aktuellen Regeln vorsehen.

Demonstrationsfahrten quer durch Europa

Während der regulatorische Prozess voranschreitet, lässt Tesla Europäer FSD aus erster Hand erleben. Das Mitfahrprogramm (ride-along) des Unternehmens, geleitet von EU-Policy- und Business-Development-Manager Ivan Komusanac, findet in Deutschland (Stuttgart, Frankfurt, Düsseldorf, Köln), Frankreich und Italien statt.

Ursprünglich sollte das Programm Ende 2025 enden, wurde aber aufgrund der hohen Nachfrage bis zum 31. März 2026 verlängert. Städte wie Köln und Düsseldorf waren vollständig ausgebucht, und Nutzer in den sozialen Medien forderten eine Ausweitung auf die Schweiz und Finnland.

Die Demonstrationen erfüllen einen doppelten Zweck: Sie erzeugen öffentliche Begeisterung und sammeln Feedback-Daten, die Tesla den Regulierungsbehörden vorlegen kann.

Tests im großen Maßstab

Tesla gibt an, mehr als eine Million Kilometer interner FSD-Tests in 17 EU-Ländern absolviert zu haben. Dieser Datensatz bildet zusammen mit dem neuesten Sicherheitsbericht des Unternehmens einen Teil des bei der RDW eingereichten Nachweispakets.

Was zu erwarten ist

Wenn die RDW-Demonstration im Februar erfolgreich verläuft, könnten die ersten europäischen FSD-Einsätze innerhalb weniger Monate folgen. Falls nicht — und regulatorische Zeitpläne in Europa haben die Tendenz, sich zu verzögern — wird Tesla seinen Fall durch Mitfahrprogramme und gesammelte Testdaten weiter aufbauen. So oder so sieht 2026 nach dem Jahr aus, in dem FSD endlich den Atlantik überquert.