ABB E-mobility hat am 24. April 2026 seine neue modulare Schnellladeplattform M-Series vorgestellt — ein System, das europäische Ladebetreiber vom Wettrüsten um Spitzenleistung weg und hin zu höherer gelieferter Energie pro Quadratmeter führen soll. Für Tesla- und andere E-Auto-Fahrer in Europa ist dieser Marktstart deshalb wichtig, weil ein Großteil des öffentlichen Ladenetzausbaus 2026 und 2027 über die Hardware-Roadmap von ABB laufen wird — das Unternehmen beliefert Nicht-Tesla-Netze in der gesamten EU, darunter Ionity, Allego, Fastned, Aral pulse und EnBW.

Was ist neu

Die M-Series trennt die Leistungsschränke von den Zapfpunkten, an denen die Kunden tatsächlich anstecken, sodass Standortbetreiber Kapazität ergänzen können, ohne die elektrische Infrastruktur umzubauen. Die Leistung wird zentral gebündelt und dynamisch zwischen aktiven Ladevorgängen verteilt, statt fest einzelnen Stellplätzen zugeordnet zu sein. ABB argumentiert, dass dieser Ansatz auf Standortebene mehr nutzbare Energie pro Stunde liefert als eine Reihe nominell mit 350 kW oder 400 kW beworbener Lader, die selten unter Spitzenlast laufen.

Spezifikationen im Überblick

Spezifikation M-Series
Leistungsbereich 200 kW – 1,2 MW
Ladepunkte pro System Bis zu 24
Erweiterungsschritt 400 kW pro Schrank (bis zu 3 Schränke)
Leistungsdichte 625 kW pro Quadratmeter
Unterstützte Stecker CCS1, CCS2, NACS, MCS
Layout-Konfigurationen 36

Die Unterstützung des MCS-Steckers (Megawatt Charging System) ist bemerkenswert — es handelt sich um denselben Standard, den der Tesla Semi für 1,2-MW-Ladung nutzt, und die M-Series ist das erste ABB-Produkt, das MCS als Standardoption und nicht als einmalige Projektinstallation anbietet.

Warum das für europäische E-Auto-Fahrer wichtig ist

Drei konkrete Gründe.

Erstens: CCS2 ist in Europa weiterhin der Standard, und die Architektur mit gepoolter Leistung der M-Series bedeutet, dass ein Standort mit 30 Stellplätzen für die realistische Durchschnittslast eines stark frequentierten Tages ausgelegt werden kann — und nicht für das Worst-Case-Szenario, in dem alle Stellplätze unter Volllast laufen. Das sollte es den Betreibern ermöglichen, ihren Netzanschluss weiter auszureizen und Standorte schneller in Betrieb zu nehmen.

Zweitens: NACS ist nun Teil der für Europa konzipierten Hauptproduktlinie von ABB. Da sich mehrere Nicht-Tesla-Netze in Europa zu Standorten mit zwei Standards verpflichtet haben, um mit künftigen Tesla-Fahrzeugen kompatibel zu sein, nimmt eine ABB-Plattform, die NACS standardmäßig mitliefert, eine Ausrede für Verzögerungen vom Tisch.

Drittens: Die Leistungsdichte von 625 kW pro Quadratmeter ist entscheidend für innerstädtische Standorte, an denen Platz die knappe Ressource ist. ChargePoint hat am selben Tag eine konkurrierende eigenständige 600-kW-Einheit angekündigt, doch der ChargePoint Express Solo ist ein Design mit fester Leistung pro Stellplatz — näher an der Philosophie der Vorgängergeneration, von der sich ABB nun abwendet.

Wo ABB im Vergleich zu Tesla Superchargern steht

Die V4-Supercharger-Architektur von Tesla liefert in Europa derzeit bis zu 350 kW pro Stellplatz und unterstützt CCS2 sowie NACS. Tesla ist der einzige große europäische Ladebetreiber mit vollständiger vertikaler Integration von der Zelle bis zum Zapfpunkt, und der Ausbau von V4 hat den Preis pro kWh weiter gesenkt. Die M-Series von ABB versucht nicht, mit Teslas vertikaler Ökonomie mitzuhalten — stattdessen bietet sie Drittbetreibern eine Plattform, die bei den Kosten pro gelieferter kWh wettbewerbsfähig bleiben kann, während Tesla V4 auf Nicht-Tesla-Fahrzeuge ausweitet.

ABB hat weder europäische Preise noch einen länderspezifischen Rollout-Plan veröffentlicht. Die ersten Installationen werden bei bestehenden ABB-Partnernetzen in Deutschland, den Niederlanden und den nordischen Ländern im Verlauf der zweiten Jahreshälfte 2026 erwartet.